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Arbeiten im Start-up : „In einem Start-up zu arbeiten ist heute eine valide Option“

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Benedikt Franke ist CEO und einer der Gründer von Helpling, Europas führendem Online-Marktplatz für Haushaltsdienstleistungen. Bild: Saskia Uppenkamp

Benedikt Franke ist Gründer aus Leidenschaft. Im Interview spricht der Helpling-Geschäftsführer von seinen beruflichen Anfängen und davon, wie rasant sich die Start-up-Szene entwickelt.

          4 Min.

          Benedikt, wolltest du schon von klein auf Gründer werden?

          Mit sechs, acht und zehn Jahren hatte ich natürlich keine Vorstellung vom Gründen. Was ich aber damals schon bemerkt habe, war, dass ich immer Spaß daran hatte, etwas auf die Beine zu stellen. Ich habe früh verstanden, dass etwas entsteht, wenn ich mich mit einer Sache beschäftige. Und ich wollte immer meine Zeit sinnvoll einsetzen und Freude an dem haben, was ich mache. Das konnte dann die Sandburg sein, die nicht einfach in sich zusammenfällt – oder auch der Erfolg mit den Fußballkollegen. Auch nach der Schule, bei der Auseinandersetzung damit, was ich beruflich machen will, stand immer im Vordergrund, dass ich die Früchte meiner Arbeit sehen möchte. So kam ich später zum Gründen. Denn als Gründer hat man den größtmöglichen Grad an Freiheit, selbst zu gestalten. Mit dem Gründen allein ist es aber noch nicht getan. Wenn es gut läuft, ist der Anspruch ja da, die Entwicklungen konstant weiterzutreiben. Man steht also jederzeit wieder am Anfang. Das ist der eigentliche Punkt, der mich immer weiter antreibt.

          Du arbeitest seit 2009 in der Gründerszene. Was hat dich damals an der Branche besonders begeistert?

          Ich bin 2009 zu Rocket Internet gegangen – das muss man sich anders vorstellen als heute. Damals hatte Internetarbeit noch nicht diesen Glamour. Es war eher ein recht persönliches Umfeld, in dem vor allem Menschen in meinem Alter gearbeitet haben. Nur wenige waren schon seit zehn Jahren dabei. Ich bin selbst auch durch persönliche Kontakte, durch meinen Mitgründer Philip Huffmann, dort gelandet.

          Nach zwei erfolgreichen Firmengründungen und zehn Jahren in der Szene: Bist du nach wie vor vom Gründerumfeld überzeugt?

          Absolut. Die Start-up-Welt ist in der Gesellschaft – zumindest in gewissen Teilen – angekommen. In einem Start-up zu arbeiten ist heute eine valide Option, wie man seinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Als ich 2009 den Leuten erzählte: „Ich mache jetzt nicht mehr Beratung, sondern arbeite bei einer Start-up-Schmiede in Berlin“, war das für viele nicht nachvollziehbar. Das hat sich inzwischen umgekehrt. Wer heute als Berufsanfänger in ein Start-up geht, muss nicht mehr mit Gehaltseinbußen rechnen. Das Ökosystem hat sich wahnsinnig entwickelt. Die Anzahl der Unternehmen ist explodiert, und es gibt eine viel größere Vielfalt. War vorher der E-Commerce vorherrschend, gibt es heute für Biologen Biotech- oder Investmentfonds oder für Mediziner Health-Tech-Unternehmen. Der Bereich ist viel mehr Leuten öffentlich zugänglich. Das sind positive Entwicklungen.

          Welche Rolle spielt der familiäre Hintergrund für den Weg in die Gründerszene?

          Das familiäre Umfeld ist immer wichtig. Offenheit zu erleben und bestärkt zu werden, neue Sachen auszuprobieren, Dinge zu tun, an denen man Freude hat – diese Haltung ist wichtig. Wer etwas mit vollem Einsatz und Herzblut tut, ob das dann die Unternehmensgründung oder eine Forschungstätigkeit ist, entwickelt Leidenschaft. Wenn das nicht der Fall ist, sollte man etwas anderes machen.

          Musstest du dich in deiner Laufbahn auch mal umorientieren?

