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Fortschritt der Moderne : Die Digitalisierung gibt es nicht

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Er taucht immer wieder auf: Herman Cahn, Vordenker der technologischen Gesellschaft während des Kalten Kriegs. Bild: Imago

Die Debatte über Digitalisierung hängt in der Wiederholungsschleife. Die Zukunft schreibt die Gegenwart und diese die technokratischen Visionen des Kalten Krieges fort. Zeit für einen anderen Blick. Ein Gastbeitrag.

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          Debatten um die sogenannte „Digitalisierung“ sind vor allem durch die Möglichkeit des Vergessens gekennzeichnet. Nur weil sich niemand mehr erinnert, kann „Digitalisierung“ seit gut fünfzig Jahren in einer Wiederholungsschleife von Aufgeregtheiten um geringfügig variierte Motive laufen: Immer ist zu wenig Bandbreite da, und stets sind zu wenig Computer in den Schulen; KI wird alles ändern, und die Verwaltung muss digitaler werden; Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel, und Deutschland muss sich „fit“ machen; die Revolution findet bereits statt, und „wir“ (wer immer das sein mag) dürfen den Anschluss nicht verlieren. Solche Dringlichkeitsappelle und die aus ihnen abgeleiteten Forderungen und Maßnahmen werden dann regelmäßig vergessen, damit sie sich wiederholen können.

          Dies ist umso erstaunlicher, als sich in den letzten Jahrzehnten tatsächlich sehr vieles sehr rasch verändert hat. Oder anders gesagt: Jene „digitalen Kulturen“, deren baldige Ankunft seit den späten 1960er Jahren ununterbrochen verkündet oder gefordert wird, sind längst schon alltäglich geworden. Alle Versuche, sie besser zu verstehen und konkret zu beschreiben, verblassen jedoch vor dem Imperativ, sofort „Lösungen“ für eine drängende oder „revolutionäre“ Zukunft zu finden, die vollständig in die Gegenwart gerutscht zu sein scheint.

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