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Grundlagenforschung : Ihre Mission heißt Innovation

Viel Raum für die Grundlagenforschung: Das unterirdische Neutrino-Observatorium Super-Kamiokande unweit der japanischen Stadt Kamioka Bild: Archiv

Die Politik will, dass Forschung nützlich und für jeden verständlich ist – verliert aber selbst das Interesse an ihr. Der Grundlagenforschung schlägt ein unfreundlicher Wind entgegen.

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          Es lohnt sich, heute daran zu erinnern, dass kein Politiker jemals die Erfindung eines Computers oder Mobiltelefons gefordert hat. Der Computer wurde sogar maßgeblich an einem Institut entwickelt, das eigens für die zweckfreie Grundlagenforschung eingerichtet worden war: Das Institute for Advanced Studies in Princeton sollte nach dem Willen seines Gründungsdirektors Abraham Flexner der „ungehinderten Verfolgung nutzlosen Wissens“ dienen, das seine Fruchtbarkeit erst sehr viel später zeigen würde, wenn überhaupt. Robbert Dijkgraaf, der das Princetoner Institut heute leitet, weist darauf in seinem Vorwort zu Flexners berühmter Abhandlung „Der Nutzen nutzlosen Wissens“ von 1939 hin. Beides, Vorwort wie Abhandlung, sind eindrucksvolle Belege für die Schwierigkeit der Politik, die Zukunft, ja schon die Gegenwart der Forschung zu imaginieren.

          Thomas Thiel
          Redakteur im Feuilleton.

          Der Nutzen kam in Princeton schneller, er brachte die nukleare und die digitale Revolution. Hätte der in Princeton tätige Albert Einstein, der einen praktisch wertlosen Aufsatz über die Struktur des Atomkerns publiziert hatte, Präsident Roosevelt nicht brieflich zum Bau der Atombombe aufgefordert, dann hätte der ebenfalls in Princeton forschende John von Neumann nicht damit begonnen, einen digitalen Computer zu entwerfen, um die für den Atombombenbau notwendigen Modellierungen durchführen zu können. Mit angewandter Computertechnik hatte von Neumann bis dahin nichts im Sinn. Ihn interessierte der mechanische Beweis mathematischer Theoreme auf der Turing-Maschine. Auch das hatte zunächst keinen praktischen Wert.

          Produkte und Patente

          Man kann sich daher vorstellen, wie genervt die Wissenschaftler von den immer zudringlicheren Rufen der Politik nach Innovation, Patenten und Anwendungen sind. Es steht außer Frage, dass gute Wissenschaftspolitik sich um beides, Anwendung und Grundlagen, kümmern muss. Unbestritten ist aber auch, dass dieses Gleichgewicht aus dem Ruder gelaufen ist. Die gesamte Forschung, und nicht nur ihr anwendungsbezogener Teil, wird heute nach einem kurzatmigen Innovationsmodell gesteuert, das, wie Jörg Hacker, Wilhelm Krull, Martin Lohse und Peter Strohschneider in dieser Zeitung schrieben, die Risikobereitschaft und die Vorstellungskraft erlahmen und den bahnbrechenden Zufallsfund ausbleiben lässt.

          Nichts spricht gegen den politischen Versuch der EU-Kommission, die Wissenschaften für gesellschaftliche „Missionen“ wie Klimaschutz, Gesundheit, IT-Sicherheit einzuspannen. Und es ist ein erfreuliches Zeichen, dass die EU in ihrem neuen Rahmenprogramm die Projektauswahl anders als bisher der Wissenschaft überlassen will. Von dieser Förderung soll aber in erster Linie ein anwendungsbezogener Typ der Forschung profitieren, der auf Produkte und Patente abstellt. Der Grundlagenforschung schlägt in dieser Legislaturperiode ein besonders unfreundlicher Wind entgegen. Die außeruniversitären Institute von Helmholtz bis Max Planck werden da schon einmal als „fette Katzen“ bezeichnet. Und aus allen Ecken dröhnt es: Transfer, Transfer, Transfer!

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