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Gleichstellungsdebatte : Unter Frauen

  • -Aktualisiert am

Bild: ddp

Über die Frauenquote zu diskutieren kann auch Spaß machen – zumindest solange keine Männer dabei sind. Ein Besuch bei den Frauen der International Bar Association.

          2 Min.

          Ute Sacksofsky findet es entlastend, mehr Kolleginnen als früher zu haben. „Jetzt sind wir fünf. Das verändert was“, sagt die Frankfurter Juraprofessorin und ruft aus: „Das ist so entspannend!“ Die Frauen glucksen. Rund 80 sind gekommen, sitzen in der 22. Etage des Hauses der Frankfurter Wirtschaftskanzlei Clifford Chance und hören vier Frauen zu, die über das Frausein reden.

          Jede ist anders: Manuela Zweimüller, die Chemikerin aus Bayern, die in Paris für einen großen Rückversicherer allein unter Männern gearbeitet hat und jetzt mit weitaus mehr Frauen bei der europäischen Versicherungsaufsicht EIOPA beschäftigt ist; Eva Welskop-Defaa, die Leiterin der Gleichstellungsabteilung im Bundesfamilienministerium, die ihren ersten wichtigen Job in der Politik deshalb bekam, weil sie von ihrem männlichen Chef unterschätzt worden war; Ute Sacksofsky, die Professorin aus Frankfurt, die sich über den zaghaften weiblichen Nachwuchs an ihrer Fakultät freut und einst in Harvard gelernt hat, wie Frauenförderung wirklich aussehen kann.

          „Als einzige Prinzessin hat man nur kurzfristig Erfolg“

          Und dann noch Claudia Nagel, die Unternehmerin aus Hessen, die dem Zusammentreffen einen Begriff schenkt, der für viel Gesprächsstoff sorgt: das Prinzessinnen-Syndrom. „Sie kennen das: als einzige Frau in einer Männerrunde zu sein“, sagt Nagel. Da komme man manchmal gut an, weil man diese herausgehobene Stellung habe, umgarnt werde. Aber Nagel warnt: „Als einzige Prinzessin hat man nur kurzfristig Erfolg – das verbessert nicht langfristig die Stellung und die Wahrnehmung der Frau.“

          Das klingt plausibel für die Zuhörerinnen, aber nicht jede scheint sich überhaupt wiederzuerkennen in dem Prinzessinnenbefund. „Also - vielleicht bin ich ja nicht so der Prinzessinnentyp“, sagt Ute Sacksofsky. „Aber ich kenne das nicht. Ich finde Männergruppen einfach sehr anstrengend.“

          Die Gleichstellungsdebatte kann „sexy“ sein

          Der Nachmittag im 22. Stock im gleißenden Licht der späten Wintersonne ist nicht anstrengend. Er zeigt: Über das Thema Gleichstellung im Berufsleben zu sprechen muss nicht technisch sein, es muss nicht immer gestochen scharf argumentiert oder auf eine breite Faktenbasis gestützt werden. Die Gleichstellungssache kann auch „sexy“ sein, Spaß machen.

          “Wir wollen auch, dass hier Networking gemacht wird“, sagt Christine Koziczinski, Partnerin von Clifford Chance, die zusammen mit zwei Kolleginnen schon seit einigen Jahren zu diesem Treffen einlädt. „Allzu oft schneiden sich Frauen die Chance zum Netzwerken ab, weil sie doch lieber nach Hause gehen, als sich noch an die Bar zu stellen, oder weil sie keine Lust haben, allein in der Männerrunde zu sein.“

          Keine Männer, viele Standpunkte und noch mehr Prosecco

          Es ist aber nicht so, dass hier nur gejuxt wird. Gewichtige Themen werden besprochen: die Notwendigkeit einer Frauenquote als „Vernunftbeschleuniger“ (finden viele gut), die Bedrohung der Gleichstellungsdebatte durch die Diversitätsdebatte (finden viele schlecht) und dass Frauen immer meinen, durch besonders gewissenhafte Arbeit glänzen zu müssen (ob das schlecht ist, darüber sind die Meinungen geteilt).

          Jedenfalls gilt für dieses Frauentreffen nicht das, was Claudia Nagel oft an solchen Zusammenschlüssen bemängelt: „Männer haben immer noch so eine erotische Verbindung zu einander, da ist etwas Lustvolles. In Frauenverbänden ist gar nichts Lustvolles!“ Dieser Befund lässt sich angesichts der am Abend geleerten Proseccoflaschen wohl nicht übertragen.

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