          Ich habe in Bayreuth Philosophy and Economics studiert, also nicht ganz klassische BWL. Das war spannend, weil meine Kommilitonen extrem unterschiedliche Hintergründe und extrem unterschiedliche Einstellungen hatten. Genau das richtige Studium, um Offenheit, methodischen Zweifel sowie Freude an Debatte und Diskussion auszuleben. Die Uni hat mir viel Spaß gemacht – damals war ich noch nicht fokussiert darauf, ein Unternehmen zu gründen. Ich wollte verstehen, wie Land und Gesellschaft funktionieren, und habe vieles ausprobiert: etwa ein Praktikum im Europaparlament. Meine Bachelorarbeit habe ich beim Bundesverband der Arbeitgeberverbände geschrieben. Ich hatte den Optimismus, dass nicht alles gnadenlos karrieristischen Kategorien unterliegen muss. Nach dem Bachelor habe ich mich bei BMW in München in einer Abteilung für SAP-Projekte wiedergefunden. Das war erst mal ein Schock, da ich vorher keinerlei Affinität für das Thema IT hatte – und ich dachte, die Welt geht unter. Letztlich hat es sich aber dann so gut entwickelt, dass ich nach meinem Praktikum ein Jahr in Vollzeit eingestiegen bin, um meine Projekte weiter auszurollen. Das hat zwar Spaß gemacht, die Kollegen waren super, jedoch habe ich in der Zeit auch gemerkt, dass ich meinen Berufseinstieg nicht in einem so großen Unternehmen plane. Daher habe ich mich parallel noch um einen Master beworben – auch um mich klarer im Bereich BWL und Management zu positionieren.

          Das heißt, du hast das Beste gemacht aus dem Gefühl, in einer Einbahnstraße gelandet zu sein?

          Die BMW-Erfahrung war in dem Sinne keine Abschreckung, sondern machte vielmehr deutlich, dass das Erfahrene noch nicht das war, was ich für mich wollte. Weil ich im Bachelor zwar ein Auslandspraktikum, aber kein Auslandssemester gemacht hatte, war es eine schöne Option, Ausland und Studium zu verknüpfen.

          Was macht dir an der täglichen Arbeit am meisten Spaß?

          Das sind viele Dinge: Die Zusammenarbeit mit meinem Team, die Ambitionen, die wir haben, oder auch die Auswirkungen unserer Arbeit in der realen Welt. Hilfe im Haushalt ist ein Thema, das immer mehr Bedeutung gewinnt. Menschen finden über unsere Plattform Unterstützung im Haushalt und haben somit mehr Zeit für andere Dinge. Gleichzeitig ermöglichen wir Zehntausenden Reinigungskräften, sicher und transparent Geld zu verdienen. Seit der Gründung 2014 sieht man auch die Entwicklung von so vielen Mitarbeitern, zum Beispiel wenn ehemalige Praktikantinnen heute verantwortlich sind für die globale Kommunikation. Diese Lebenswege zu sehen, Leute zu begleiten, die in der Zeit Kinder bekommen haben, nach einem Jahr Pause wieder zurückkommen, oder zu sehen, dass wir uns als Unternehmen, aber auch als Menschen und Team gemeinsam entwickeln und gemeinsam den Weg gehen – das sind wirklich schöne Aspekte.

          Das Interview führte Julia Hoscislawski.

          Benedikt Franke, 1983 in Köln geboren, ist CEO und einer der Gründer von Helpling, Europas führendem Online-Marktplatz für Haushaltsdienstleistungen. Er hat seinen Bachelor in Philosophy and Economics in Bayreuth und den Master an der ESCP Europe in London und der EGADE Business School in Monterrey, Mexiko, erworben. Nach dem Masterstudium arbeitete er als Associate für die Boston Consulting Group in Hamburg, bevor er 2009 zu Rocket Internet stieß. Gemeinsam mit Philip Huffmann gründete Benedikt Anfang 2010 seine erste Firma: die Latin American Media Group, ein Content- und Werbenetzwerk exklusiver Lifestyle-Blogger in Lateinamerika. 2014 riefen Franke und Huffmann Helpling ins Leben.

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