https://www.faz.net/-gyl-a7f6z

Betreuung im Lockdown : Für Extra-Kinderkrankentage reicht Bescheinigung von Schule und Kita

  • Aktualisiert am

Leere Garderoben in der Kita bedeuten für Eltern gesteigerten Betreuungsaufwand. Bild: dpa

Viele Eltern haben wegen des Lockdowns ein Betreuungsproblem. Zu ihrer Entlastung wird die Zahl der Kinderkrankentage in diesem Jahr verdoppelt. Die Einzelheiten der neuen Regelung.

          2 Min.

          Für Familien gibt es nun mehr Klarheit bei den geplanten zusätzlichen Kinderkrankentagen in diesem Jahr. Die Extra-Tage sollen nicht nur bei geschlossenen Schulen und Kitas genutzt werden können, sondern auch, wenn lediglich die Anwesenheitspflicht ausgesetzt ist oder der Zugang zur Kita eingeschränkt wurde, teilte das Bundesgesundheitsministerium am Dienstag mit. Laut einer der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Formulierungshilfe für einen entsprechenden Gesetzentwurf gilt das auch, wenn Eltern lediglich gebeten wurden, ihre Kinder nicht in die Kita zu bringen.

          Das Kinderkrankengeld können demnach auch Eltern beantragen, die theoretisch im Homeoffice arbeiten könnten. „Gleichzeitig die Kinder beschulen und von zu Hause aus arbeiten bringt gerade junge Familien in Pandemiezeiten häufig an die Grenze ihrer Belastbarkeit. Deswegen wollen wir es diesen Eltern ermöglichen, sich unkompliziert und ohne finanzielle Verluste um ihre Kinder zu Hause zu kümmern“, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Dienstag.

          Voraussetzung für die Inanspruchnahme der Kinderkrankentage sei, dass es im Haushalt keine andere Person gibt, die das Kind betreuen kann. Anspruch darauf sollen nur gesetzlich Versicherte haben. Um ihn geltend zu machen, reicht demnach eine Bescheinigung der Kita oder der Schule, die bei der Krankenkasse eingereicht werden muss.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder hatten vor einer Woche vereinbart, die Kinderkrankentage pro Elternteil in diesem Jahr von 10 auf 20 zu verdoppeln, für Alleinerziehende von 20 auf 40. Kinderkrankengeld zahlt die gesetzliche Krankenkasse normalerweise, wenn Eltern wegen der Pflege eines kranken Kindes unter zwölf Jahren nicht arbeiten gehen können. Es beträgt 90 Prozent des Nettoverdienstes.

          Mehrkosten in dreistelliger Millionenhöhe

          In den vergangenen Tagen hatten sich Eltern viele Fragen zu der geplanten Aufstockung gestellt. Nun hat die Bundesregierung nach Angaben von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) die entsprechende Gesetzesänderung durch einen sogenanntem Umlaufbeschluss auf den Weg gebracht. Sie muss noch durch den Bundestag, soll aber dann rückwirkend zum 5. Januar gelten.

          Den Plänen zufolge sollen nicht nur die nun zusätzlich gewährten Kinderkrankentage für Schul- und Kitaeinschränkungen genutzt werden können, sondern alle. Es wird mit Mehrkosten für die Krankenkassen in dreistelliger Millionenhöhe gerechnet. Die Kosten sollen durch höhere Zuschüsse vom Bund an die Kassen ausgeglichen werden.

          Neben den zusätzlichen Kinderkrankentagen gibt es für Eltern auch die Möglichkeit, eine staatliche Entschädigung zu bekommen, wenn sie wegen pandemiebedingter Einschränkungen an Schulen und Kitas nicht zur Arbeit können. Der Staat zahlt dann über den Arbeitgeber 67 Prozent Lohnersatz, maximal 2016 Euro pro Monat. Beide Leistungen gleichzeitig gibt es aber nicht. Wenn ein Elternteil Kinderkrankengeld beanspruche, ruhe in dieser Zeit für beide Elternteile der Anspruch auf die Entschädigungszahlung, hieß es vom Bundesgesundheitsministerium.

          Weitere Themen

          Wird der Lockdown noch weiter verschärft? Video-Seite öffnen

          Neuer Höchststand : Wird der Lockdown noch weiter verschärft?

          Die Zahl der Corona-Toten in Deutschland ist auf einem neuen Höchststand, gleichzeitig bieten die Bürger dem Virus nach Ansicht des Robert-Koch-Instituts immer noch zu viele Möglichkeiten, sich auszubreiten. Das RKI plädiert daher für eine nochmalige Verschärfung des Lockdowns.

          Topmeldungen

          Pfizer verringert kurzfristig die Lieferungen von Impfstoff seines deutschen Kooperationspartners Biontech an Deutschland und weitere europäische Staaten.

          Dämpfer für Biontech : Mögliche Nebenwirkungen des Impfstoffs

          Tote nach Impfungen: Norwegens Gesundheitsbehörde stuft die Zahl der Vorfälle als „nicht alarmierend“ ein. Währenddessen verringert Pfizer kurzfristig die Lieferungen des Impfstoffs an Deutschland.
          Erst Dax-Aufsteiger, dann tiefgefallen: der Finanzdienstleister Wirecard.

          Untersuchungsausschuss : Wirecards großes Blendwerk

          Trotz kritischer Presseberichterstattung, späten Zweifel der Commerzbank und einem Anruf von Finanzstaatssekretär Jürgen Kukies: Selbst als der Zahlungsabwickler zusammenbrach, glaubte man in Berlin noch an einen gesunden Kern.

          CDU vor der Wahl : Die Macht der Delegierten

          Otto Wulff ist der älteste Delegierte auf dem digitalen CDU-Parteitag, Lilli Fischer die jüngste. Mehr als sechzig Jahre Parteigeschichte liegen zwischen ihnen. Jetzt wählt die Partei eine neue Spitze und sie schreiben das nächste Kapitel.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.