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Gründerinnen : Gründerinnen vor

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Nicht für jede Geschäftsidee brauchen Gründer Millionen an Risikokapital. „Frauen gründen häufig in weniger kapitalintensiven Branchen als Männer“, erklärt Professorin Birkner. Kreditbeträge unter 20.000 Euro sind für viele Hausbanken allerdings nicht wirtschaftlich, weshalb sie diese sogenannten Mikrokredite oftmals nicht einmal im Programm haben. Hier setzt der Berliner Verein Goldrausch an. Er vergibt seit acht Jahren Mikrokredite an Frauen, die ein Unternehmen gründen wollen. Um das zinsgünstige Darlehen zu bekommen, müssen Bewerberinnen neben einer guten Geschäftsidee auch eine Referenzperson angeben, die für die Hälfte der Kreditsumme bürgt, und einen Kapitalbedarfsplan aufstellen. Die Gründerinnen müssen außerdem aus Berlin stammen.

Vergleichbare Angebote aus anderen Bundesländern gibt es bislang nicht. Gründerinnen können aber – wie Gründer auch – Mikrokredite von staatlichen Geldinstituten wie beispielsweise der NRW-Bank oder der Investitionsbank Schleswig-Holstein bekommen. Die NRW-Bank fördert erfolgversprechende Gründungsvorhaben mit zinsgünstigen Darlehen zwischen 5.000 und 25.000 Euro.

Damit ein Unternehmen erfolgreich ist, brauchen Gründer mehr als nur genügend Startkapital. Mindestens genauso wichtig sind Berater, die ihre Erfahrungen teilen – und sich im Idealfall in einer ähnlichen Situation befinden wie sie selbst. Seit 2007 richtet sich das Mentoringprogramm „Push up“ der Berliner Gründerinnenzentrale an Existenzgründerinnen und Frauen in der Phase vor der Gründung. Ein halbes Jahr lang begleiten erfolgreiche Gründerinnen ihre Mentees auf dem Weg in die Selbständigkeit. Bewerben kann sich jede Berliner Frau, die den Schritt in die Selbständigkeit wagen will oder die in den vergangenen zwei Jahren gegründet hat.

In Nordrhein-Westfalen bieten die Unternehmensberaterinnen Alexandra Busch und Christiane Rasper zusammen mit weiteren Unternehmerinnen das Mentoringprogramm „Von Expertinnen lernen“ an. Über einen Zeitraum von sechs bis neun Monaten können bis zu sechs Mentees an dem Mentoring teilnehmen.

Bundesweit ist die Käte-Ahlmann-Stiftung in diesem Bereich aktiv. Schon seit dem Jahr 2004 bietet die gemeinnützige Stiftung das Mentoringprogramm TWIN an. Erfolgreiche Unternehmerinnen geben dort ihr Wissen an Gründerinnen weiter, die mindestens seit einem Jahr selbständig sind. Dabei arbeitet die Käte-Ahlmann-Stiftung sehr eng mit dem Verband deutscher Unternehmerinnen (VdU) zusammen. Das Mentoringprogramm läuft ein Jahr. In dieser Zeit finden mindestens vier persönliche Gespräche zwischen Mentorin und Mentee statt.

Frauen netzwerken anders

Aufträge, Strategietipps, Kooperationspartner, Geldgeber – wer nicht jemanden kennt, der jemanden kennt, hat wenig Chancen, sein Start-up überhaupt zum Laufen zu bringen. „Ohne ein weitgreifendes Netzwerk geht in der Start-up-Szene so gut wie gar nichts“, sagt Weiberwirtschafts-Geschäftsführerin von der Bey. Das gilt für Frauen und Männer gleichermaßen. Allerdings netzwerken Gründerinnen anders als Gründer. „Aufgrund ihrer unterschiedlichen Voraussetzungen bei der Unternehmensgründung haben sie ganz andere Fragen und Bedürfnisse“, sagt von der Bey.

Deutschlandweit gibt es daher unzählige Zusammenschlüsse und Treffen von und für Frauen, die selbständig tätig sind. Die Weiberwirtschaft etwa bietet in Berlin regelmäßig Networking-Veranstaltungen für Gründerinnen aller Branchen an. „Es ist wichtig, dass erfolgreiche Gründerinnen präsent und sichtbar sind, damit schon junge Frauen sagen: ‚Wow, die hat es geschafft, dann kann ich das auch‘“, sagt von der Bey. Für sie ist das der erste Schritt auf dem Weg zu mehr Frauenpower in der deutschen Gründerlandschaft.

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