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Frauen und Karriere : Managerinnen unter der gläsernen Decke

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Für Frauen ist es immer noch schwerer ganz oben auf der Karrieleiter anzukommen Bild: ddp

Es ist so, als ob eine unsichtbare Hürde zwischen den Frauen und den obersten Managementplätzen liegen würde: Zwar kommen die Damen relativ leicht in untere und mittlere Führungspositionen. Doch da ist dann häufig Schluß.

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          „Frauen müssen klug sein, hübsch, gesellschaftlich in jeder Form kompatibel und dann im Job noch so tun, als wären sie ein Mann“, sagt Nannette Schliebner, Studentin der Wirtschaftswissenschaften in Berlin. „Das überfordert eine Frau natürlich.

          Wenn es wirklich darum geht, professionell zu sein, dann muß man das Frausein überwinden. Paßt man sich nicht an, fällt man durchs Raster.“ - Einzelerfahrungen einer Berufseinsteigerin?

          Männliche Regeln

          Physikstudium in Aachen: „Ein Professor begrüßte uns Frauen im Hörsaal mit den Worten: Nach zwei Semestern werden Sie ja Ihren Doktor erreicht haben. Dann will ich Sie hier nicht mehr sehen“, sagt Katrin Suder und lacht. „Das gibt es heute zum Glück nicht mehr. Es hat sich schon sehr viel verändert.“

          Bild: F.A.Z.

          Es sind nicht mehr nur die Männer, die - ganz bildlich gesprochen - die Hosen anhaben. Suder, inzwischen promovierte Physikerin, ist selbst das beste Beispiel. Von den insgesamt 130 Partnern der Beraterfirma McKinsey in Deutschland ist die Vierunddreißigjährige eine von fünf Frauen.

          Doch die schillernde weibliche Präsenz in der Öffentlichkeit täuscht über die immer noch bestehenden Hürden und Unterschiede in der Arbeitswelt hinweg. Es sind wenige, die es bis an die Spitze schaffen. Der Berufsweg für ambitionierte Frauen ist nach wie vor schwer in einem Arbeitsmarkt, dessen Regeln männliche sind.

          „Politik für die Stärksten“

          Das wird gern übersehen, vor allem in den Führungsetagen. „Frauenförderung ist kein Thema mehr in den Unternehmen. Ganz nach dem Motto: Man sieht ja, daß Frauen da sind, also müssen wir nichts mehr tun“, sagt Hildegard Maria Nickel, Professorin für Soziologie der Arbeit und Geschlechterverhältnisse an der Humboldt-Universität zu Berlin.

          Man habe zwar erkannt, daß gemischte Teams gut arbeiten. Trotzdem beobachtet Nickel eine „De-Thematisierung“ der Frauenfrage. „Die Einforderung der Rahmenbedingungen wird an einzelne Frauen gebunden. Wenn die Frau in der richtigen Position und durchsetzungsfähig genug ist, dann mag das funktionieren. Doch diese Politik für die Stärksten reicht natürlich nicht aus.“

          Gläserne Decke zu obersten Führungspositionen

          Das belegen auch die Zahlen, die jegliche Gleichstellungsillusionen vom Tisch fegen. Laut einer Analyse der Hoppenstedt-Gruppe von 2004 arbeiten nur 10 Prozent Frauen in den 80.000 größten deutschen Unternehmen in Führungspositionen.

          Es ist so, als ob eine gläserne Decke zwischen den Frauen und den obersten Managementplätzen liegen würde: Zwar kommen die Damen relativ leicht in untere und mittlere Führungspositionen. Doch da ist dann häufig Schluß.

          „Bei Männern geht es um Kampf“

          Die Daten verweisen auf die Hürden, auf die Frauen in der Arbeitswelt treffen. Die Liste ist lang: von der Entscheidung für oder gegen Kinder bis hin zu handfesten Stereotypen. Eine schüchterne, passive Führungskraft könne man sich nun einmal schlecht vorstellen, stellt die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) von den Vereinten Nationen in einem Bericht zu Frauen in Managementpositionen fest. Statt dessen werde erfolgreiche Führung mit vermeintlich typisch männlichen Fähigkeiten verbunden: Entscheidungsfreude und dominantes Verhalten. Doch arbeiten Frauen tatsächlich anders?

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