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Blumenberg und die Universität : Das große Ganze und dessen Reform

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Spezialist für die detailgenaue Vorbereitung großer Fragen: der Philosoph Hans Blumenberg Bild: DLA-Marbach, www.dla-marbach.de

Für die schleichende Bürokratisierung der Universitäten und eine Säuberung der Sprache hatte er nur Spott übrig: Hans Blumenberg als Kämpfer für eine neue Form der Wissenschaftskommunikation.

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          Hans Blumenberg war ein früher Meister der Wissenschaftskommunikation. Er hat seine Thesen nicht nur auf gelehrten Symposien, Kolloquien oder in Fachpublikationen vorgetragen, sondern auch in dieser Zeitung. Die von Henning Ritter und Blumenberg selbst verantwortete Reihe „Begriffe in Geschichten“, die in der F.A.Z. erschien, ist eine Sammlung von Kristallen der wissenschaftspolitischen und wissenschaftlichen Reflexion. Wissenschaftspolitik lässt sich eben auch als Arbeit an jenen Begriffen beschreiben, mit denen sie operiert.

          Ein Beispiel: Unter dem Titel „Reform“ (F.A.Z. vom 12. September 1990) findet sich ein kurzer Text, der sich mit der Sprachreform beschäftigt. In ihm heißt es: „Die Sprache zu entmännlichen erinnert an die Versuche, sie zu entptolemaisieren.“ Das aktuelle Problem, Geschlechtergerechtigkeit durch Sprachreform herzustellen, erinnert Blumenberg an die Versuche, die Sprache von allen Relikten eines nicht mehr aktuellen Weltbildes zu reinigen.

          Nimmt man diese Art der Umwälzung von Welt- und Weltraumbildern als Modell für Reformen, so zeigt sich, dass die Ankunft des Neuen allein noch keinen Fortschritt garantiert. Schließlich hat Blumenberg im Fragebogen des F.A.Z.-Magazins (4. Juni 1982) auf die Frage, welche Reform er denn am meisten bewundere, geantwortet: „Die ums Jahr 1995 fällige Wiederherstellung der deutschen Universität.“ Die Ironie liegt auf der Hand: Eine Reform kann nicht auf Wiederherstellung abzielen. Wenn etwas einer Reform unterzogen werden soll, dann, so Blumenberg, werden „verordnungssüchtige Bürokraten andere Bürokraten zu allem verdonnern“. „Mühelos“, heißt es über den Machtanspruch der Bürokratie, „ließen sie die Sonne stillstehen, wenn sie in der Behördensprache vorkäme.“

          Traum von der „Wiederherstellung“ der deutschen Universität

          Wie die Arbeiten von Stefan Kühl gezeigt haben, bedeutet insbesondere der Bologna-Prozess eine Überbürokratisierung der Universität. „Nicht von ungefähr“, heißt es am Ende von Blumenbergs Text, „ist aus der Reformation die Reform geworden.“ Reformation hieße in diesem Sinne Wiederherstellung von etwas, wohingegen Reform gar nicht an Substanzfragen interessiert ist, sondern nur an der Umsetzung von Innovationen.

          Blumenberg selbst hatte für die schleichende Bürokratisierung der Universitäten nur Spott übrig. Wie Rüdiger Zill in seinem Buch „Der absolute Leser“ berichtet, forderte der Dekan der Fakultät den damaligen Institutsdirektor Blumenberg einmal auf, für die Umsetzung von Arbeitsschutzmaßnahmen zu sorgen, die an die dezentralen Einheiten der Universität delegiert worden seien. Blumenberg verweigerte sich mit dem Argument, dass der Dekan nicht etwas an ihn delegieren könnte, was ohnehin schon seine Aufgabe sei: nämlich für die Unfallverhütung und den Brandschutz zu sorgen.

          Blumenbergs Traum von der „Wiederherstellung“ der deutschen Universität im Jahre 1995 bezieht sich möglicherweise auf einen älteren Text, der eher eine marginale Rolle in seinem Werk spielt. Im Jahre 1961 hielt er unter dem Titel „Weltbilder und Weltmodelle“ einen Vortrag in Gießen. In dieser Rede zur Jahresfeier der Universität verknüpft er zwei prägende Ereignisse: zum einen die Neueröffnung der philologischen Fakultät an der Universität Gießen und die Geburtsstunde der legendären Forschungsgruppe „Poetik und Hermeneutik“ dortselbst.

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