https://www.faz.net/-gyl-a5gz6

Giffeys Doktorgrad : Der Titel als Taschentuch

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey Bild: EPA

Franziska Giffey musste tun, was sie jetzt getan hat – bei einer neuen Prüfung ihrer Doktorarbeit wäre es wohl nicht bei einer Rüge geblieben. Wird sie politisch damit davonkommen?

          1 Min.

          Für Franziska Giffey gab es nur eine Möglichkeit, „weiteren Schaden von meiner Familie, meiner politischen Arbeit und meiner Partei abzuwenden“, wie sie am Freitag mitteilte. Sie musste tun, was sie jetzt getan hat. Der Verzicht auf den Doktorgrad wird ihr zwar nicht ersparen, mit Plagiatsvorwürfen und der Kritik leben zu müssen, sie gestehe indirekt ihre Schuld ein. Aber wenn sie Glück hat, verzichtet die Freie Universität auf eine weitere Untersuchung, ob Giffey ihren Doktortitel zu Unrecht trägt.

          Denn es ist wohl sicher, dass es dieses Mal mit einer Rüge nicht getan wäre. Die hatte die Universität beim ersten Mal ausgesprochen, obwohl große Zweifel angebracht waren, dass Giffey tatsächlich, wie sie jetzt noch einmal bekräftigte, ihre Doktorarbeit „nach bestem Wissen und Gewissen“ geschrieben habe.

          Die Karriere soll nicht gefährdet werden

          Selbst aber wenn es doch noch zur zweiten, gewissenhaften Untersuchung kommen sollte, könnte Giffey die Sache nunmehr mit einer kalten Schulter begleiten. Wichtig scheint für sie vor allem zu sein, auf diese Weise ihre politische Karriere in Berlin nicht durch die Affäre zu gefährden. Sie will erst Landesvorsitzende der SPD, dann Regierende Bürgermeisterin werden. Beides wäre unmöglich, wenn ihr der Doktorgrad aberkannt würde.

          Es gibt also keinen Zweifel, welcher Grund im Dreiklang aus Familie, Arbeit und Partei der wichtigste ist: „meine politische Arbeit“. Giffeys Ansehen in der SPD ist so hoch, dass sie damit davonkommen dürfte. Es ist allerdings dennoch beschämend, wie sie (und andere vor ihr) mit einem akademischen Grad umgeht, der ihr offenbar nicht viel mehr wert ist als ein karriereförderndes Taschentuch: Sie hat hineingeschnäuzt, nun wirft sie es einfach weg.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Was an Weihnachten erlaubt ist Video-Seite öffnen

          Beschluss der Bundesregierung : Was an Weihnachten erlaubt ist

          Die Bundesländer sprechen sich mit Blick auf Weihnachten und Silvester in Zeiten der Corona-Pandemie für eine Kontaktbeschränkung auf bis zu zehn Personen aus mehreren Haushalten aus. Für die Feuerwerks- und „Böller“-Fans gab es gute Nachrichten.

          Topmeldungen

          Probe für den Ernstfall: Der baden-württembergische Sozialminister Manne Lucha (Grüne) lässt sich im Beisein von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU) den Ablauf einer Impfung für die geplanten Impfzentren demonstrieren.

          Impfzentren in Bundesländern : Wie impft man Millionen?

          Sobald das erste Vakzin zugelassen ist, kann es eigentlich losgehen. Die Länder sollen in wenigen Wochen in der Lage sein, Massenimpfungen zu verabreichen. Doch vielfach ist noch gar nicht klar, wo genau die Zentren stehen sollen.

          Corona-Plan der Länder : Jedem sein Weihnachten?

          Das Virus kennt keine Feiertage. Trotzdem wollen die Ministerpräsidenten schon jetzt größere Feiern von Heiligabend bis Neujahr ermöglichen. Diese „Rettung“ könnte sich rächen.
          Black is beautiful

          Black Friday : Wie spare ich wirklich?

          Cyber Monday und Black Friday versprechen Tiefpreise. Doch nicht jedes vermeintliche Angebot ist gleich ein Schnäppchen. Wie können Verbraucher wirklich sparen?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.