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Studieren in Corona-Zeiten : Warum uns digitale Seminare nicht bilden und enorm erschöpfen

  • -Aktualisiert am

Laura in ihrem Home-Office in Hannover: Studierende besuchen Seminare fast ausschließlich per Zoom. Bild: Patrick Slesiona

Die meisten Studierenden müssen seit Beginn der Pandemie einem Distanzstudium nachgehen. Nicht jeder ist mit dieser Unterrichtsform zufrieden. Ein Gastbeitrag.

          5 Min.

          Dank Big Blue Button sehe ich meine Kommilitonen in diesem Semester als unromantisches Fragment: Da ist zum Beispiel Fabian P., der mit mir „Literaturdidaktik 1“ besucht. Fabian liebt Ikea-Möbel und löffelt zur Seminarzeit gerne Erdbeerjoghurt. Den großen von „Bauer“. Einmal ist ihm ein wenig Erdbeerjoghurt auf den Schreibtisch getropft. Er hat den Becher beiseitegestellt, den Fleck mit dem Finger weggewischt und die Kamera seines Rechners ausgeschaltet. Svenja W. bringt ihre drei Jahre alte Tochter dienstags um acht Uhr fünfzehn in den Kindergarten. Da beginnt ,Phraseology‘. Via Breakout-Room bin ich manchmal dabei, wenn Svenja das Kind der Erzieherin übergibt. Die Tochter klingt fröhlich, die Erzieherin freundlich. Svenja ist vor Ablauf der Breakout-Session wieder zu Hause. Sie muss in der Nähe des Kindergartens wohnen.

          Friedrich R. aus „Teaching Texts“ verfolgt das Seminar am liebsten liegend. Über seinem Bett hängen ein T-Shirt und zwei Schals des BVB. Letzte Woche war seine Bettwäsche kariert. Wie häufig er sie wechselt, weiß ich nicht. Gestern hat Friedrich ohne Kamera am Seminar teilgenommen. Fabian, Svenja, Friedrich und ich haben eines gemeinsam: Wir sind uns noch nie begegnet. Wir haben uns noch nie in die Augen geschaut.

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