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Expat : Kinderfeindliches Österreich

Betreuung für den Nachwuchs: In Österreich keine leichte Angelegenheit Bild: ddp

Österreich befindet sich nach Einschätzung der OECD im Schlussfeld Europas, wenn es um die Betreuungssituation für Kinder geht. Das zeigt sich auch vor Ort: Eltern reiben sich die Augen über die Zustände.

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          Wer in Österreich eine gute Betreuung für seinen Nachwuchs sucht, reibt sich die Augen. In einem der reichsten Länder der Welt sind Kindergarten- und Hortplätze eher ein Privileg als eine Selbstverständlichkeit. Zwar wurde jetzt ein verpflichtendes Kindergartenjahr für alle Fünfjährigen eingeführt. Doch ändert dies nichts an der Misere. Österreich befindet sich nach Einschätzung der OECD im Schlussfeld Europas. Einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz, so wie es in Deutschland seit einigen Jahren gesetzlich verankert ist, gibt es in Österreich nicht.

          Michaela Seiser
          Wirtschaftskorrespondentin für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          Ob und wie die Sprösslinge betreut werden, liegt in der Hand des Bundeslandes, in dem man lebt. Ab welchem Alter ein Kind einen Kindergarten oder eine Krippe besuchen darf, wie viel die Betreuung kostet, wie viele Kinder in einer Gruppe betreut werden, welche Qualifikationen das Personal zu erfüllen hat und wie viel Platz ein Kind zum Spielen hat, wird vom Burgenland bis Vorarlberg anders geregelt. Das verursacht innerhalb Österreichs ein markantes Betreuungsgefälle.

          Neben öffentlichen Kindergärten gibt es auch in Österreich solche, die von privaten Trägern oder den Kirchen geführt werden. Die Kosten für die Betreuung des Nachwuchses sind recht unterschiedlich, zum Teil von Gemeinde zu Gemeinde einer Region und manchmal sogar von Kindergarten zu Kindergarten in einem Ort. Bundesweit ist nur jeder vierte Kindergarten bis 17 Uhr geöffnet. Im Durchschnitt sind die Betreuungseinrichtungen mehr als vier Wochen im Jahr geschlossen. Die Besoldung der Kindergartenpädagoginnen ist gering, die Bruttovergütung liegt derzeit zwischen 1500 und 2100 Euro. So viel verdienen auch Hilfskräfte in weniger anspruchsvollen Berufen.

          Nach Erhebungen der Wiener Sprachheilschule hat fast jedes fünfte Pflichtschulkind sprachliche Defizite. Fast jede fünfte Österreicherin nimmt wegen der mangelhaften Kinderbetreuung nicht am Erwerbsleben teil. Das hat auch Auswirkungen auf die Bereitschaft der Frauen, Kinder zu bekommen. Mit 1,4 Kindern fällt die Geburtenrate vergleichsweise niedrig aus. Nach einer Umfrage eines Wiener Marktforschungsinstituts glauben nicht einmal ein Fünftel der österreichischen Eltern, „dass wir in einer sehr kinderfreundlichen Gesellschaft leben“.

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