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Postkoloniale Kritik : Die Modernisierung der Antike

  • -Aktualisiert am

Zwischen den Deutungsfronten: Thukydides, der Historiker des Peloponnesischen Krieges Bild: Imago

Der Streit um politisch korrekte Deutung hat die Altertumswissenschaften erfasst. Soll man die antike Welt am Maßstab der Gegenwart messen? Ein Gastbeitrag.

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          Die Veränderung ist klein, aber in ihr verdichtet sich eine Entwicklung, die in den amerikanischen Altertumswissenschaften immer wichtiger geworden ist: Auf dem Titelblatt der Herbst-Ausgabe des American Journal of Philology, einer der international angesehensten Zeitschriften in der Klassischen Philologie, steht nicht mehr „begründet von Basil Lanneau Gildersleeve, 1880“. Über Jahrzehnte hinweg Ausdruck des Stolzes auf eine für amerikanische Verhältnisse lange Tradition, ist der Verweis auf einen der ersten namhaften amerikanischen Philologen politisch nicht mehr opportun. Denn Gildersleeve, so die Herausgeber in einer kurzen Erklärung, war ein Rassist und Unterstützer der Südstaaten-Konföderation im Amerikanischen Bürgerkrieg.

          Eine drastischere Maßnahme im Kampf gegen Rassismus, diesmal in der Gegenwart, ergriff jüngst die aufwendig produzierte Online-Zeitschrift Eidolon, beliebt vor allem unter jüngeren Altertumswissenschaftlern für ihre Brückenschläge zwischen Antike und Gegenwart. Wie die Herausgeberin, Donna Zuckerberg, in einem Editorial mitteilt, sollen von nun an die Essays zu siebzig Prozent von Frauen und zu zwanzig Prozent von „people of color“ verfasst werden. Mit dieser als „wirklich ziemlich bescheiden“ eingeführten Verpflichtung seien beide Gruppen überrepräsentiert, aber das sei genau das Anliegen: historisch Unterprivilegierten eine Stimme zu geben. Dabei zeigt sich, dass Sensibilitäten für Identitätspolitik und Datenschutz nicht notwendigerweise koinzidieren. So erhebt Eidolon die für die Durchsetzung der Quote notwendigen Daten mit einem Formular von Google (Donna Zuckerberg ist die Schwester des Facebook-Vorsitzenden).

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