https://www.faz.net/aktuell/karriere-hochschule/hoersaal/der-volkswirt-algorithmen-fuer-die-oekonomie-18339044.html

Der Volkswirt : Wie verändert Künstliche Intelligenz die Ökonomie?

  • -Aktualisiert am

Bild: Peter von Tresckow

Der Siegeszug der Künstlichen Intelligenz schreitet rasant voran. Mit modernen Methoden können Forscher aber auch bisher ungenutzte Daten wie Satellitenbilder, Handydaten und Röntgenaufnahmen auswerten. Ein Gastbeitrag.

          7 Min.

          Intelligente Maschinen meistern immer mehr Herausforderungen, die wir einst nur Menschen zugetraut hätten: Algorithmen erkennen Bilder, verstehen Sprache, übersetzen Texte und lassen selbst in komplexen Spielen wie Schach oder Go ihren menschlichen Pendants keine Chance mehr. Wie aber wirkt sich der rasante Siegeszug der Künstlichen Intelligenz auf die Forschung der Ökonominnen und Ökonomen aus, die sich gewöhnlich eher mit Modellen für den Arbeitsmarkt beschäftigen als mit Bilderkennung? Was auf den ersten Blick wenig mit den Methoden der Wirtschaftswissenschaft zu tun hat, entpuppt sich auf den zweiten Blick als moderner Werkzeugkasten, der begonnen hat, die ökonomische Forschung zu durchdringen.

          Um zu verstehen, welche neuen Werkzeuge die Künstliche Intelligenz den Volkswirten bietet, müssen wir zunächst verstehen, wie smarte Algorithmen ihre bemerkenswerten Erfolge erzielen. Angenommen, wir wollten ein Programm schreiben, das Schrift erkennt und in digitalen Text verwandelt: Vorbei sind die Tage, an denen wir versucht hätten, Computern von Hand einzuprogrammieren, wie man die einzelnen Buchstaben und Zahlen erkennt. Stattdessen lassen wir die Künstliche Intelligenz nun selbst nach Lösungen suchen: Anstelle von detaillierten Regeln füttern wir den Algorithmus nun mit Daten, in denen den Schriftstücken schon Text zugeordnet ist.

          Aus diesen Daten extrahieren sogenannte Ma­chine-Learning-Algorithmen dann automatisch die Zusammenhänge zwischen eingescannten Pixeln und deren Bedeutung und übertragen sie äußerst erfolgreich auf neue Schriftstücke. Viele Anwendungen moderner Künstlicher Intelligenz basieren so im Kern auf statistischen Modellen und Methoden, die aus bestehenden Daten komplexe Muster extrahieren. Nur dass diese Modelle nicht mehr vom Menschen zusammengebaut werden, sondern von der Maschine automatisch ausgewählt.

          Kausalität versus Korrelation

          Auf den ersten Blick könnte die Künstliche Intelligenz den Wirtschaftswissenschaftlern also neue Werkzeuge für unsere empirischen Analysen an die Hand geben. Als Volkswirte verbringen wir schließlich einen beachtlichen Teil unserer Arbeit damit, mit unseren ökonomischen Modellen und statistischen Methoden komplexe Daten zu analysieren, um damit wirtschaftliche Zusammenhänge zu beschreiben. Doch die Analogie zwischen Künstlicher Intelligenz und ökonomischer Modellierung stößt schnell an ihre Grenzen. Denn die statistischen Methoden des maschinellen Lernens fokussieren sich ganz darauf, Vorhersagen für fehlende Daten zu treffen, wie etwa in neuen Schriftstücken den darin enthaltenen Text zu erkennen oder zu entscheiden, ob eine eingehende E-Mail in den Spam-Ordner gehört oder nicht.

          Sie lösen also Vorhersagefragen. Volkswirte hingegen stellen sich meist Verstehensfragen über die Zusammenhänge in ebenjenen Daten. So könnte ein Machine-Learning-Modell mit den richtigen Daten zum Beispiel Löhne, basierend auf Informationen wie Alter, Berufserfahrung und Ausbildung, zuverlässig abbilden. Als Ökonomen interessieren wir uns aber auch dafür, wieso bestimmte Löhne besonders hoch sind, ob Löhne geschlechtergerecht bestimmt werden oder wie sich eine Arbeitsmarktreform auf die Lohnungleichheit auswirken würde. Machine-Learning-Modelle machen uns die Beantwortung solcher Verstehensfragen wegen ihrer enormen Komplexität und mangelnden ökonomischen Logik jedoch oft schwer.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Gemeinsame Übung: Japanische und britische Soldaten im November in der Präfektur Gunma

          Militärische Verteidigung : Japan forciert eine Zeitenwende

          Mit Blick auf Nordkorea und China erhöht Japan den Wehretat drastisch. Tokio plant damit eine komplette Neuausrichtung der Verteidigung – und geht dabei anders vor als Deutschland.
          Annie Ernaux, aufgenommen 2022

          Französische Nobelpreise : Wie aber haltet ihr es mit dem Stil?

          Annie Ernaux erhält am Samstag den Literaturnobelpreis. Binnen vierzehn Jahren sind drei französische Schriftsteller damit ausgezeichnet worden, außer ihr Jean-Marie Gustave Le Clézio und Patrick Modiano. Was verbindet und was trennt sie?
          Xi Jinping wird vom saudischen Kronprinzen Muhammad Bin Salman empfangen

          Besuch in Saudi-Arabien : Großer Bahnhof für Xi

          Chinas Staatschef Xi Jinping und der saudische Kronprinz Muhammad Bin Salman zelebrieren ihr Treffen als historisches Ereignis. Beide schielen dabei nach Washington.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.