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Gespräch mit Peter-André Alt : Ich wünsche mir Mut zur Unterscheidung

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Da haben Sie aber schon eine klare Absage aus dem BMBF bekommen.

Ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben, dass die Ministerin das überdenkt.

Der Hochschulpakt ist ja eigentlich ein Pakt für Forschung und Lehre. Wie soll es angesichts der schlechten Betreuungsverhältnisse zu einer signifikanten Verbesserung der Lehre kommen?

Die schlechten Betreuungsrelationen sind ärgerlich. Die entscheidende Frage ist aber, wie wir der wachsenden Heterogenität der Studierenden gerecht werden. Ich halte ein einjähriges Studium Generale vor dem Bachelor für ein gutes Mittel. Es zeigt sich immer stärker, dass zahlreiche Abiturienten auf die Universität nicht vorbereitet sind. Außerdem könnte ich mir vorstellen, dass die HRK einen Katalog von zehn Kriterien für die Qualität der Lehre festlegt und die Hochschulen, die mindestens sieben davon erfüllen, an der Förderung durch den Bund teilhaben können.

Kommen wir zur Lage des akademischen Mittelbaus, der bekanntlich unter Kettenverträgen und unsicheren Karriereaussichten leidet. Wird dessen Notruf endlich erhört?

Wir haben da auch durch die Menge an Promotionsprogrammen zu viele Erwartungen geweckt. Jetzt müssen die Zahlen sinken. Denn eines ist ganz klar: Wir werden nicht mehr Dauerstellen schaffen können. Da unterliegt auch die Forderung der Jungen Akademie nach einem Departmentsystem ohne Lehrstühle einem schwerwiegenden Denkfehler. Wir können die Hochschulen ohne mehr Geld nicht für viele Karrieren offenhalten und gleichzeitig mehr dauerhafte Sicherheiten schaffen.

Wie wollen Sie junge Forscher davon abhalten, zu lange in der Wissenschaft zu bleiben?

Wir sollten weiter vielen die Chance bieten, in die akademischen Qualifikationswege hineinzukommen, aber es können nicht alle bleiben. Da muss man als Hochschullehrer auch mal den Mut haben, frühzeitig von einer Promotion abzuraten. Daran fehlt es. Wir müssen in der Ausbildung mehr umschichten von den Universitäten zu den Fachhochschulen, ohne dass ich mich damit an die Forderung anschließen möchte, gleich ganze Fächer wie etwa BWL komplett an die Fachhochschulen zu transferieren.

Sprechen wir von Europa. Die HRK bekannte sich 2016 zur Schaffung einer europäischen Bildungs- und Forschungsgemeinschaft. Ist das mehr als eine der üblichen Phrasen? In Osteuropa behindern rechtskonservative Regierungen die Forschungsfreiheit. Auch die berufen sich ja auf Bildung.

Die europäische Bildungsgemeinschaft bleibt in der Tat eine Phrase, wenn sich daran kein Handlungskonzept anschließt, wie es Präsident Macron mit der Idee europäischer Universitätsverbünde vorgeschlagen hat. Wenn diese Verbünde nicht nur materielle Interessengemeinschaften bleiben sollen, dann müssen sie definieren, was sie für das Grundwissen des Europäertums leisten. Ich denke da an einen verpflichtenden Kanon großer europäischer Texte, der zum Bildungsprogramm der jungen Menschen in Europa gehören sollte.

Es gibt Anzeichen eines wachsenden Dogmatismus an den Universitäten. Fehlt den Hochschulleitungen der Mut, der Intoleranz gegenüber manchem ihrer Mitglieder entgegenzutreten?

Ja, das mag so sein. Wenn ich mir aber die Hexenjagden auf manchem amerikanischen Campus anschaue, dann befinden wir uns in Deutschland zum Glück noch in einer anderen Situation. Zweifellos wächst die Moralisierung des akademischen Diskurses mit hohen Erregungsgraden gegenüber Meinungen, die einem nicht passen. Darum brauchen wir noch mehr öffentliche Diskussionen über die Wissenschaftsfreiheit. Alle diese Feiertagswörter – Freiheit, Toleranz, Diversität – müssen wir in ihrer frommen Grundtendenz auf den Prüfstand stellen, um sie mit echtem Leben zu füllen.

Das Gespräch führten Gerald Wagner und Thomas Thiel.

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