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Berufschancen für Mediziner : Freie Wahl für junge Ärzte

Kontakt zum Alltag fehlt: Angehende Ärzte absolvieren ihre Ausbildung fast ausschließlich im Krankenhaus. Bild: Reuters

Jedes Jahr wächst die Zahl der Mediziner. Dennoch fehlen sie in Kliniken und immer öfter in der Provinz. Was läuft da schief, und was wird dagegen getan?

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          Der Arbeitsmarkt für Ärzte wächst und wächst und wächst. Jedes Jahr verzeichnet die Statistik der Bundesärztekammer ein Plus. Im vergangenen Jahr betrug es 1,7 Prozent. Bundesweit arbeiteten laut Bundesärztekammer 371302 approbierte Ärzte in Praxen, Krankenhäusern, dem öffentlichen Gesundheitswesen, in Verwaltung, Forschung oder Industrie. Anteilig die meisten von ihnen, 189622, verdienten ihr Geld im Krankenhaus. 150106 Mediziner kümmerten sich in der ambulanten Versorgung um ihre Patienten.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Wien.

          Das sind so viele Ärzte wie noch nie. Im Jahre 2000 waren es erst 294000 Mediziner, 120000 von ihnen arbeiteten in der Niederlassung, 140000 in den Krankenhäusern. Heute ist es also schon ein Viertel mehr. Und doch ist der Bedarf noch lange nicht gesättigt.

          Mangel an deutschsprachigen Bewerbern

          Dabei treibt der Notstand mitunter seltsame Blüten: Personalchefs in Krankenhäusern müssen auf Deutsch radebrechende Ärzte aus dem Ausland zurückgreifen, weil sie keine geeigneten deutschsprachigen Bewerber finden. In der ambulanten Versorgung müssen Patienten zuweilen Wochen oder Monate auf einen Facharzttermin warten, weil es zu wenige freie Termine gibt. Der Gesetzgeber hat den Kassenärzten deshalb vorgeschrieben, Terminservicestellen einzurichten.

          Wie passt das zusammen: Die Statistik der Bundesärztekammer zählt immer mehr approbierte Ärzte, während freie Stellen unbesetzt bleiben und Kranke Gefahr laufen, nicht angemessen versorgt zu werden? Gründe für das Auseinanderlaufen von Nachfrage und Angebot gibt es viele. Da wären zu einem die Patienten.

          Zwar wächst die Bevölkerung seit Jahren nicht mehr, das vergangene Jahr mit dem großen Zustrom der Migranten einmal ausgenommen. Dennoch nimmt in einer älter werdenden Gesellschaft wie der deutschen die Nachfrage nach ärztlicher Beratung und Betreuung zu.

          Ärzte arbeiten heute weniger lang als früher

          Neue Möglichkeiten zur Diagnose und Behandlung weiten zudem das Angebot medizinischer Leistungen grundsätzlich aus – die schier unaufhaltsame Zunahme diagnostizierter psychischer Krankheiten dürfte damit zu begründen sein. Auch die wachsende Zahl an Krankenhausfällen ist ein Spiegelbild all dessen.

          Zudem arbeiten Ärzte heute weniger lang als früher. Das hat nicht allein mit der individuellen Einstellung zum Job – der vielzitierten Generation Y – zu tun. Überlange Dienste im Krankenhaus wurden verboten, auch um Patienten und Ärzte zu schützen. Das hat zu einer massiven Ausweitung der Stellen und kürzeren Arbeitszeiten geführt. Selbst niedergelassene Ärzte reduzieren ihre Öffnungszeiten. Wochenarbeitszeiten von 50 oder 60 Stunden, wie sie in deren Elterngeneration üblich waren, sind heute verpönt.

          Auch Teilzeitarbeit nimmt zu. Patienten erkennen das an eingeschränkten Öffnungszeiten vieler Praxen. Personalabteilungen in Krankenhäusern suchen sich nach individuellen Wünschen der begehrten Arbeitskräfte zu richten, und das umso mehr, wenn sie nicht in den überaus begehrten urbanen Zentren liegen. Und das gilt nicht nur für junge Mütter.

          Die Zahl der Ärztinnnen wächst überproportional

          Da aber auch die Zahl der Ärztinnen überproportional wächst, führt die Betrachtung einer Statistik, die nur die Ärzte-Köpfe zählt, in die Irre. Das gilt erst recht vor dem Hintergrund, dass in den kommenden Jahren eine große Pensionierungswelle ansteht: Denn auch in der Ärzteschaft verabschieden sich die Babyboomer in der Ruhestand.

          Das alles sind Faktoren, die die Arbeitsmarktchancen für angehende Mediziner in hellen Farben leuchten lassen. Nicht umsonst denkt die Politik über eine Reform des Medizinstudiums und darüber nach, wie man mehr jungen Ärzten den Dienst auf dem Land schmackhaft machen kann. Nicht zuletzt soll die Zahl der Studienplätze ausgeweitet werden.

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