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Geschlechterforschung : Warum Frauen am DVD-Spieler scheitern

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Ziel: Gerechtere Welt - Berufsziel: unklar

Fröhlich findet das Gendern gut. Denn damit könne man sichtbar machen, was ihrer Meinung nach sichtbar sein sollte: dass Männer und Frauen immer noch nicht gleichberechtigt sind, nicht einmal in der Sprache. Die Master-Studentin habe durch ihr Studium eine „Gender-Brille“ entwickelt, sagt sie. Sie sehe die Welt seitdem mit anderen Augen: Antiquiert sei etwa, dass Jungs mit Autos und Mädchen mit Puppen spielen. Erschreckend sei, dass es für Intersexuelle, also Menschen, die sowohl über weibliche als auch über männliche Geschlechtsmerkmale verfügen, erst seit November vergangenen Jahres einen eigenen Eintrag im Geburtenregister gebe. Und streng genommen noch nicht einmal das: Denn Ärzte, die das Geschlecht eines Babys nicht eindeutig feststellen können, haben nur die Möglichkeit, „kein Geschlecht“ einzutragen. Angestoßen wurde die Debatte um das Geburtenregister von Betroffenen, seither wird das Thema vielfach in den Gender Studies diskutiert. „Es gibt so viele Klischees und gesellschaftliche Normen, die ungerecht sind“, sagt Studentin Fröhlich. Sie ist überzeugt: „Was ich jetzt im Studium lerne, wird mir später helfen, eine gerechtere Welt mitzugestalten.“ Welchen Beruf genau sie dabei nach ihrem Studium ausüben möchte, weiß Fröhlich zwar noch nicht. Doch eine Stelle in der pädagogischen Fort- und Weiterbildung könnte sie sich gut vorstellen. Auch eine akademische Laufbahn könnte sie interessieren, sagt sie.

Überhaupt: Längst nicht alle Gender-Forscher enden als Frauenbeauftragte in einer politischen Organisation. Viele sind interdisziplinär in Forschungsfeldern unterwegs, die man gar nicht erwarten würde. Corinna Bath zum Beispiel hält die Maria-Goeppert-Mayer-Professur für Gender, Technik und Mobilität an der Technischen Universität Braunschweig. Ihr Forschungsschwerpunkt ist die Geschlechterforschung in Maschinenbau und Informatik. „Ich möchte Technik reflektiert betrachten“, erklärt Bath. Denn das geschehe noch viel zu selten. So würden Maschinen meist von spezifischen Gruppen von Männern im Alter von Mitte zwanzig bis Anfang vierzig entworfen. Bath sieht darin einen Grund, warum nicht alle Menschen gleich gut mit Technik umgehen können. Sie möchte das ändern, allerdings nicht über eine Frauenquote, sondern indem sie mit ihren Studierenden Technik-Klischees bespricht und ihnen so klarmacht, dass es nicht an den Frauen liegt, wenn sie zum Beispiel DVD-Spieler schlechter bedienen können als Männer, sondern an einer für sie suboptimalen Gestaltung der Geräte.

Gender-Kampf wieder aufgeflammt

Durch die Nähe zur Politik sind Gender Studies oft Gegenstand kontroverser Diskussionen. Und bei kaum einem Studiengang gehen Befürworter und Kritiker härter miteinander ins Gericht. Schon im Jahr 2006 machte eine Studie der Heinrich Böll Stiftung darauf aufmerksam, dass eine Gruppe von Wissenschaftskritikern den Gender Studies den wissenschaftlichen Anspruch an sich aberkennen wolle. Im vergangenen Jahr ist der Kampf zwischen Gender-Anhängern und -Gegnern wiederaufgeflammt. Er artete über offene Briefe, Foren und Blogs zu einer digitalen Schlammschlacht aus.

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