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Geschlechterforschung : Warum Frauen am DVD-Spieler scheitern

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Mit ausgelöst hat sie einer der großen Kritiker der Gender Studies: Günter Buchholz, emeritierter Professor für Betriebswirtschaftslehre und Consulting der Hochschule Hannover. Laut Buchholz werden in den Gender Studies nur Forschungsfragen verschiedener Einzeldisziplinen, wie etwa der Geistes- und Sozialwissenschaften, gebündelt, ohne dass die Gründe hierfür nachvollziehbar geklärt seien. In einem Aufsatz übt Buchholz heftige Kritik an einer Evaluation des Fachs in Niedersachsen. Dem Prüfungsausschuss wirft er Befangenheit vor, wissenschaftliche Kritik werde vermieden, und es fehle jeglicher Beleg einer Forschungsleistung. „So etwas nennt man eine Luftbuchung“, urteilt Buchholz. Um der Frage nach der Forschungsleistung selbst nachzugehen, initiierte Buchholz schließlich im vergangenen Jahr eine eigene Studie, verschickte einen Fragebogen an Gender-Studies-Lehrstühle in ganz Deutschland. Doch die Antworten blieben aus. Buchholz glaubt: „Ich bin erfolgreich boykottiert worden.“

Hinter dem Boykott vermutet er Beate Kortendiek, eine Mitarbeiterin des Netzwerks Frauen- und Geschlechterforschung NRW. Sie hatte im August 2013 im Blog des Zentrums für transdisziplinäre Geschlechterstudien der Berliner Humboldt-Universität darauf aufmerksam gemacht, dass Buchholz in „liberalen antifeministischen elektronischen Medien“ vernetzt und sein Fragebogen von „ähnlichen Voreinstellungen“ geprägt sei. Sie riet ihren Kollegen, zu überlegen, „ob sie sich an einem solchen Unternehmen in irgendeiner Form beteiligen wollen“. Es folgten weitere offene Briefe und Blogbeiträge, in denen Gender-Befürworter und Gender-Kritiker sich gegenseitig unwissenschaftliches Verhalten vorwarfen.

Provokanter als BWL und Soziologie

Auch abseits solch konkreter Zerwürfnisse sind Gender-Studies-Studenten immer wieder dem Verdacht ausgesetzt, dass die eigene Arbeit keine Wissenschaft sei. Fabienne Fröhlich kennt die kritischen Fragen zu ihrem Studiengang nur allzu gut - und geht ganz souverän damit um: „Einige Menschen, mit denen ich gesprochen habe, konnten sich zunächst nur wenig unter Gender Studies vorstellen“, rekapituliert sie. Doch im Gespräch mit ihr hätten die meisten schnell gemerkt, dass sie viele Themen des Studiengangs, etwa Gleichberechtigung und Sexismus, aus ihrem Alltag kennen.

Auch die Professorin Corinna Bath hat sich schon häufig Kritik anhören müssen. „Feminismus ist ein Reizwort“, sagt Bath. Oft müsse sie erklären, was sie genau mache. Das findet sie allerdings gar nicht schlimm, denn das sei ein weiterer Kernaspekt von Gender Studies: feministische Wissenschaftskritik. Nach der Theorie der amerikanischen Naturwissenschaftshistorikerin Donna Haraway verfolge jede Wissenschaft politische Ziele und könne gar nicht objektiv sein. Vielleicht seien Gender Studies also gar nicht politischer als BWL, Pädagogik oder Soziologie. Nur provokanter.

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