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Kolumne „Expat“ : Sonderangebote satt

Tütenpacker gibt’s nur noch selten: Meistens müssen die Kassiererinnen alles alleine machen. Bild: AFP

Früher waren Expats begeistert von der Einkaufskultur in den Vereinigten Staaten: Service und Freundlichkeit waren dort das A und O, ganz anders als im grummeligen Deutschland. Doch das ist längst Vergangenheit.

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          Das Einkaufen in den Vereinigten Staaten ist ein gespaltenes Vergnügen. Auf der einen Seite kann der Kunde sich der Sonderangebote nicht erwehren. „Buy two, get one free“, Kaufe zwei, bekomme eines kostenlos, ist die beliebteste Form der Rabatte, die nicht nur in Supermärkten beim Kauf von Steaks, Cornflakes oder Erdnussbutter, sondern selbst in gehobenen Modegeschäften beim Kauf von Krawatten oder Anzügen gilt. Die Schnäppchenjagd gehört für Amerikaner zum gelungenen Einkaufserlebnis dazu, und die Autos sind wahrscheinlich nur deshalb so riesig, um die rabattmäßig aufgeblähten Großeinkäufe transportieren zu können. Notgedrungen muss der Kunde sich auch wie ein König fühlen, wenn er in besseren Geschäften den vielfältigen Ansprachen durch die Verkäufer kaum entfliehen kann.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Auf der anderen Seite lässt die Qualität des Service in vielen Geschäften und gerade in Supermärkten deutlich zu wünschen übrig. In den langgezogenen Gängen zwischen den Regalen einen Verkäufer zu finden gleicht der Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen. Eigentlich lohnt es sich ohnehin nicht. Die Verkäufer sind bei Fragen nach dem Standort eines bestimmten Produkts meist überfragt und wollen den Kunden schnell loswerden. Manche Supermärkte gehen in der Rationalisierung so weit, selbst das Kassieren den Kunden anzulasten, um Personal zu sparen: Der Kunde scannt die Waren selbst ein und legt diese dann auf eine große Waage, die anhand des Gewichts prüft, ob alle Einkäufe erfasst wurden. Eine Kassiererin kann vier Zahlstellen überwachen und bei Problemen helfen - wenn sie anwesend ist.

          Irgendwann setzt der Gewöhnungseffekt ein

          Wehmütig erinnert sich der Korrespondent an die frühen neunziger Jahre, als er erstmals in die Vereinigten Staaten reiste und eine Einkaufskultur kennenlernte, die es in Deutschland damals so nicht gab. An den Kassen standen freundliche Jungen, die die Waren in große Papiertüten packten und sie auf Wunsch und mit einem kleinen Trinkgeld bereitwillig zum Auto trugen oder darauf aufpassten, bis der Kunde zum Einladen vorfuhr.

          Heute gibt es solchen Service nur noch selten. Weil nun die Kassiererin die Waren einpacken muss, dauert das Bezahlen doppelt so lang. Von der Höflichkeit des Personals ist nicht mehr viel geblieben. Oft sind die Gesichter der Kundenbetreuer fast länger und missmutiger, als man es aus Deutschland gewöhnt ist. Das lockere „Hi, wie geht es Ihnen?“ geht den amerikanischen Verkäufern und Kassierern nur noch schwer über die Lippen.

          Tatsächlich drängt sich bei Besuchen in Deutschland der Eindruck auf, dass der Einzelhandel in Service und Freundlichkeit gegenüber den Vereinigten Staaten deutlich aufgeholt hat. Aber vielleicht liegt das nur daran, dass man sich an den Verfall der Einkaufskultur auch gewöhnen kann.

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