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Fotowettbewerb : Vom Unendlichen zweier menschlicher Gesichter

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Kennt ihr den Mann? Hugo von Hofmannsthal, porträtiert von Eduard Wasow Bild: ÖNB

Als Hugo von Hofmannsthal 1927 in München als Redner auftrat, ließ er sich fotografieren. Ein Jahr später trat Stefan George mit ihm am gleichen Ort in bildpolitische Konkurrenz.

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          Es erstaunt, dass Hugo von Hofmannsthal bei seinem auf wenige Tage beschränkten Besuch in München Anfang des Jahres 1927 Zeit fand, zu einem Fotografen zu gehen, um sich porträtieren zu lassen. Die Umstände des Aufenthalts waren nicht dazu angetan, sich Ablenkungen zu gönnen. Hofmannsthal hatte auf Einladung des Rektors der Ludwig-Maximilians-Universität einen Vortrag gehalten, der unter dem Titel „Das Schrifttum als geistiger Raum der Nation“ in die Ideengeschichte der Weimarer Republik eingegangen ist.

          Die Kulturkrise der Gegenwart, so die Kernthese, könne nur durch eine Hinwendung zu gültigen Bindungen überwunden werden. Wie in Frankreich solle auch in Deutschland im politischen Leben der Nation nichts Wirklichkeit sein, „das nicht in ihrer Literatur als Geist vorhanden wäre“. Die Vorbereitung der Rede hatte Hofmannsthal fast krank gemacht, da er nicht sicher war, ob es ihm gelingen würde, dem Begriff der „konservativen Revolution“ eine eigene Prägung zu geben, ohne hinter die in der zeitgenössischen Philosophie entworfenen Konzepte kulturrevolutionärer Erneuerung, etwa von Nietzsche, zurückzufallen. Obwohl mehr als tausend Zuhörer seine Rede begeistert aufnahmen, zweifelte er daran, dass sein Entwurf zur Bildung einer Nation in diesem Sinne eine Wirkung haben würde.

          Dem Motiv für einen kleinen Ausflug ins Atelier eines Fotografen kommt man vielleicht näher, wenn man berücksichtigt, dass Hofmannsthal kurz zuvor über das von Marianne Weber verfasste „Lebensbild“ von Max Weber bemerkt hatte: „So hat auch das Buch etwas vom Unendlichen eines menschlichen Gesichts. Webers Bild ist dem Buch beigegeben. In diesem Gesicht ist er ganz.“ Das Porträt hatte der Heidelberger Fotograf Ernst Gottmann um 1919 aufgenommen. Es zeigt den fünfundfünfzigjährigen Soziologen ein Jahr vor seinem Tod mit strengem Gesichtsausdruck, am Betrachter vorbeiblickend, vielleicht in größter Ferne einen theoretischen Horizont fixierend, der nur von ihm und den Gipfeln seines gigantischen Werkes in den Blick genommen werden konnte. In Gottmanns Bild erkennt Hofmannsthal das Ganze von Webers Gestalt, die Spuren des Lebens in der Einheit seines Gesichts, schwer zu enträtseln, aber durch die Verbindung von Bild und Text letztlich lesbar.

          „Schöne Hieroglyphe des menschlichen Gesichts“

          Man muss Hofmannsthal keine Todesahnungen unterstellen, aber sein Besuch im Atelier lässt die Vermutung zu, dass er hier und jetzt, im Münchner Winter des Jahres 1927, als derjenige fotografiert werden wollte, der gerade sein geistespolitisches Vermächtnis vorgestellt hatte. Es scheint sein Wunsch gewesen zu sein, dem Text ein Bild hinzuzufügen, von dem sich später ebenfalls behaupten ließe, was er vom Porträt Max Webers gesagt hatte, nämlich darin „ganz“ da zu sein, so wie er in der Literatur nur jene Werke zu akzeptieren vermochte, „bei denen der ganze Mensch die Feder geführt hat“. Man mag diese an eine Porträtaufnahme gerichteten Ansprüche für eine metaphysische Überforderung des Mediums halten, sollte aber bedenken, dass Vorstellungen solcher Art in dem durch physiognomische Modelle geprägten zeitgenössischen Bildnisdiskurs nicht ungewöhnlich waren. Die ästhetische Dimension des menschlichen Gesichts sah der von Hofmannsthal geschätzte Georg Simmel darin, dass es aufgrund seiner Bildsamkeit „zum geometrischen Ort der inneren Persönlichkeit“ werde, „soweit sie anschaubar ist“.

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