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Aus dem Ausland an die Uni : Studieren mit Pate

  • -Aktualisiert am

Sächsische Willkommenskultur: Das Patenprogramm der TU Chemnitz gilt sogar als vorbildlich. Bild: TU Chemnitz

Buddy-Programme sollen ausländischen Studenten den Start an deutschen Hochschulen erleichtern. Aber passende Paare zu finden ist gar nicht so leicht.

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          An seinem ersten Tag an der Hochschule Koblenz kannte Ehmed Elibrahim niemanden in der Stadt – niemanden bis auf seinen „Buddy“. Dieser „Kumpel“ studierte ebenfalls und war für ihn da, wenn er nicht weiterwusste. Und das kam oft vor in der Anfangszeit von Elibrahims Studium. Der 27-Jährige studiert Bauingenieurwesen und ist inzwischen im dritten Semester. Er ist Kurde, kam im Jahr 2015 von Syrien nach Deutschland. Mit der Sprache klappte es zum Studienbeginn schon ganz gut, doch da waren die Fachbegriffe, die Formulare, die Organisation des Stundenplans – und die Tatsache, dass er sich an niemanden wenden konnte, denn Koblenz sah er zum ersten Mal.

          Elibrahim meldete sich beim Patenprogramm der Hochschule an, gab seinen Studiengang, seine Hobbys und seine Sprachkenntnisse an. Bei einem ersten Kennenlernen mit anderen Studenten wurde ihm seine Patin zugeteilt, eine Studentin der Sozialen Arbeit. „Über sie habe ich andere Leute kennengelernt. Ein- bis zweimal pro Woche haben wir uns getroffen“, sagt Elibrahim. Die beiden erkundeten die Stadt, gingen essen und trafen sich zum Lernen – jeder für sein Fach. „Das hat mich beim Lernen motiviert. Man gönnt sich nicht so viele Pausen, wenn der andere neben einem sitzt“, sagt er. Die gemeinsame Sprache: Deutsch. „Ich musste sie manchmal bitten, langsamer zu sprechen. Aber letztendlich hat es mir viel für meine Sprachkenntnisse gebracht.“

          Patenprogramme wie das der Hochschule Koblenz gibt es in ganz Deutschland. In der Regel wenden sie sich an ausländische Studenten oder Geflüchtete, die ein Studium an einer deutschen Uni beginnen. Mit einem deutschen Kommilitonen als Ansprechpartner soll ihnen der Start an einer fremden Hochschule leichter fallen. Vergangenes Wintersemester waren laut Statistischem Bundesamt 374.000 ausländische Studenten an einer deutschen Hochschule eingeschrieben. Damit kamen 13 Prozent aller Studenten in Deutschland aus dem Ausland. An vielen Hochschulen werden Buddys händeringend gesucht, mitunter nimmt sich ein Pate mehrerer ausländischer Studenten an.

          Heiß begehrt sind die Buddys auch an der TU Chemnitz. Das weiß Caroline Ziegler aus Erfahrung. Die 21 Jahre alte Bachelorstudentin studiert seit zwei Jahren Interkulturelle Kommunikation in Chemnitz – und war schon fünfmal Patin. Sie hilft bei der Wohnungssuche, bringt ihren Patenkindern die deutsche Sprache näher, übersetzt Formulare und zeigt ihnen, zu welchen Behörden sie gehen müssen. „Ein großes Problem für ausländische Studenten ist die Sprachbarriere“, sagt Ziegler. Vor allem bei Studenten aus dem außereuropäischen Ausland würden Behördengänge anfallen, die Betroffene ohne Deutschkenntnisse oft nicht allein bewältigen können.

          Sozialpunkte für die Buddys

          Erst vor kurzem wurde das Patenprogramm der TU Chemnitz zum besten Betreuungsprogramm der Welt gekürt. Grundlage war das sogenannte „International Student Barometer“, eine Umfrage, an der ausländische Studenten an rund 200 Hochschulen auf der Welt teilgenommen hatten. „Unser jährliches Budget für das Programm liegt bei 15.000 Euro“, sagt Professor Maximilian Eibl, Prorektor für Lehre und Internationales an der TU. Das Besondere sei die Betreuung auf Augenhöhe: „Da die Umsetzung in studentischer Verantwortung liegt, wissen die Buddys genau, was die alltäglichen Probleme ihrer Patenkinder sind.“ Auch Caroline Ziegler hilft bei der Organisation des Programms. Dabei achtet sie mit drei anderen studentischen Hilfskräften darauf, dass Buddy und Patenkind ungefähr zueinander passen. Bei der Anmeldung müssen Interessenten einen Steckbrief von sich einreichen – mit Alter, Studienrichtung, Sprachkenntnissen und Vorlieben. „Die Steckbriefe erleichtern das Matching“, sagt Ziegler. Für das kommende Wintersemester hat sie schon rund 40 Patenschaften vermittelt. Hilfreich sei es, wenn Patenkind und Buddy das Gleiche studieren. „So kann man sich besser unterstützen“, sagt sie.

          Das Problem: Auf Buddy-Seite nehmen vor allem Studenten aus sozialen und humanwissenschaftlichen Studiengängen teil. Jedoch studiert an der TU Chemnitz ein Großteil der internationalen Hörer technisch-naturwissenschaftliche Fächer. Zwar übernehmen in dem Bereich zum Teil internationale Studenten selbst die Verantwortung für ein Patenkind, wenn sie schon länger in Deutschland studieren. „Es ist jedoch eine Herausforderung, deutsche Studenten der gleichen Fachrichtung für das Buddy-Programm zu finden“, sagt Ziegler.

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