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Digitalisierung : Der bildungsferne Campus

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Im gleichen Jahr publizierte die Kultusministerkonferenz eine Pressemeldung mit dem Titel „Erfolgreicher Unterricht ist digital – aber nicht ausschließlich“. Die Studie selbst ist bis heute nicht publiziert, nur eine 28-Seiten-Broschüre. Dort steht jedoch nichts von „digitalem Unterricht“, sondern von digitalen Medien in der Sekundarstufe in Mathematik und Naturwissenschaften, die begleitend zum Präsenzunterricht für Selbstlernphasen eingesetzt werden können, sofern Voraussetzungen erfüllt sind: Lehrkräfte sind im Einsatz dieser Medien geschult, betreuen die Übungsphase, und die Schüler arbeiten in Gruppen. Dieser Medieneinsatz ist nicht an ein technisches Format (analog/digital) gebunden, sondern an gut strukturierten Präsenzunterricht im Wechsel mit Übungseinheiten und Gruppenarbeit. Es ist exakt das Gegenteil von dem, was Facebook mit Summit Learning oder Pearson mit Online-Kursen anbieten.

Dazu passt eine aktuelle Studie, die darauf hinweist, dass die Leseleistungen beim Lesenlernen mit Tablets geringer sind als beim Lesenlernen mit Büchern. Dieser negative Effekt verstärkt sich, je früher Kinder Tablets nutzen (Bouygues, 2019). Finanziert werden mit dem Digitalpakt: Tablets.

Eingriff in die Autonomie der Hochschulen

Gleichwohl arbeitet die Kultusministerkonferenz bei den „Empfehlungen zur Digitalisierung der Hochschullehre“ (März 2019) mit der gleichen Strategie. Die von der Bundesregierung eingesetzte Expertenkommission Forschung und Innovation schlägt laut Jahresgutachten 2019 die Einführung einer Digitalisierungspauschale vor. Hochschulen sollen pro Student einen fixen Betrag zu Anwendung, Unterhalt und Ausbau ihrer digitalen Infrastruktur und Weiterentwicklung digitaler Lehr- und Lernangebote erhalten. Zweckgebundene Mittelzuweisungen schaffen Fakten.

Welche inhaltlichen Angebote aus Sicht der Wirtschaft damit verbunden sein sollten, steht in der Studie „Future Skills: Strategische Potentiale für Hochschulen“, die der Stifterverband mit der Unternehmensberatung McKinsey herausgegeben hat. In allen Studiengängen müssten digitale Fachkenntnisse vermittelt und verstärkt Online-Lern-Werkzeuge eingesetzt werden. Gefragt seien transdisziplinäre Studiengänge sowie digitale, netzbasierte Lehr- und Lernformate.

Solche Konzepte greifen tief in die Autonomie der Hochschulen wie der Dozenten ein. Denn laut KMK-Papier sollen Dozenten für ihre Fachdisziplinen digitale Elemente in ihre Lehre integrieren und digitale Lern- und Lehrformate entwickeln oder bei der Akkreditierung von Studiengängen „digitale Kompetenz“ curricular in allen Studiengängen verankern. Mit solchen Forderungen werden sowohl die verfassungsmäßig garantierte Freiheit der Lehre und Forschung als auch die Methodenfreiheit und das Grundrecht auf Freiheit der Berufsausübung in Verbindung mit dem Grundrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit unterlaufen. Die Forderung der Kultusminister, Bund und Länder müssten neben den notwendigen Rahmenbedingungen auch für die Vernetzung der Länderprojekte sorgen, missachtet zudem das Prinzip des Bildungsföderalismus.

Es geht auch offline

Statt aktuelle Technik in die Schulen zu drücken, die in zwei, drei Jahren kostenpflichtig als Elektronikschrott entsorgt werden muss, wäre die Vermittlung von logischen Denkstrukturen und sprachlichem Vermögen geboten. Dazu braucht man weder Rechner noch das Netz. Digital- und Medienkompetenz, vom Coding bis zur vollständigen Medienproduktion, kann man, pädagogisch sinnvoll und datenschutzrechtlich gesichert, an PCs oder Laptops offline im lokalen Intranet lernen, ohne ein Bit an Schülerdaten ins Netz zu verlieren. Es gibt durchaus technische Lösung für den reflektierten Einsatz von IT in Schulen und Universitäten, die sich den Forderungen der Datenökonomie nicht unterordnen.

Es wird Zeit, darüber Auskunft zu geben, dass die Digitalisierung von Schulen und Hochschulen nachweislich weder zu mehr Bildungsgerechtigkeit führt, wie aus der OECD-Studie zu Resilienz von 2018 hervorgeht, noch beim Lehren und Lernen hilft, wie die Hattie-Studie von 2018 belegt, sondern das Geschäftsfeld der Global Education Industries bedient. Das fordert von der Bildungspolitik den Mut, sich aus dem dichten Netzwerk aus IT- und Wirtschaftsverbänden, Stiftungen und Vereinen zu befreien, denen es im eigenen Interesse gelungen ist, das Dogma der Digitalisierung zu verankern. Die Politik muss die Universitäten und Schulen wieder auf die Ziele von Studenten und Schülern ausrichten.

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