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Digitale Weiterbildungen : E-Learning ja – aber bitte nicht zu viel

Buch oder Laptop? In der Uni-Bibliothek kommt meist beides zum Einsatz. Bild: dpa

Kein Arbeitstag ohne E-Mails, kein Urlaub ohne Instagram, keine Anschaffung ohne vorherige Online-Recherche. Aber was das Lernen für die Uni angeht, sagen überraschend viele Studierende: gern auch mal offline!

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          Die Digitalisierung ist überall: Kein Arbeitstag ohne E-Mails, kein Urlaub ohne Instagram, keine Anschaffung ohne vorherige Online-Recherche. Aber wie sieht es an den deutschen Hochschulen aus? Was Studierende über die Digitalisierung der Hochschullehre denken, hat das Bildungsunternehmen Pearson Studium mit Hilfe einer Meinungsstichprobe unter 119 Studierenden aus ganz Deutschland untersucht. Das Ergebnis: Das Interesse an digitalen Lern- und Lehrmethoden ist groß – hat aber auch seine Grenzen.

          Jessica von Blazekovic

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Auf den ersten Blick ist die Begeisterung für E-Learning enorm. 87 Prozent aller befragten Studierenden gaben an, entsprechende Angebote schon einmal genutzt zu haben. 84 Prozent arbeiten sogar regelmäßig damit. Dabei hat sich die Nutzung im Vergleich zum Vorjahr, als die Umfrage zum ersten Mal durchgeführt wurde, verändert: Während damals der Nutzungsschwerpunkt digitaler Geräte auf der Nachbereitung von Vorlesungen lag, ist inzwischen die Begleitung von Vorlesungen und Seminaren im Digitalen genauso wichtig. „Das E-Learning ist damit ganz offensichtlich in deutschen Hochschulen – oder zumindest den zugehörigen Studentenbuden – angekommen“, schreiben die Studienautoren.

          Hinsichtlich der Art der E-Learning-Formate stechen besonders digitale Bücher und Videos sowie Animationen hervor, die 74 beziehungsweise 83 Prozent der Befragten privat nutzen. An der Uni wird hingegen vor allem auf digitale Übungsaufgaben (74 Prozent) und Online-Tests (74 Prozent) zurückgegriffen. Das beliebteste Endgerät der Studierenden für die Nutzung all dieser Anwendungen ist mit 55 Prozent der Computer, gefolgt vom Tablet (29 Prozent). Das Smartphone bevorzugen hingegen nur 16 Prozent der Befragten.

          Viele Dozenten fordern zum E-Learning auf

          Dabei gab etwa die Hälfte an, von ihren Dozenten zur Nutzung von E-Learning-Angeboten aufgefordert worden zu sein. „Nach Meinung der befragten Studierenden kommt es auch aufseiten der Lehrenden zunehmend zu einem digitalisierungsfreundlichen Umdenken“, heißt es in dem Bericht. Dennoch sehen sie immer noch Defizite: 71 Prozent der Studierenden glauben, dass fehlende Bereitschaft und 67 Prozent, dass mangelnde Kenntnisse der Dozenten dafür verantwortlich sind, dass E-Learing nicht oder nicht häufiger eingesetzt wird. Das wünscht sich mit 80 Prozent die große Mehrheit der Befragten.

          Volldigital soll die Uni aber nicht werden. Knapp über die Hälfte der Studierenden kann sich nicht vorstellen, Vorlesungen komplett durch E-Learning zu ersetzen. Sie finden etwa, dass die digitalen Lehrmethoden einen Professor oder eine Professorin nicht ersetzen könnten, im persönlichen Kontakt besser auf spezifische Fragen eingegangen werden könne oder Lernatmosphäre und Austausch verlorengingen. „Trotz großem Interesse am digitalen Lernen zeigt sich: Auch modernen Studierenden ist die reale Interaktion mit Dozenten und Kommilitonen noch immer sehr wichtig“, resümieren die Autoren.

          Die Idee einer Umstellung der deutschen Hochschullandschaft auf rein onlinebasierte Studienangebote wecke bei den meisten Studierenden somit nur wenig Begeisterung. Vielmehr seien Lösungen gefragt, mit denen sich die herkömmliche Hochschullehre digital ergänzen und leichter zugänglich machen ließe.

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