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Grenzenlos Studieren : Die Universitäten oder Europa

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Die bisherigen Überlegungen zur Ausgestaltung der Europäischen Universität laufen damit allerdings Gefahr, Universitäten nicht in ausreichendem Maße als Motoren der Wissensgesellschaft in den Blick zu nehmen. Gerade die Forschungsstärke der europäischen Universitäten ist ein Garant für die Zukunft des europäischen Wohlstands und der europäischen Demokratien. Europäische Universitäten müssten dann Universitätsverbünde sein, für deren Mitgliedsuniversitäten sich aus der europäischen Perspektive eine deutliche Stärkung hervorragender Forschung und Lehre ergibt. Von solchen Universitätsverbünden gehen wirkungsvolle Impulse für die europäische Integration aus, weil die grenzüberschreitende Mobilität sowohl von Studenten als auch von Wissenschaftlern nicht nur einzelne, als Leuchttürme geförderte Studiengänge oder Forschungsvorhaben auszeichnet, sondern sich zum Bestandteil der universitären Kultur entwickelt. Europäische Universitäten sind Universitäten, die bis in ihre Substanz und in allen ihren Leistungsdimensionen von der europäischen Perspektive durchdrungen sind, also keine Universitäten, welche die europäische Perspektive an ein einzelnes Institut oder eine „Europäische Fakultät“ delegieren.

Ein Epizentrum europäischen Denkens

Es wäre ein Fehler, Forschung und Lehre an einer Europäischen Universität von vornherein thematisch festzulegen, etwa auf die großen gesellschaftlichen Herausforderungen oder auf Fragen der europäischen Integration und der zwischenstaatlichen Zusammenarbeit. Europäische Universitäten nutzen vielmehr das Potential, das grenzüberschreitende Verflechtung und Mobilität für Forschung und Lehre bietet, und realisieren gerade dadurch herausragende Forschung und Lehre, und zwar unabhängig von der konkreten Fragestellung oder dem jeweiligen Fach: Vielfalt und Perspektivenreichtum führen zu neuen Fragen, zu einer Schärfung von Begriffen, zu einer Erweiterung des argumentativen Horizonts, zu neuen Möglichkeiten, Diversität zu erfassen und europäische Identität zu schaffen.

Der Status einer Europäischen Universität darf also nicht an ein bestimmtes Profil in Forschung und Lehre gebunden sein, allerdings ergibt sich aus der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit als Bestandteil der institutionellen Kultur einer Europäischen Universität natürlicherweise das Interesse an einer koordinierten Profilentwicklung und einer gemeinsamen Strukturplanung mit den Partneruniversitäten. Perspektivisch wird eine Europäische Universität mit ihren Partneruniversitäten nicht nur gemeinsame Studiengänge entwickeln, gemeinsame Abschlüsse anbieten und gemeinsame Forschungsprojekte auflegen, sondern sie wird mit ihren Partnern gemeinsame Professuren schaffen, gemeinsames Verwaltungspersonal beschäftigen, gemeinsame Servicestellen für Studenten und Wissenschaftler aufbauen und gemeinsame Forschungsinfrastrukturen betreiben.

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