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Hidden Champions : Klein und doch ganz groß

  • -Aktualisiert am

Bild: Illustration: Frederik Jurk/SEPIA

Familienunternehmen sind oft sehr erfolgreich mit einem speziellen Produkt – und dann sogar Weltmarktführer. Womit punkten sie als Arbeitgeber? Wie finden Absolventen das passende Unternehmen?

          4 Min.

          Was ist das Besondere an Hidden Champions?

          Viele Hidden Champions sind Familienunternehmen, die häufig in der Provinz angesiedelt, aber weltweit mit ihren Nischenprodukten erfolgreich sind. „Viele dieser Unternehmen sind stark internationalisiert und unterhalten daher oftmals auch Standorte in verschiedenen anderen Ländern“, sagt Karriereberaterin Julia Funke. Trotzdem sind sie in der Regel wenig bekannt. „Diese Unternehmen sind oft extrem erfolgreich und wachsen sehr schnell, kommunizieren das aber gar nicht so sehr nach außen, um auch nicht zu viel Aufmerksamkeit bei Wettbewerbern zu wecken“, sagt Dirk Kümmerle, Gründer und Geschäftsführer der Plattform Yourfirm, die sich auf die Vermittlung von Jobs bei Mittelständlern spezialisiert hat. Zum Teil fehlten auch einfach die Ressourcen für Werbung und Marketing, weil sich die Unternehmen in erster Linie auf ihr Kerngeschäft konzentrierten. Als Familienunternehmen legen viele großen Wert auf ein nachhaltiges, stabiles Wachstum. „Dadurch kommen viele auch durch Krisenzeiten ohne großen Schaden hindurch“, so Kümmerle weiter.

          Womit punkten sie als Arbeitgeber?

          Bei Hidden Champions hat man stets mit spannenden Produkten und Dienstleistungen zu tun und bewegt sich, was neue Entwicklungen angeht, am Puls der Zeit, da die Unternehmen es in der Regel gewohnt sind, neue Trends schnell aufzugreifen und sich zunutze zu machen. Dabei haben auch Berufseinsteiger häufig die Chance, schon früh viel Verantwortung zu übernehmen – beispielsweise für das Gelingen eines neuen Projekts. „Je nach Stelle arbeitet man auch bereits frühzeitig im direkten Kundenkontakt und darf Kollegen bei wichtigen Meetings begleiten“, berichtet Funke. Wer sich voll einsetzt und gute Leistung zeigt, wird damit auch gesehen. Gleichzeitig profitieren Mitarbeiter bei Familienunternehmen häufig von verschiedenen Programmen rund um eine ausgewogene Work-Life-Balance – etwa von flexiblen Arbeitszeiten, Homeoffice oder Sport- und Fitnessprogrammen. Und auch wer am Anfang seiner Karriere noch Erfahrungen im Ausland sammeln möchte, bekommt dazu bei vielen Unternehmen die Gelegenheit.

          Was unterscheidet die Arbeit in einem Familienunternehmen von der in anderen Unternehmen?

          Während man vor allem als Berufseinsteiger in Großunternehmen kaum die Möglichkeit hat, den Geschäftsführer einmal persönlich kennenzulernen, gehört es in vielen Familienunternehmen zum guten Ton, dass der Chef selbst regelmäßig das Gespräch zu seinen Mitarbeitern sucht. „Zudem kann man oft eine sehr hohe Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen feststellen. Das heißt, die Mitarbeiter stehen voll hinter dem, was das Unternehmen macht, und werden von der gemeinsamen Idee angetrieben, die Nummer eins mit ihrem Nischenprodukt sein zu wollen“, erklärt Funke. Das bedeute manchmal, so Kümmerle, dass Mitarbeiter die „Extrameile“ gehen, ohne dass diese aktiv von Vorgesetzten eingefordert wird. „Es geht, allgemein gesagt, weniger um Dienst nach Vorschrift, sondern darum, wie man das beste Ergebnis in einer Sache erreichen kann“, sagt der Experte.

          Nach welchen Hochschulabsolventen suchen die Unternehmen?

