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„Her Career“ : Unter Frauen

Heidi Stoecker spricht auf der Messe Her Career über emotionale Intelligenz. Bild: Maria Irl

Unternehmensgründung, Führungsmethoden, Personalauswahl, Diversity, Gewalt im Internet: Eindrücke von der Münchner Karrieremesse.

          2 Min.

          Etwa ein Dutzend Frauen sitzen auf weißen Sitzwürfeln, vorn auf der Bühne macht sich Coach Sabine Maier daran, kleine Pappkarten auszuteilen. Darauf sollen die Zuhörerinnen schreiben, wer oder was sie in Krisenmomenten aufrichtet. Später werden sie diskutieren, was sie zu resilienteren Führungskräften in der krisenbehafteten Arbeitswelt machen kann.

          Nadine Bös
          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Hinter der Wand, vor der Sabine Maier steht, findet parallel ein „Speed Coaching“ der österreichischen Führungskräftetrainerin Gabriele Strodl-Sollak statt. Hier geht es zum Beispiel darum, wie man sich „Zeit-Hoheit“ verschafft, also kurz gesagt: Arbeit und Termine priorisiert. Etwas weiter entfernt lauschen etwa 40 Zuhörerinnen und auch ein paar Zuhörer einem Vortrag der Hate-Aid-Geschäftsführerin Anna-Lena von Hodenberg. Es geht um Gewalt gegen Frauen im Internet. Und ein bisschen weiter entfernt referiert eine Ingenieurin für autonomes Fahren über Wege für Frauen in MINT-Berufe.

          Die Szenen stammen von der Frauen-Karriere-Messe „Her Career“ in München, die an diesem Freitag zu Ende geht. Rund 4500 Besucherinnen informierten sich zwei Tage lang an Ständen und in Kleingruppen-Treffen über Karriere-, Berufseinstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten, aber auch über Lösungen zur Kinderbetreuung und Vereinbarkeit von Beruf und Elternschaft. In mehr als 60 Vorträgen ging es um Themen wie die erfolgreiche Unternehmensgründung, um Führungsmethoden, kluge Personalauswahl, Frauen und Finanzen und um Diversity in Unternehmen.

          Neue Strategien für den Alltag

          Auf der mit der Messe verbundenen Netzwerkveranstaltung „Her Career Night“, trafen sich zudem am Donnerstagabend rund 400 Frauen – und auch einige Männer – tauschten sich zu beruflichen Themen aus oder knüpften und vertieften Kontakte. Mit einer Art „Blind Date“-Konzept ordnet das Event immer sechs interessierte Messebesucherinnen einer Vertreterin einer bestimmten Berufsgruppe zu. Die Siebenergrüppchen finden sich im Anschluss an Tischen zusammen und können dort einen Abend lang ihre beruflichen Themen in die Tiefe diskutieren.

          Dabei waren auch prominente Frauen aus der Wirtschaft und Wissenschaft, etwa Mirjam Mohr, die sich im Vorstand der Interhyp-Gruppe um das Privatkundengeschäft kümmert, Anna-Sophie Herken, die die Allianz Asset Management leitet oder Charlotte von Bernstorff, Professorin für Personalpsychologie an der Hochschule BSP in Berlin. Diskutiert wurde an den Tischen aber auch über allgemeine berufliche Themen, etwa den Nutzen anonymisierter Bewerbungen oder die Hürden der Rückkehr in den Arbeitsalltag nach einer Elternzeit.

          Etliche Besucherinnen äußerten sich dankbar für den Austausch in Präsenz nach der langen Coronazeit. So sagte etwa die Marketing-Managerin Bruktayt Mogessie, die die Messe schon seit Jahren besucht, sie sei froh, „Kontakte treffen zu können“, die sie in der letzten Zeit „nur remote sehen konnte“. Es habe „spannende Begegnungen“ gegeben. Mehrere Jung-Führungskräfte äußerten, sie hätten durch den intensiven Austausch neue Strategien und Inspiration für ihren Alltag mitgenommen.

          Digitales Messe-Matching

          Natascha Hoffner, Gründerin der seit dem Jahr 2015 jeden Herbst stattfindenden Her Career äußerte sich ebenfalls zufrieden. Auch mit Blick darauf, dass die Coronazeit für ihre Messegesellschaft „Messe Rocks“ alles andere als leicht gewesen sei. „Das Aussetzen der Her Career-Expo im Jahr 2020 hat mich als Gründerin persönlich und unternehmerisch sehr gefordert, gleichzeitig war es auch eine Chance, Her Career als digitale Plattform weiterzuentwickeln und ganzjährig zugängig zu machen.“ 2021 hatte die Her Career zwar auch schon unter Hygieneauflagen stattfinden können, 2020 aber pandemiebedingt ausfallen müssen. In dieser Zeit baute Hoffner ihre Idee des digitalen Messe-Matchings aus. Das ist ein Algorithmus mit dem Besucherinnen sich schon im Vorfeld der Veranstaltung digital kennenlernen und vernetzen können – oder eben, wenn mal keine Messe stattfinden kann.

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