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Fragen an Balthus : Was hat er, was sie nicht haben?

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Bild: dpa

Heranwachsende Mädchen waren ein Lieblingsthema der Maler der bürgerlichen Epoche. Warum gilt von allen Spezialisten für dieses Sujet ausgerechnet Balthus noch immer als ausstellungswürdig?

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          Im Mai 1958 kam das letzte große Metro-Goldwyn-Mayer-Musical in die Kinos: „Gigi“, basierend auf einem Roman von Colette. Regie führte Vincente Minelli, die Musik stammte von Frederick Loewe und André Previn, die Kostüme von Cecil Beaton. An der Kinokasse war „Gigi“ ein Riesenerfolg, 1959 räumte der Film neun Oscars ab, darunter für den besten Film, die beste Regie und – natürlich – die beste Musik. Der größte Hit ist ein Loblied auf das sexuelle Versprechen, das sich in kleinen Mädchen verkörpert: „Thank Heavens for Little Girls“. Gesungen wird es von Maurice Chevalier, der den alten Lebemann Honoré Lachaille spielt, den Erzähler des Filmes. Er sitzt, in einer von Auguste Renoir inspirierten Szenerie, auf einem Spielplatz im Bois du Boulogne und beobachtet Mädchen beim Ringelreihen und Fangenspielen. Daneben ihre Mütter, die ihn aber nicht interessieren. Ihn interessiert Gigi, gespielt von Leslie Caron.

          Caron war spezialisiert auf die Darstellung sehr junger Frauen oder Mädchen, die naiv oder als eine Art Wildfang von deutlich älteren Männern sexuell erweckt werden – wie man das in den Fünfzigern noch nannte. Für Gigi ist die damals Siebenundzwanzigjährige zurechtgemacht wie fünfzehn oder sechzehn: kindlicher Sonnenhut, mädchenhaftes Karokleid, Spangenschuhe, Pony, Zöpfe. Der Plot des Films besticht durch seinen fröhlichen Zynismus: Gigis Großmutter und Tante, selbst ehemalige Sex-Arbeiterinnen, wollen die fröhliche, unverbildete Gigi so herrichten, dass sie für den reichen Gaston sexuell attraktiv wird und er bereit ist, für sie zu zahlen.

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