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Kolumne „Expat“ : Fernbeziehung verschärft

„Fly-in, fly-out“: Mine im Westen Australiens Bild: REUTERS

Wer in Australien das dicke Geld macht, arbeitet „Fifo“: „Fly-in, fly-out“. Das Kürzel steht für Schichtarbeit, die man nur per Flugzeug erreicht und für hohe Löhne. Aber auch für programmierten Familienkrach.

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          Josh Talbot hatte die Schnauze voll. Über Jahre musste er nach neun Tagen Schuften in der Mine Okay Creek von Xstrata gut acht Stunden nach Hause fahren. Am Ende der Freischicht von fünf Tagen ging es dann einen ganzen Tag wieder zurück, bis er das abgelegene Bergwerk im Nordosten Australiens wieder erreichte. Das Geld stimmte zwar, aber die Familie war unglücklich. Also schmiss Talbot seinen Job und wechselte als Schweißer in eine Werft in Adelaide.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          So wie dem 31 Jahre alten Talbot geht es manchem in Australien. „Viele, die bei uns arbeiten, sind gekommen, weil sie die langen Schichten nicht mehr machen wollen - Geld hin oder her“, sagt Jack Dundey. Er arbeitet in der Tarong Kohlemine, ein paar Autostunden nördlich von Brisbane. Hier leben die Arbeiter mit ihren Familien in den Bauerndörfern im Umland. Der Verdienst ist deutlich geringer als in den riesigen Rohstoffprojekten im abgelegenen Nordwesten des Landes oder vor der Küste. Die Lebensqualität ist aber höher.

          Wer das dicke Geld macht, arbeitet „Fifo“. Es ist das Kürzel des Kürzels „fly-in, fly-out“ und steht für Schichtarbeit, die man nur per Flugzeug erreicht, für hohe Löhne aber auch programmierten Familienkrach. „Fast jeder in den entlegenen Minen hat eine Scheidung hinter sich“, sagt Peter Wood, der seit gut zehn Jahren im Erzhafen Port Hedland arbeitet, ganz im Norden der Pilbara, dem wilden Rohstoffgebiet Australiens. Auf neun Tage Arbeit folgt ein mehrstündiger Flug in die Freischicht in der Bergbaumetropole Perth, den der Arbeitgeber zahlt.

          Dort trifft er dann auf die Familie, die sich alleine durchgeschlagen hat. Kein Wunder, dass es Frauen sind, die Familienschwierigkeiten beim Namen nennen: In ihrem „Überlebenshandbuch für Bergleute-Familien“ gibt Alicia Ranford Tipps, wie sich das, was Wochenendbeziehung unter verschärften Bedingungen ist, aushalten lässt. Ranford ist gelernte Krankenschwester, hat zwei Kinder, einen Mann, der „Fifo“ arbeitet, und ist in zehn Jahren sechsmal umgezogen, meist in entlegene Bergbaudörfer Australiens. Gefördert wird ihre Fifo-Initiative von Konzernen wie Caltex und der Landesregierung von Westaustralien. „Bei diesem Lebensstil werden viele Partnerinnen superunabhängig, weil ihr Mann nicht immer verfügbar ist und beim Tagtäglichen nicht eingreifen kann“, beschreibt sie die Vorteile für die Frauen. „Aber das ist eine Falle - denn welcher Mann will nicht auch mal gebraucht werden?“ Sie hält eine Fülle von Tipps bereit, um Nähe trotz der ständig wechselnden Verhältnisse zu erzeugen. Alles praxisnah und ohne Umschweife beschrieben, wie die Australier eben so sind. Vielleicht sollten deutsche Wochenendbeziehungs-Leidende bei Ranford in die Lehre gehen?

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