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Fachkräftemanagel : Je oller, je doller - je wertvoller?

50 Jahre sind eine Zäsur

Bei BMW hat der Blick zu den über 50-Jährigen vor allem auch eine ganz praktische Komponente. „Wenn wir, wie 2005 in Leipzig, ein komplett neues Werk eröffnen, dann wäre es falsch, es nur mit jungen Mitarbeitern aufzubauen“, sagt Frey. „Die gehen ja irgendwann alle gleichzeitig in den Ruhestand, und es fehlt die jahrelange Erfahrung, die keine neue Einstellungswelle ausgleichen kann.“

Fünfzig Jahre - das ist für viele Menschen ein wichtiger Meilenstein. „Gerade bei Arbeitnehmern um die 50 ist viel Bewegung“, sagt Antje Leist, Geschäftsführerin von „Beruf-und-Familie“, einer Initiative, die aus der Hertie-Stiftung hervorgegangen ist. Hier werden Unternehmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie beraten und Gütesiegel vergeben.

Balance von Familie und Beruf

Statistiken belegen das. Die Zahl der Ehen, die nach 15 oder mehr Jahren geschieden werden, steigt. Männer genauso wie Frauen sehen dann immer öfter die Möglichkeit für einen Wendepunkt in ihrem Leben.

Viele Frauen wollen nach intensiven Familienphasen doch wieder in den Beruf zurück, vielleicht auch in einen neuen. Die Tatsache, dass Männer, obwohl sie längst erwachsene Kinder haben, nach Scheidungen noch mal Familien gründen, läutet für viele ganz neue Familienphasen ein.

Zeitabschnitte, die sie bei ihren ersten Familien der Karriere wegen nicht hatten - oder wollten. In diesen neuen Lebensplanungen entstehen auch ganz neue Arbeitsmodelle.

Neue Chancen für Arbeitgeber 

Für die Unternehmen bedeutet das eine große Herausforderung, ihre Arbeitswelten anzupassen. Es ist aber auch eine große Chance, zum attraktiven Arbeitgeber zu werden.

Manchmal stecken ältere Arbeitnehmer aber auch fest. Sie sind eingekeilt in den Strukturen und frustriert von den immer gleichen Versuchen, Dinge neu oder anders zu machen. „In dieser Altersgruppe müssen Menschen manchmal aus der inneren Kündigung geholt werden“, sagt Ursula Priester. Sie berät zum einen Unternehmen darin, flexibler zu werden, hat andererseits aber auch diese Gruppe 50 plus im Blick und zeigt ihnen über die Plattform „Grey Source“ neue Arbeits- oder Karrierewege auf. „Eine Schnittstelle sind die Chefs“, sagt Priester.

Mittlere Führungsriege entscheidend

Nicht die oberste, sondern die mittlere Chef-Riege sei dabei entscheidend. Schwache Führungskräfte bedeuteten schwache Mitarbeiter, kann Priester aus ihrer langjährigen Personalerfahrung in verschiedenen Unternehmen berichten. Wer ein Unternehmen verlässt, tut das oft wegen der Führungskraft, nicht weil ihm das Unternehmen an sich nicht mehr gefällt.

Deshalb haben Führungskräftetrainings bei BMW auch eine hohe Priorität, wie Jochen Frey ausführt. Führungskräfte müssen verinnerlichen und zugleich vermitteln, dass Wertschätzung nicht eine Frage des Alters ist, sondern der Leistung und Kompetenz.

Die Lebensphasen zählen

Das alles stellt auch die Personalabteilungen vor große Herausforderungen. „Wir arbeiten an der Verankerung der Lebensphasenorientierung“, sagt Stephan Heyne etwas gestelzt. Er ist Abteilungsdirektor bei der KfW-Bank und verantwortlich für das Thema Führung, Gleichstellung und Qualifizierung.

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