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Fachliteratur : Selektives Lesen bringt den Erfolg

  • -Aktualisiert am

Der Bücherberg ruft Bild: F.A.Z. - Foto Michael Löwa

Nicht die Flut an Managementliteratur ist kontraproduktiv, der falsche Umgang damit ist es. Selektive Leser durchforsten den üppig wuchernden Garten der Managementliteratur am erfolgreichsten.

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          Wissen auf der Höhe der Zeit ist eine wesentliche Voraussetzung für sicheres, erfolgreiches berufliches Handeln. Und nach wie vor spielt das Buch bei der persönlichen Wissenspflege eine zentrale Rolle, sagt Werner Bayer, Vorstand des HelfRecht-Unternehmerzentrums im bayerischen Bad Alexandersbad. Was für ihn allerdings nicht heißt, daß bei Führungskräften - gestandenen wie aufstrebenden - stets das neueste Managementbuch auf dem Nachttisch liegen muß.

          Ähnlich sieht es Karl-Heinz Brodbeck, der an der Hochschule für Politik in München und an der Fachhochschule Würzburg Volkswirtschaftslehre, Statistik und Kreativitätstechniken lehrt: „Wenn man den Eindruck hat, daß ein Autor eine Hilfe anbietet, die eigenen Denk- und Entscheidungsprozesse zu optimieren, dann ist ein Buch, ob alt oder neu, immer eine Hilfe. Will jemand nur Botschaften verkaufen und zu einem neuen Managementglauben bekehren, so rate ich dringend ab“, sagt der Professor.

          Horizonterweiterung

          Wie also umgehen mit der flutenden Fülle der Managementliteratur? Der Erfolgstip heißt „gezieltes Lesen“. Erst und ausschließlich dann, so ist Werner Bayer überzeugt, „sorgt ein Buch wirklich für Anregung und Horizonterweiterung“. Das ist auch für Tillie Donner, Managerin Mechanical Design bei der Schweizer Ypsomed AG, das Erfolgskonzept. Die Ingenieurin unterteilt die Managementliteratur in drei Kategorien: erstens in operatives Wissen, also Fach- und Methodenwissen zur effizienten Organisation des Tagesgeschäfts und zur persönlichen Weiterbildung.

          Zweitens strategisches Wissen: Branchen-, Wettbewerbs-, Wirtschaftsentwicklung als Hintergrundwissen zur Bewertung und Integration des eigenen Beitrags in mittel- und langfristige Unternehmensziele im globalen Zusammenhang. Und drittens Thesen, Theorien, Trends: 3T-Wissen für visionäre und innovative Anregungen. „Alle drei Wissensbereiche spielen - abhängig von der individuellen Persönlichkeit, der Position im Unternehmen und der Unternehmenssituation - eine unterschiedlich gewichtige Rolle“, sagt Tillie Donner.

          Bayer konkretisiert: Um aus der Lektüre wirklich Nutzen zu ziehen und von ihr alltagstauglich zu profitieren, müsse man wissen, wo es im eigenen Unternehmen beziehungsweise im eigenen Verantwortungsbereich hapert, und vor allem auch, wohin die Entwicklung gehen sollte oder könnte. Einschließlich der ganz persönlichen. Erst aus dieser Perspektive könne Managementliteratur wirklich dazu beitragen, den besseren, einen alternativen und eben auch den passenden eigenen Weg zu finden und konsequent zu verfolgen. Für grundfalsch hält Bayer es daher, „alles zu verschlingen, was die einschlägigen Bestsellerlisten so anpreisen“.

          Wegweiser

          Das Geheimnis tatsächlichen Lesenutzens besteht für ihn definitiv darin, „mit den richtigen Fragen im Kopf nach dem passenden Buch zu suchen. Wenn man seinen Verantwortungsbereich und seine persönlichen Entwicklungsvorstellungen so analysiert hat und diese Analyse auch zu Papier gebracht hat, weiß man genau, wo Stärken und Schwächen liegen und wo Know-how, Anregungen oder Impulse von außen hilfreich sein können. Dies ist für mich der optimale Wegweiser durch den üppig wuchernden Garten der Managementliteratur.“

          Tillie Donner verweist noch auf einen anderen Aspekt. In unserer Gesellschaft bestehe die Neigung, die Wißbegierde auf persönliche Ziele und Verantwortungsbereiche zu beschränken. Sie postuliert demgegenüber ein verantwortliches Denken und Handeln in größeren Zusammenhängen über den eigenen Tellerrand hinaus. Dies erfordere auch für diejenigen die Lektüre strategischer Literatur, deren Tätigkeit vermeintlich ausschließlich operativer Natur sei.

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