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Bayerische Universitäten : Mehr rein englischsprachige Studiengänge

Das Englische soll sich an Bayerns Universitäten weiter ausbreiten. Bild: dpa

Bayerns Hochschulen sollen künftig technische Studiengänge durchweg in englischer Sprache anbieten. Andere sollen folgen. Bei den Bachelorstudiengängen wurden bestehende Beschränkungen bereits aufgehoben.

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          Bayern will immer mehr rein englischsprachige Studiengänge an den Hochschulen anbieten. In einem Brief des bayerischen Wissenschaftsministers Bernd Sibler (CSU), der dieser Zeitung vorliegt, hat er Ende September allen Präsidenten der Hochschulen die Möglichkeit gegeben, englischsprachige Bachelorstudiengänge ohne Einschränkung einzurichten. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte soeben verkündet, dass der technologische Bereich der Hochschulen vollkommen internationalisiert werden soll und technische Studiengänge durchweg englischsprachig sein sollen.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Bisher kamen rein englischsprachige Bachelorstudiengänge grundsätzlich nicht in Betracht. Ein nur englischsprachiger Bachelorstudiengang konnte nur dann genehmigt werden, wenn es sich um einen „Zwillingsstudiengang“ zu einem schon bestehenden deutschsprachigen Bachelorstudiengang handelte und in diesem keine Zulassungsbeschränkung bestand. Damit soll jetzt Schluss sein. Im Vorgriff auf eine Novelle des Bayerischen Hochschulgesetzes, die es noch gar nicht gibt, hat Sibler diese Regelung nun als „nicht mehr zeitgemäß“ bezeichnet, weil er Wettbewerbsnachteile fürchtet. Es sollten auch mit ausländischen, insbesondere europäischen Partnerhochschulen internationale Studiengänge entwickelt werden können.

          Sibler gibt den Hochschulen deshalb die Möglichkeit, „bereits im Vorgriff auf die beabsichtigte Gesetzesänderung fremdsprachige Studiengänge auch im grundständigen Bereich einzuführen“. Wenn da nur nicht das Problem mit den Englischkenntnissen der Studenten wäre. Denn Fremdsprachenkenntnisse können nicht von den Studenten verlangt werden. „Insoweit muss bis zur Gesetzesänderung auf die Selbsteinschätzung der Studienbewerberinnen und -bewerber vertraut werden.“ Englischsprachige Studiengänge könnten also auch von Bewerbern gewählt werden, deren Englisch das eigentlich für ein Studium nötige C2-Niveau nach Europäischem Referenzrahmen bei weitem nicht erreicht.

          Deutsch als Wissenschaftssprache aus Transfergründen

          Folgen die Hochschulen Siblers Empfehlung, solche Studiengänge im Vorgriff einzurichten, bewegen sie sich bis zur Novellierung des Hochschulgesetzes in einer rechtlichen Grauzone, weil sie gegen die jetzige Regelung verstoßen, ohne eine neue rechtssichere Grundlage zu haben. Das wird sich mancher Kanzler und mancher Universitätspräsident gut überlegen.

          Aus anderen europäischen Ländern, selbst skandinavischen, denen bessere Englischkenntnisse nachgesagt werden, ist bekannt, dass Studenten naturwissenschaftlichen Vorlesungen, die auf Englisch gehalten wurden, weit schlechter folgen konnten. Untersuchungen aus Schweden und den Niederlanden zeigen Ähnliches: Danach hat der universitäre Unterricht in Englisch das Leistungsniveau erheblich gesenkt. Selbst der dänische Sprachrat stellte fest, dass das fachliche Niveau an Universitäten sinkt, wenn fast vollständig auf Englisch gelehrt wird.

          In Deutschland kämpfen Wissenschaftler immer wieder dezidiert für Deutsch als Wissenschaftssprache – nicht deshalb, weil sie des Englischen nicht mächtig wären, sondern aus Transfergründen. Sie wollen, dass Wissen und Wissenschaft allen ohne jegliche sprachliche Hürde zugänglich sind. Für sie sind deutschsprachige Lehre, deutsche Zusammenfassungen englischer Abschlussarbeiten und deutsche Förderanträge eine Frage der Demokratie.

          Der Arbeitskreis Deutsch als Wissenschaftssprache (Adawis) hat sich immer wieder für ein Mehrsprachigkeitskonzept in der Wissenschaft eingesetzt. In einem 2005 von zahlreichen Wissenschaftlern und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens unterzeichneten Thesenpapier spricht er sich außerdem dafür aus, auf Deutsch zu lehren, englischsprachige Abschlussarbeiten durch eine mehrseitige Zusammenfassung in deutscher Sprache zu ergänzen, die in die Examensnote einfließt, und Förderanträge bei deutschen Drittmittelgebern in deutscher Sprache verfassen zu können, was etwa bei der Exzellenzstrategie nicht möglich ist.

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