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Kolumne „Expat“ : Kaffeepause in Addis Abeba

Der Kaffee kommt aus Äthiopien, die Kaffee-Kette Kaldi's ebenfalls. Dass letztere daherkommt wie ein Abklatsch von Starbucks stört die Äthiopier dabei wenig Bild: AP

Der Sage nach ist der Kaffee in Äthiopien entdeckt worden. Jahrhunderte später hat sich dort die Starbucks-Kultur breitgemacht - jedoch nicht die echte: Die Kette „Kaldi's Coffee“ sieht dem amerikanischen Vorbild zum Verwechseln ähnlich.

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          Wenn es um Kaffee geht, lassen sich Äthiopier eigentlich nichts von Ausländern vormachen. Schließlich ist der Kaffee einer Sage nach in ihrem Land entdeckt worden. Ein Hirtenjunge namens Kaldi soll es gewesen sein, der sich über das ungewöhnliche Gebaren seiner Ziegen wunderte, nachdem sie rote Bohnen gefressen hatten. Als er die Früchte einem weisen Mann zur Inspektion brachte, warf dieser sie voller Verachtung ins Feuer. Doch die Bohnen verströmten einen so betörenden Duft, dass die beiden sie sich noch einmal ansahen und in heißem Wasser auflösten: Der beliebteste Wachmacher der Welt war gefunden, zugleich das Nationalgetränk Äthiopiens. Nicht zufällig gehören endlos lange Kaffeezeremonien sowohl in den Städten als auch auf dem Lande zum Alltagsleben.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Viele Jahrhunderte später jedoch hat sich auch in Äthiopien die Starbucks-Kaffeehauskultur breitgemacht, wenn auch nicht die echte. Die Café-Kette „Kaldi's Coffee“ - in der Hauptstadt Addis Abeba nicht nur unter Expats der große Renner - sieht dem amerikanischen Vorbild zum Verwechseln ähnlich: Logo, Stühle, die Glastheke und die Schürzen der Kellner, alles nahezu eins zu eins kopiert. Selbst die an die Wand gepinselten Sprüche hat die Gründerin Tseday Asrat, die mit einem oft in die Vereinigten Staaten fliegenden Piloten verheiratet ist, übernommen. Allerdings heißt der Frappuccino hier Frapoocino. Ein „Tall Cappuccino“ kostet mit 14,17 Birr, umgerechnet 63 Euro-Cent, nur einen Bruchteil des Äquivalents bei Starbucks. Und der Kaffee schmeckt, wie soll es in einem der wichtigsten Herkunftsländer anders sein, natürlich besser.

          Ob geniales Double oder billiger Abklatsch - das „Kaldi's Coffee“-Konzept scheint aufzugehen. Tseday Asrat ist zu einer Vorzeigeunternehmerin geworden. Mehr als zehn Filialen hat sie bis jetzt in Addis eröffnet. An ihren kleinen runden Tischen sitzen blonde Expat-Gattinnen ebenso wie arabische Scheichs und Geschäftsleute mit Laptops. In Reiseführern werden die Cafés als heißer Tipp bezeichnet. In Seattle, wo Starbucks zu Hause ist, sieht man den Erfolg vermutlich mit gemischten Gefühlen. Doch der Äthiopierin ist das einerlei. „Was heißt hier stehlen?“, wetterte sie in einem Radiointerview. „Man darf nicht vergessen, dass die Amerikaner zuerst unseren Kaffee gestohlen haben.“

          Und sollte Starbucks wider Erwarten doch einmal eine Filiale in Äthiopien eröffnen, steht aus Sicht von Tseday Asrat ohnehin schon fest, wer das Kaffeeduell in der Heimat von Kaldi und seinen Ziegen gewinnen wird.

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