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Jacobs University : Neustart für Bremens ungeliebte Elitehochschule

  • -Aktualisiert am

Der Campus der Jacobs University Bild: Lucas Wahl

Die Jacobs University steht nach dem Rückzug des Sponsors vor dem Aus. Nun soll die Hochschule mit Geldern von SAP und einem chinesischen Konzern zum KI-Zentrum umgebaut werden.

          5 Min.

          „Solche Hochschulen brauchen wir in Deutschland!“ Als die private Jacobs University Bremen (JUB) – damals noch unter dem Namen „International University“ – im September 2001 ihre Tore öffnete, hielt Altbundeskanzler Helmut Schmidt die Festrede. Den neuen Campus, gelegen auf einem ehemaligen Kasernengelände, sah er als leuchtenden Kontrast zu den staatlichen Massenuniversitäten und als längst überfälliges Bekenntnis zu einer „Elite der Leistung“. Auch andere Politiker schwärmten von einem künftigen „Harvard an der Weser“, von dem sie sich Impulse für die Reform des deutschen Hochschulsystems erhofften. Nun, knapp zwanzig Jahre nach ihrer Eröffnung, steht die Privatuniversität in ihrer jetzigen Form vor dem Aus, denn die privaten und staatlichen Geldgeber haben sich aus der Finanzierung zurückgezogen.

          Auf dem JUB-Gelände, so gab der rot-grün-rote Senat der Hansestadt bekannt, ist nun die Errichtung eines „international anerkannten Campus für fortgeschrittene Studien im Bereich der Künstlichen Intelligenz“ geplant. Als Betreiber des angestrebten „Hanse AI Campus“ steht ein Konsortium bereit. Zu ihm gehören das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), das eine Zweigstelle in Bremen unterhält, das deutsche Software-Unternehmen SAP und der chinesische Konzern Neusoft, ein weltweit operierendes Softwareunternehmen mit zwanzigtausend Beschäftigten, das auch Niederlassungen in Deutschland hat. Neusoft, dessen erste Namenssilbe die Abkürzung der „North Eastern University“ in der nordchinesischen Stadt Shenyang ist, kooperiert mit SAP und betreibt selbst private Hochschulen.

          Auf dem geplanten Campus in Bremen, der auch bei der Opposition große Zustimmung findet, sollen dreitausend Studienplätze entstehen. Details zu Forschungsgebieten und Lehrinhalten wurden noch nicht bekanntgegeben. In Kürze wollen die sozialdemokratische Wissenschaftssenatorin Claudia Schilling und die drei Konsortiumspartner eine gemeinsame Absichtserklärung unterzeichnen. Obwohl die Wissenschaftssenatorin dem Verwaltungsrat der Jacobs University vorsteht, erfuhren deren Angehörige einschließlich ihrer Leitung erst aus den Medien von den aktuellen Entwicklungen, ein Vorgang den JUB-Präsident Antonio Loprieno gegenüber dieser Zeitung als „erstaunlich“ bezeichnete. Das findet offenbar auch der Fakultätsrat der Jacobs University, der dem Senat in einem offenen Brief vorwirft, bei der Entscheidungsfindung übergangen worden zu sein.

          Elitenskeptische Stadtpolitik

          Die JUB, deren Unterrichtssprache Englisch ist, bietet fünfzehn Bachelor- und fünf Masterstudiengänge an. Die Studiengebühren betragen je nach Studienprogramm zwischen 10 000 und 28 000 Euro pro akademischem Jahr. Stipendien und Darlehen sollen sicherstellen, dass alle Bewerber, die die Zulassungskriterien erfüllen, ihr Studium aufnehmen können. Eingeschrieben sind zurzeit etwa 1600 Studenten aus mehr als hundert Nationen, womit die JUB die wohl internationalste Hochschule in Deutschland ist. Die Studenten haben die Zusicherung, dass sie ihre Ausbildung abschließen können.

          Die JUB hat in Hochschulrankings wiederholt sehr gut abgeschnitten und sich mit ihrer Forschung und Lehre internationale Anerkennung erworben. Wirtschaftlich lief es hingegen nicht rund. Das Land Bremen hatte eine Anschubfinanzierung von 230 Millionen D-Mark gewährt. In der Folge sollte die Universität aus Spenden einen Kapitalstock aufbauen, um sich mit dessen Erträgen sowie mit Studiengebühren und Forschungsgeldern selbst zu tragen. Dieses ambitionierte Ziel hat die JUB nie erreicht. Dauerhaft angewiesen auf Zuschüsse, blieb ihre ökonomische Existenz immer prekär.

          Rund zweihundert Millionen Euro hat das hochverschuldete Bremen in den vergangenen zwei Jahrzehnten zum Betrieb der Privathochschule beigesteuert. Doch 2019 erklärte der Senat, keine weiteren Zuschüsse mehr zu leisten. Im Bremer Rathaus hatte die Stimmung schon seit längerem dazu tendiert, der JUB den Geldhahn zuzudrehen. Diese Haltung verfestigte sich, als im vergangenen Jahr die Linke in eine Regierungskoalition mit der SPD und den Grünen eintrat. Ihren Politikern ist die „elitäre“ Privatuni seit langem ein Dorn im Auge. An der Weigerung, weiterhin öffentliche Gelder zur Verfügung zu stellen, scheiterte auch die Idee des JUB-Präsidenten, seine Hochschule mit der Universität Bremen durch eine öffentlich-private Partnerschaft zu verzahnen.

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