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Expat : Rasen in Frankreich

Rasen auf den Champs-Elysées? Noch ist das mit ausländischem Kennzeichen möglich Bild: dpa

Manche Franzosen leihen sich Autos im nahen Ausland, um dann in Frankreich unbekümmert aufs Gas zu treten. Dieses Kalkül könnte bald nicht mehr aufgehen.

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          Yossef, 27 Jahre alt, glaubte ein Schlupfloch in der Straßenverkehrsordnung gefunden zu haben, das groß genug für seinen Fahrstil sei. Mit einem in Luxemburg angemeldeten Cabriolet raste er jahrelang fröhlich über Autobahnen und Landstraßen in Frankreich, meistens im Südosten von Paris. Dass er seit dem Jahr 2006 genau 484 Mal geblitzt wurde, störte ihn kaum. In Frankreich landen die Knöllchen für Fahrer mit ausländischen Kennzeichen schließlich meistens im Papierkorb, denn das Auffinden der Bußgeldpflichtigen gilt als zu aufwendig und bei geringen Strafen als zu teuer. Doch Yossefs Fahrzeug war der Polizei so oft aufgefallen, dass eine Gruppe von vier Beamten so lange recherchierte, bis sie den Mann tatsächlich fanden. Kürzlich musste er sich in einem Pariser Vorort vor Gericht verantworten.

          Christian Schubert
          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Frankreich - ein Paradies für ausländische Raser? Nicht ganz, denn wer an Ort und Stelle erwischt wird, muss mit einem saftigen Bußgeld rechnen, das sofort zu bezahlen ist. Vor ein französisches Gericht zitiert zu werden ist auch möglich. Man kann aber auch Glück haben. Manche Franzosen leihen sich Autos im nahen Ausland wie in Luxemburg, um dann in Frankreich unbekümmert aufs Gas zu treten. Ein Fernsehreporter begleitete kürzlich einen Raser, der auch noch fröhlich in die Blitzkameras winkte, so sicher war er sich, ungeschoren davonzukommen.

          Auffällig sind auch die zahlreichen schwarzen Limousinen mit deutschen Kennzeichen, die sich in Paris etwa in der Nähe der Champs-Elysées aufhalten. Sie sollen oft zu Chauffeur-Diensten gehören, die den Fahrgast besonders schnell zum Ziel bringen, heißt es. Dieses Kalkül könnte bald freilich nicht mehr aufgehen. Ein EU-Rahmenbeschluss zur gegenseitigen Anerkennung von Geldstrafen und Geldbußen wird demnächst in deutsches Recht umgesetzt. Dadurch werden Geldsanktionen von 70 Euro an auch in Deutschland vollstreckbar.

          Yossef übrigens wurde zu einer Geldstrafe von 2200 Euro und sechs Monaten Führerscheinentzug verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte 7000 Euro gefordert. Fast zweihundert Vergehen waren verjährt; am Ende konzentrierte sich das Gericht nur auf elf Geschwindigkeitsüberschreitungen. Die anderen Male hatte Yossef behauptet, nicht am Steuer gesessen zu haben. Dafür wurde er auch viermal mit Handy am Lenkrad fotografiert.

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