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Wissenschaftspodcasts : Forschung für Eilige

  • -Aktualisiert am

Die Astrophysik ist unter den Podcasts reich vertreten. Bild: Screenshot von der Seite Wissenschaftspodcasts

Nicht erst seit Christian Drosten boomen die Wissenschafts-Podcasts. Manche verstehen sich als Unterhaltung, andere als politisches Medium. Was bleibt hängen?

          4 Min.

          Wer wissen will, wie ein Atomkraftwerk, die Prädikatenlogik oder das Universum als solches funktioniert und wenig Zeit hat, kann ja mal in die „Nussschale“ reinhören. So heißt ein Podcast, in dem „teubi“, Doktorand auf dem Feld des maschinellen Lernens, in jeder Folge ein Thema aus Naturwissenschaft, Technik oder Informatik erklärt (www.nussschale-podcast.de). Das macht er in fünf bis zehn Minuten, in einer zeitlichen Nussschale eben. Angesichts der thematischen Komplexität und der Abwesenheit visueller Hilfsmittel gelingt es ihm meistens recht gut. Mit seinem akademischen Hintergrund ist „teubi“ der typische Wissenschaftspodcaster. Allerdings fassen sich die meisten seiner Kollegen nicht so kurz wie er. Podcast-Folgen, die stundenlang dauern, sind keine Seltenheit.

          Fast 120 Podcasts von „Angegraben“ über „Raumzeit“ bis „ZellKultur“ sind auf der Website wissenschaftspodcasts.de aufgelistet. Die Themengebiete – mal eng, mal weit gefasst – stammen mehrheitlich aus den Natur- und Technikwissenschaften, aber auch Fächer wie Archäologie, Geschichte, Psychologie oder Wirtschaft sind gut vertreten. Betrieben werden die Podcasts von Privatpersonen oder im Namen von Forschungseinrichtungen und wissenschaftlichen Gesellschaften. Hinzu kommen die Wissenspodcasts der Rundfunkanstalten, Print- und Online-Medien. Manche, wie „radioWissen“ oder „planet schule“ der ARD, sind eine gelungene Fortsetzung des ehrwürdigen Schulfunks mit den Mitteln der digitalen Moderne.

          Essayistische Vorlesungen und Warmlabertöne

          Im Gegensatz zum klassischen Radioprogramm können die Hörer Podcasts per Smartphone oder Notebook speichern und abspielen, wann und wie oft sie wollen und ihre Lieblingsproduktionen abonnieren. Zudem erlaubt das Format jedem, selbst zum Radioproduzenten zu werden. Der technische Aufwand ist gering, und private Podcaster müssen sich weder zeitlichen Begrenzungen noch redaktionellen Vorgaben beugen. Es hängt allein von ihrem Talent ab, ob sie mit ihren wissenschaftlichen Inhalten die Hörer bereichern und fesseln oder verwirren und langweilen. Stichproben zeigen, dass der Transfer am besten gelingt, wenn das Wissen in Form von vorstrukturierten Dialogen, essayistischen „Vorlesungen“ oder gut vorbereiteten Interviews vermittelt wird. Weniger überzeugend ist die in der Podcast-Szene beliebte Form des mäandernden Gesprächs unter befreundeten Experten. Der Versuch, eine lockere Plauderatmosphäre zu schaffen, bevor man zu den eigentlichen Wissenschaftsthemen kommt – „Warmlabern“ im Podcaster-Jargon –, geht häufig schief. Der Plausch über Katzen, Lieblingsfilme oder den prokrastinierten Hausputz, garniert mit Gelächter über die eigenen Scherze, wirkt oft wie eine unfreiwillige Parodie auf die forcierte Munterkeit von Frühstücksradioformaten. Hinzu kommt ein Hang zur Selbstbezüglichkeit durch immer wieder eingestreute Verweise auf frühere Folgen, mit denen außer den treuesten Abonnenten allerdings niemand etwas anfangen kann.

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