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Fachkräftemangel : Streit über die Ingenieurlücke

  • -Aktualisiert am

Gibt es doch keine Probleme, Ingenieursnachwuchs zu finden? Bild: dpa

Die einen sollen übertreiben, die anderen verharmlosen. Die Forschungsinstitute der deutschen Wirtschaft werfen sich gegenseitig Kampagnen und methodische Fehler bei der Analyse des Fachkräftemangels vor.

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          In der Debatte über eine drohende Ingenieurlücke ist der Streit der Forschungsinstitute eskaliert. Zunächst legte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin eine Studie vor, wonach es den häufig beklagten Ingenieurmangel gar nicht gebe und in den kommenden Jahren auch nicht geben werde. Zudem warf Studienautor Karl Brenke etwa dem Verein Deutscher Ingenieure (VDI) und dem Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) vor, entsprechende Ängste durch Kampagnen zu schüren.

          Sven Astheimer
          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Die Beschuldigten wiederum machten in Brenkes Berechnungen schwere methodische Fehler aus. „Unsere Zahlen sind korrekt und basieren auf einer wissenschaftlichen Basis“, sagte VDI-Sprecher Marco Dadomo dieser Zeitung. Brenkes Darstellung halte er für gefährlich, weil sie ein Problem verharmloste. Laut VDI stieg die Zahl der offenen Ingenieurstellen im Februar um mehr als 7 Prozent und nahm erstmals die Marke von 100 000. Rund 87 000 Posten konnten nicht besetzt werden.

          DIW: Ansturm auf Studienplätze lässt Überangebot erwarten

          Brenke hatte bei der Vorstellung seiner Studie darauf hingewiesen, dass zwar das Durchschnittsalter der Ingenieure in den vergangenen zehn Jahren etwas gestiegen sei. Nach den Zahlen des Mikrozensus seien die Ingenieure im Jahr 2008 mit 43,3 Jahren aber immer noch jünger gewesen als andere Akademiker mit 43,6 Jahren. Auch nach aktuelleren Zahlen zu den sozialversicherungspflichtig beschäftigten Ingenieuren ist der Studie nach keineswegs die Hälfte älter als 50 Jahre.

          „Der gegenwärtige Run auf ingenieurwissenschaftliche Studienplätze lässt eher ein Überangebot an solchen Fachkräften erwarten“, sagte Brenke. Er hält einen künftigen jährlichen Ersatzbedarf von 40 000 Ingenieuren, wie ihn der VDI berechnet, für unrealistisch. „Dann müssten alle erwerbstätigen Ingenieure, die heute 50 Jahre und älter sind, innerhalb von fünfeinhalb Jahren in den Ruhestand wechseln.“

          20 000 Ingenieure seien die „absolute Obergrenze“. Zudem hätten 2010 mehr als 50 000 Studenten ihre Abschlussprüfungen in einem industrienahen Ingenieurstudiengang bestanden. „Allein die Absolventen, die gegenwärtig aus den Unis kommen, können den Gesamtbedarf an Ingenieuren decken.“ Für junge Ingenieure könne es auf dem Arbeitsmarkt sogar schwierig werden, wenn es eine Absolventenschwemme gebe.

          Nicht alle Studenten werden klassische Ingenieure, sagt der VDI

          Seine Kritiker werfen Brenke vor allem vor, einen Großteil der Ingenieure in seinen Berechnungen auszublenden, wenn er nur die knapp 580 000 sozialversichert Beschäftigten aus der Statistik der Bundesagentur für Arbeit als Maßstab nimmt. Der VDI geht in seinen Berechnungen dagegen von 1,6 Millionen aus. Brenke ignoriere den Unterschied zwischen ausgeübtem Beruf und Bildungsabschluss, heißt es. In der Tat übt laut Arbeitsagentur knapp jeder zweite Ingenieur eine Tätigkeit aus, die von dieser Statistik nicht erfasst wird, für deren Ausübung eine Ingenieurausbildung jedoch erforderlich ist.

          Dadomo nannte als Beispiele Dienstleistungsunternehmen wie den TÜV, Versicherungen oder Patentingenieure. Auch Professoren seien ebenso wenig in der Statistik erfasst wie Selbstständige oder Ingenieure, die ins Management aufrücken. Was die Nachwuchssituation angeht, widerspricht die Arbeitsagentur Brenkes These. Die zuletzt gestiegenen Absolventenzahlen könnten das vorangegangene Defizit nicht ausgleichen, heißt es in einer Fachpublikation.

          Bewerberrelation und Besetzungsdauer deuten auf einen Mangel hin

          “Wir haben in Deutschland keinen generellen Fachkräftemangel, aber für einige Ingenieurberufe gibt es bundesweite Engpässe“, sagte Raimund Becker, Vorstandsmitglied der Bundesagentur, dieser Zeitung. Als Indikator gilt etwa, wenn auf eine offene Stelle weniger als drei potentielle Bewerber kommen. Laut Becker betrage die Relation in einigen industriell geprägten Regionen Süddeutschlands nicht einmal mehr eins zu eins.

          Ein anderes Kriterium ist die Besetzungsdauer für eine offene Stelle. Für einen Maschinenbauer dauert die Suche demnach im Durchschnitt knapp 120 Tage und damit 55 Tage länger als allgemein für eine Fachkraft. Für Elektro- und Wirtschaftsingenieure sind es ebenfalls mehr als 100 Tage.

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