https://www.faz.net/-gyl-7udbe

Fachkräftemanagel : Je oller, je doller - je wertvoller?

Lebensphasenorientierung ist ein monströses Wort, das letztlich nur den neuen Trend zusammenfasst. Waren die Arbeitsmodelle früher vorgegeben mit Schule, Ausbildung, Job und Familie, so gibt es heute immer weniger Blaupausen. Menschen nehmen für ihre Kinder Auszeiten, aber auch für ihre Eltern, für die Erfüllung lang erträumter Reisen oder für die Ausübung eines Ehrenamtes.

Bremsen Kinder die Karriere ?

Der demographische Wandel wird längst in vielen Unternehmen und in der Politik diskutiert, die richtigen Schlüsse daraus werden aber längst nicht überall gezogen. Schon gar nicht beim Thema Frauen und Familie. „Alle zwei Jahre ein Karriereschritt“, sagt eine ehemalige Führungskraft einer Bank irgendwo in Deutschland, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, deren Werdegang aber eben so typisch ist.

Die Karriereleiter habe sie geplant erklommen, immer weiter nach oben. Dann kam das erste Kind, und es war Schluss mit der Karriere. Sie könne sich gar nicht beschweren, sagt die heute Endvierzigerin, die dann später noch ein zweites Kind bekam. Sie sei zurückgekehrt auf eine Stelle, die ihr Spaß machte, die sie ausfüllte und herausforderte.

Netzwerken gegen Feierabend

Es gebe Programme, Hilfen, verständnisvolle Chefs und Kollegen, sinnvolle Arbeiten und Home-Office. Aber Karriere? Die sei vorbei, sagt die Frau, nicht in Teilzeit. Nicht, weil man es ihr offiziell nicht zutrauen würde. Eher deswegen, weil Faktoren Karrieren beeinflussen, die nicht gesetzlich geregelt werden können.

Wenn Chefs gegen Feierabend über Flure wandeln, sind sie redseliger als tagsüber im Meeting, sagen Teilzeitmütter, die davon nichts mehr mitbekommen, weil sie längst Schulaufgaben beaufsichtigen oder blutige Knie verarzten. Auch Netzwerken muss heute anders möglich sein. Deshalb ist ein Wandel nötig, auf allen Ebenen.#

Kulturwandel braucht Zeit

„Der angestrebte Kulturwandel braucht Zeit“, sagt Antje Leist von Beruf-und-Familie. Aber wenn familiäre Anliegen, die den Arbeitsplatz betreffen, offen angesprochen würden und die Führungskraft lösungsorientiert in den Dialog gehe, dann sei das ein wichtiger Grundstein für diese Veränderung in den Unternehmen.

Kulturwandel ist eines dieser Modeworte, das man aus vielen Unternehmen kennt. Gerade Banken propagieren ihn nach der großen Finanzkrise. Dabei würde der Kulturwandel einer Nummer kleiner schon helfen. Zum Beispiel der Wandel der Meeting-Kultur.

Kein Ziel, kein Meeting

„Kommunikation muss nicht immer nur in Sitzungen stattfinden“, sagt Bettina Hüfner, die als Coach Führungskräfte, vor allem in der Bankenszene, begleitet. „Onsite, offsite, Jour-fixe, One on Ones - die Kalender von Führungskräften sind voll mit diesen Schlagwörtern und Meeting-Terminen, die nicht immer sinnvoll sind und Zeit kosten.“

Es wäre sinnvoll, sich als Erstes die Frage zu stellen: Was ist das Ziel des Meetings? So profan das klingen mag, viele Treffen würden nicht stattfinden, würde diese Frage gestellt werden. Die Konsequenz wäre schlicht: „Kein Ziel, kein Meeting.“ Viele Sitzungen würden gar nicht erst angesetzt.

Lange war die Neuordnung von Arbeitswelten in Unternehmen ein Prestigeprojekt, mit dem sich Unternehmen von der Konkurrenz abheben konnten - wenn sie wollten. Längst ist dieses Thema eine Notwendigkeit geworden, mit der sich alle Unternehmen befassen müssen, wenn sie nicht im Gestern stehenbleiben wollen.

Weitere Themen

Topmeldungen

5:0 gegen Schalke : Die Bayern blasen zur Jagd auf Leipzig

Die Münchner erteilen Schalke eine Lehrstunde und kommen Spitzenreiter Leipzig, der sein Spiel in Frankfurt verliert, nah. Die Bayern indes siegen imposant – auch weil der Torwart der Königsblauen zwei Mal patzt.
Demonstranten in Leipzig

Sechs Polizisten verletzt : Wieder Krawall in Leipzig

Etwa 1300 Menschen demonstrieren in Leipzig gegen das Verbot einer linksextremen Online-Plattform. Zunächst bleibt der Protest friedlich, dann fliegen Steine. Die Polizei kesselt die Demonstranten ein, sechs Beamte werden verletzt.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.