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Hochschulpakt : Folgt das Geld einem Plan?

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Die Prognose, dass auch die Milliarden des nächsten Hochschulpakts daran nichts ändern werden, drängt sich schon heute auf. Erstens wird sich der jährliche Anteil an Schulabsolventen mit Abitur aller Voraussicht nach weiter erhöhen, zweitens werden sich auch die Nebenwege zum Hochschulstudium ganz ohne Abitur weiter öffnen. Schließlich haben auch die bisherigen Hochschulpakte ihren Teil dazu beigetragen, dass die Nachfrage nach einem Hochschulabschluss gestiegen ist. Erstaunlicherweise wird trotzdem nie die Frage gestellt, ob die angebliche Lösung (also immer mehr Gelder für die Hochschulen) nicht Teil des Problems ist. Wer nur Studienplätze und Abschlüsse zählt, ohne nach der Qualität des Gelernten zu fragen, verkennt Mittel und Zweck. Das gilt nicht nur für die Diskussion über die Verstetigung des Hochschulpakts, sondern auch für die Exzellenzstrategie. Auch hier wird die Tatsache, dass es einen Wettbewerb gibt, bereits als Beweis für dessen Erfolg ausgegeben.

Milliarden für Marginalität

Es lohnt sich, dazu noch einmal in den Imboden-Bericht zur Evaluation der Exzellenzinitiative, wie die Exzellenzstrategie vormals hieß, zu blicken: Bibliometrische Befunde deuten laut dem Bericht von 2016 zwar auf einen Leistungszuwachs der Exzellenzuniversitäten bei internationalen Publikationen hin, doch dieser Befund bestätigt nur die Erwartung, dass „mehr Forschungsgelder auch mehr Publikationen bedeuten“. So wie mehr Studienplätze eben auch mehr Studenten und Abschlüsse bedeuten. Über die Qualität der zusätzlichen Publikationen, so der Imboden-Bericht spitz, sei damit noch gar nichts gesagt. Die in der Exzellenzinitiative erfolgreichen Universitäten hätten schon vorher einen überdurchschnittlichen Anteil der Spitzenpublikationen produziert – ein Trend, der sich durch die Gelder der Initiative „höchstens marginal“ verstärkt habe.

Milliarden also für Marginalität? Immerhin ein Ziel hat die Exzellenzinitiative laut Imboden-Bericht erreicht: eine stärkere Differenzierung der Universitäten. Damit habe man, frohlockt der Bericht, die „Alle sind gleich“-Illusion des deutschen Universitätssystems endlich „begraben“ können.

Das führt zurück zum Hochschulpakt. Während nämlich die Exzellenzinitiative der Totengräber der Gleichheitsillusion war, grub der Pakt sie immer wieder aus. Schließlich war er bei der Verteilung der Gelder vom Geist des föderalen Ausgleichs geprägt. An die laufenden Verhandlungen sollte man deshalb die Frage stellen, wie die beiden wichtigsten Programme des deutschen Hochschulsystems eigentlich miteinander harmonieren sollen. So klagte der Imboden-Bericht, dass das maßgebliche Kriterium für die Höhe der Grundfinanzierung der Hochschulen die Zahl der Studenten darstelle. Auch die Kapazitätsverordnung führe dazu, dass die Einrichtung jeder neuen Professur automatisch mit einer erhöhten Zuweisung von Studenten im entsprechenden Fachbereich einherginge. Dieses Konzept sei aber mit dem Ziel, wissenschaftliche Qualität durch stärkere Hierarchisierung zu fördern, unvereinbar.

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