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Experten für Cyber-Security : Hacker gesucht

  • -Aktualisiert am

Nach der Schule schrieb er sich für Maschinenbau an der Uni Bochum ein: „Ich kam aus einer Ingenieursfamilie, da bot sich das an. Und Informatik fand ich damals stumpf, Programmieren langweilig.“ Während der kommenden Jahre aber hackte Thiel mehr, als zu studieren, nach spätestens drei Semestern war ihm klar: „Ich werde nie Maschinen bauen.“ Er sprach mit seinen Professoren und war überrascht, das die das nicht schlimm fanden: „Du kannst ja auch Maschinen hacken“, soll einer von ihnen gesagt haben, wohlwissend, dass die Zukunft der Industrie darin liegt, alles mit allem zu vernetzen.

Um sich ganz sicher zu fühlen, schloss Alexander Thiel noch eine Ausbildung als Fachinformatiker an. Ob er dafür nicht überqualifiziert gewesen sei? „Ja, wahrscheinlich. Aber ich wollte noch eine zusätzliche Qualifikation.“ Überhaupt ist das mit Qualifikationen so eine Sache: Obwohl inzwischen an immer mehr Unis Studiengänge eingerichtet werden – der Studiengang IT-Sicherheit in Bochum ist dabei besonders renommiert –,
sind die Wege in den Beruf sehr vielfältig. „Es gibt keine klassische Ausbildung. Man muss seinen Weg schon selbst finden“, sagt Thiel. In der Abteilung von Thiel arbeiten Elektroingenieure, Quantenphysiker, Betriebswirte und Absolventen dualer Studiengänge. Sie alle haben schon immer eine besondere Faszination für das Thema Cyber-Security verspürt und in sich in ihrer Freizeit viel selbst beigebracht. Dazu komme ein bestimmter analytischer Blick, sagt Thiel. Es gehe darum, hinter die Kulissen eines Systems zu schauen und überall nach einer Schwachstelle zu bohren.

Hausinterne Hacker

Auch Abian Blome landete praktisch zufällig in der IT-Sicherheit. Er studierte Informatik in Karlsruhe und hatte bis dato kein besonderes Interesse an dem Thema. Aber dann gründete ein Freund ein Start-up und fragte ihn, ob er mitmachen wolle. Die beiden waren Werkstudenten bei 1&1 und boten dem Unternehmen an, herauszufinden, wer dessen Server angriff. Dafür legten sie digitale Köder aus, die Sicherheitslücken simulierten, und registrierten den Datenverkehr. So fanden sie Systeme, die bereits gekapert worden waren und von Hackern benutzt wurden, um andere Server anzugreifen. Und sie gaben den Besitzern dieser Systeme – oftmals 1&1-Kunden – Bescheid. Lange Zeit hielt das Start-up nicht, denn es fehlte die Finanzierung. „Ich habe damals aber viel gelernt“, sagt Blome. „Das war die Hauptsache.“

Inzwischen arbeitet Blome als Senior Key Expert bei Siemens. Siemens ist eines der wenigen Unternehmen, das sich hausinterne Hacker leistet, die Abteilung ist 26 Mann stark. Das ist auch wichtig, betont Florian Martini, Pressesprecher für Forschung und Innovation, „denn Siemens stellt die Technik für viel kritische Infrastruktur, wie Stromversorger, Wasserwerke oder Verkehrssteuerung.“ Zusätzlich müssten die „Golden
Nuggets“, hochvertrauliche Unterlagen wie Baupläne oder Dokumente zur Unternehmensstrategie, sehr gut geschützt werden.

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