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Digital oder vor Ort : Rolle rückwärts in der Lehre

  • -Aktualisiert am

Studierende der Roosevelt Academy in den Niederlanden kommen wieder in den Präsenzunterricht. Bild: AFP

Vor Corona träumten alle von der digitalen Lehre. Jetzt sehnen genauso viele den Präsenzunterricht zurück. Ist ein Hybridmodell die Lösung?

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          Ein Aktmodell zeichnen, das in einem fernen Raum vor einer Kamera posiert? „Das ist sinnlos, dann könnte man auch einfach ein Foto abzeichnen“, sagt Meret. Die Studentin der Hochschule für Gestaltung Offenbach stand gerade am Ende ihres ersten Fachsemesters, als das Coronavirus aus dem freien Kunststudium ein digitales mit nur noch zwei Dimensionen machte. Von da an verbrachte die 23 Jahre alte Studentin, die ihren Nachnamen nicht in der Zeitung lesen möchte, viel Zeit vor dem heimischen Bildschirm, entweder in Webkonferenzen eines Open-Source-Systems oder mit der Bearbeitung eigener Kreationen, die dann langwierig in die hochschuleigene Cloud hochgeladen werden mussten – zur digitalen Besprechung mit dem Professor und den Kommilitonen: „Ich bin um sieben Uhr aufgestanden und saß teilweise um ein Uhr nachts immer noch am Laptop“, erzählt Meret.

          E-Learning: Vor Corona war das ein geflügelter Begriff, in aller Munde zwar, aber noch nicht so recht in den Köpfen und in der Praxis angekommen. Die weltweite Pandemie machte daraus eine Notwendigkeit. Viel wurde darüber geschrieben, welche Hochschule mit welchen Konzepten herausragte, wie Vorlesungen und Seminare über Nacht aus dem Hörsaal ins Netz verlegt wurden und das Virus einen jahrzehntelang verschleppten Prozess, die Digitalisierung der Lehre, nun endlich im Turbotempo beschleunigen würde.

          Doch die Realität ist wohl eine andere: Inzwischen wünschen sich viele Studierende nichts sehnlicher, als wieder in den Präsenzunterricht zurückzukehren, gibt es Initiativen, die das im kommenden Wintersemester unbedingt durchsetzen möchten. Sie sehen wie Meret die großen Nachteile der Online-Lehre und damit Kreativität, Austausch, ja das gesamte akademische Leben zugrunde gehen. Das digitale Lernen, zumindest in der Art und Weise, wie es aktuell umgesetzt wird, hat sie nicht überzeugt.

          „Du sitzt vor dem Rechner, schaust immer in dieses Licht und verlierst die Aufmerksamkeit“

          Der Niederländer Kasper van der Meulen weiß um die Schwierigkeiten, die das Lernen im digitalen Raum mit sich bringt. Er ist Autor des Buches „Mindlift“, das Methoden zur Konzentrationssteigerung in der digitalisierten Welt vermitteln will. Im Zeitalter der Autodidaktik zu studieren bietet van der Meulen zufolge zwar viele Vorteile: Die schwierigen Passagen eines Videos so oft hintereinander abspielen, bis man sie verstanden hat. Professoren, die langatmig oder mit schleppender Stimme dozieren, auf Schnelllauf stellen. Sich die Grundlagen von den besten Youtubern erklären lassen, wann und wo man will. Doch wissenschaftliche Literatur, Konferenzbeiträge wie TED-Talks oder Dokumentarfilme müssen in seinen Augen mit Sinneseindrücken verbunden werden, damit sie im Kopf bleiben.

          Aber wie soll man die realen Entsprechungen digitaler Informationen aufsuchen, wenn sich die Welt im Lockdown befindet? Mehr noch als der schmerzende Rücken und die brennenden Augen machte Meret die Vereinsamung zu schaffen: „Kunst entsteht im Austausch mit anderen.“ Sieben Kurse hat die Kunststudentin im Corona-Semester belegt, einer hieß „Kreatives Schreiben“. Aber für die Entfaltung der Kreativität fehlten der Studentin Gespräche auf dem Flur, die Reflexion auf dem Weg ins Atelier und das physische Rauskommen – die Sinneseindrücke eben: „Du sitzt vor dem Rechner, schaust immer in dieses Licht und verlierst die Aufmerksamkeit. Es ist wie ein Film, der abläuft. Nach drei Stunden bist du leer“, sagt Meret.

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