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Interview : „Lachpause statt Rauchpause“

Bild: FAZ.NET

Zum Lachen vor die Tür gehen? Warum nicht, sagt die Vorsitzende des Lachyoga-Verbands. Hauptsache, die Kollegen kommen mit!

          3 Min.

          Frau Leisch, Sie sind Lachtrainerin und Humorcoach. Was tun Sie?

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Ich leite Gruppen durch eine Reihe von körperlichen Übungen, die die positive Energie aufbauen. Die Atmung wird verbessert, die Körperchemie ändert sich. Glückshormone werden innerhalb kürzester Zeit freigesetzt, Stresshormone werden abgebaut. Das ist das Praktische an der Sache, man braucht nicht mal gute Laune.

          Wenn ich lächele, dann fühle ich mich automatisch besser?

          Das ist ein relevantes Prinzip. Wenn man die Mundwinkel hochhebt, wird ein Nerv aktiviert, der Impulse sendet und dafür sorgt, dass die Endorphine freigesetzt werden. Das ist wie eine Muskelaktivität, das kann ich auch ausführen, wenn ich schlecht gelaunt bin. Allein durch die vertiefte Atmung und das Anheben der Mundwinkel kommt das nämlich. Lachtraining hat nichts mit Lustigsein zu tun. Es geht um innere Freude, nicht um Spaß, schon gar nicht auf Kosten anderer.

          Für Außenstehende sieht es seltsam aus, wenn sich erwachsene Menschen öffentlich im Park wie Kinder benehmen, sich weglachen und herumhampeln.

          Hampeln tun wir nicht. Aber es schaut schon lustig aus. Es ist in unserer Gesellschaft nicht etabliert, dass sich Menschen zusammentun und herzhaft miteinander lachen. Manchmal werden wir gefragt, ob wir zu viel getrunken haben. Es erregt weniger Aufsehen, öffentlich zu murren als sich von Herzen zu freuen. Das ist das Traurige.

          Schade. Kinder lachen deutlich mehr.

          Leider wird ihnen das aberzogen. Wir lernen unsere Gefühle zu unterdrücken. Gute und schlechte. Als ob wir Deckel darüber legen. Wir bemühen uns, nicht zu zeigen, wenn wir traurig oder wütend sind, wir wollen das nicht fühlen. Irgendwann bleiben auch die guten Emotionen weg. Gefühle unterdrücken ist anstrengend, das frisst unsere Energie. Daher kommt das Ganze, sich fertig fühlen, ausgebrannt sein.

          Verstehe ich Sie recht, Lachen ist eine Burnout-Prävention?

          Ja, beim Lachen lassen wir los, dadurch fühlt man sich hinterher wieder frisch und energiegeladen. Das Zwerchfell wird gelockert, die Atmung verbessert sich. Durch das Hahaha, das längere Ausatmen, wird mehr Restluft entleert und wir nehmen drei- bis viermal mehr Sauerstoff auf als normalerweise. Lachen ist natürliches Atemtraining. Der Kreislauf wird angeregt wie bei einem sanften Cardio-Workout.

          Dann kann ich auch Antistresstraining wie Chi Gong oder Progressive Muskelentspannung machen.

          Es gibt einen großen Unterschied und Vorteil beim Lachtraining. Die Interaktion mit den anderen, zwischenmenschlich passiert viel. Wenn man miteinander lacht, kommuniziert man leichter und versteht sich besser. Im Grunde genommen ist es eine Art Persönlichkeitsentwicklung auf der emotionalen Schiene. Wir holen die positiven Eigenschaften aus den Menschen heraus, Empathie, Achtsamkeit, Freundlichkeit.

          Wie erreichen Sie das konkret?

          Wir beginnen in der Regel im Kreis mit einem Lächeln. Dann geht es über zu Partnerübungen, man schüttelt sich die Hände, schaut sich in die Augen, signalisiert: Schön, dass Du da bist. Man läuft durcheinander im fließenden Wechsel. Das ist aufregend neu für viele. Oft geht es im Leben darum, sich abzugrenzen. Bei uns ist das völlig anders, es geht um Nähe und darum, Verbindung herzustellen.

          Es wird gelacht, aber nicht geredet.

          Darauf lege ich Wert, so kommt man leichter aus dem Denken raus. Es gibt keine Kommentare, keine Wertungen. Der innere Kritiker hat Pause. Das stärkt nachhaltig das Selbstbewusstsein.

          Solche kindliche Verspieltheit erreiche ich mit Meditation nicht.

          Beim Lachen bekommt man den Kopf frei, aber Leichtigkeit ist nicht so leicht zu erreichen. Auf Vorträgen stelle ich die Frage: Wie viel Zeit verbringen Sie mit guter Laune? Das ist verschwindend wenig. Auch der Urlaub ist schnell vorbei. Wir können uns konditionieren und die guten Gefühle abrufen. Es geht ums Wohlfühlen, aber das ist kein Wert in unserer Gesellschaft, darüber denkt keiner nach. Ich plädiere dafür, bei der Arbeit statt einer Rauchpause eine Lachpause einzuführen.

          Nochmal, ich gehe mit Kollegen vor die Tür und wir lachen laut?

          Warum nicht? Denken Sie daran, es geht um Selbstwirksamkeit, darum, den positiven Dreh zu bekommen. Schlechte Laune bedarf keinerlei Anstrengung. Es ist so leicht, über etwas Negatives zu reden. Es ist ganz normal, sich nicht gut zu fühlen. Keiner fragt: Bist Du im Stress? Denn das sind wir alle. Wir haben uns dran gewöhnt, aber es ist nichts, was gesundheitsförderlich ist. Beim Lachtraining müssen Sie nicht lachen. Aber Sie werden es tun.

          Tun sich Männer oder Frauen beim Lachtraining schwerer?

          Wir haben gut ein Drittel Männer. Bei einem Elektronikkonzern habe ich aber auch schon mit 39 Ingenieuren und einer Frau gelacht.

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