          Sie suchen in der Regel fachlich gut aufgestellte Leute, zum Beispiel aus den Bereichen Maschinenbau, Ingenieurwesen, aber auch Wirtschaftsinformatiker und ITler, die das Thema Digitalisierung im Unternehmen vorantreiben können. „Dabei steht eine gute Note gar nicht so im Vordergrund, mehr wird auf die Persönlichkeit eines Kandidaten geschaut“, weiß Laura Albers, Projektmanagerin des Online-Portals „Karriere im Familienunternehmen“. Wichtig sei vor allem, eine Hands-on-Mentalität mitzubringen. „Das heißt, Bewerber sollten sich schnell in einen neuen Kontext hineinfinden und die Dinge so anpacken können, wie sie gerade sind.“ Gesucht werden also bodenständige Typen, die eine Aufgabe praktisch angehen, anstatt sich erst einmal mit abgehobenen strategischen Überlegungen aufzuhalten, ergänzt Kümmerle: „Damit sollte es Bewerbern auch weniger um Status im Beruf gehen, sondern in erster Linie um den Spaß an der Leistung.“

          Welche Möglichkeiten des Berufseinstiegs gibt es?

          Je nach Unternehmen ist ein Einstieg für Hochschulabsolventen über ein Traineeprogramm in unterschiedlichen Abteilungen, aber auch direkt auf eine ausgeschriebene Stelle möglich. „Als Berufseinsteiger sollte man sich bei Stellenausschreibungen nicht daran stören, wenn bereits erste Jahre Berufserfahrungen gefordert werden“, rät Funke. Wenn die fachliche Qualifikation stimme, könne es trotzdem klappen, denn häufig hätten die Unternehmen Probleme, gute Leute zu finden, vor allem wenn ihr Standort wenig attraktiv erscheine. Deshalb empfiehlt die Beraterin vielen, sich sogar zu bewerben, auch wenn eine passende Stelle gerade nicht ausgeschrieben ist. „Wenn das Profil eines Bewerbers interessant klingt und seine Darstellung überzeugend ist, kann es vorkommen, dass ein Unternehmen eine passende Stelle für diesen Kandidaten schafft, um ihn für sich zu gewinnen“, berichtet auch Albers.

          Welche Karrierechancen hat man?

          „In Familienunternehmen ist es im Gegensatz zu Konzernen weniger eine Frage der internen Politik, wer befördert wird. Die Beförderung wird in erster Linie an der tatsächlichen Leistung gemessen“, sagt Kümmerle. Allerdings sei eine Voraussetzung in vielen Fällen auch, ein gutes Verhältnis zur Gründerfamilie zu haben, „sonst kommt man wohl nicht so weit hoch, wie es möglich wäre“. Interessant gerade für Berufseinsteiger: In Familienunternehmen beziehungsweise bei Hidden Champions gibt es in der Regel die Option, sowohl eine Managementlaufbahn einzuschlagen, also beispielsweise Abteilungsleiter zu werden, als auch die Entwicklungslaufbahn zu verfolgen und etwa Spezialist für eine bestimmte Entwicklung und damit Projektentwickler in einer Sparte zu werden.

          Wie finden Absolventen das passende Unternehmen?

          Da die Unternehmen wenig Werbung für sich machen, sind ihre Namen auch Hochschulabsolventen meist weniger geläufig. Um sich einen ersten Überblick von Hidden Champions in Deutschland zu verschaffen, kann ein Blick in eine der verschiedenen Listen und Rankings im Internet helfen. Zudem gibt es regelmäßig spezielle Karrieremessen wie den „Karrieretag Familienunternehmen“, auf denen man Kontakt zu den geheimen Weltmarktführern knüpfen kann. Aber auch auf den regulären großen Jobmessen wie der Connecticum trifft man einige von ihnen, wenn man sich abseits der Stände bekannter Namen auch mal nach links und rechts orientiert. Konkrete Stellenangebote und Firmenprofile gibt es zudem auf den Portalen von „Karriere im Familienunternehmen“ und yourfirm.de.

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