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Expat : Gedenktage in Amerika

Begnadigt durch den Präsidenten höchstpersönlich: Ein Truthahn namens Apple Bild: REUTERS

Gedenktage, Gedenkwochen, Gedenkmonate: Das gibt es in Amerika zuhauf. Man gedenkt den Alzheimer-Kranken, den Militär-Familien oder den familiären Pflegekräften. Da ist die Begnadigung eines Thanksgiving-Truthahns durch den Präsidenten noch eine der leichteren Übungen.

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          Traditionell hat Amerikas Präsident Barack Obama am Tag vor Thanksgiving, dem wichtigsten Feiertag im Lande, einen Truthahn begnadigt. Das Federtier namens Apple ließ die Zeremonie würdevoll über sich ergehen; anschließend wurde es auf die nahe Washington gelegene Farm Mount Vernon gebracht. Auf dem Landsitz des ersten Präsidenten der Vereinigten Staaten, George Washington, wird Apple sein Gnadenbrot fristen, anstatt wie Millionen seiner Artgenossen jedes Jahr zu Thanksgiving im Kochtopf zu landen. Die Begnadigung von Truthähnen gehört zu den wichtigsten und leichteren Pflichten des Präsidenten der Vereinigten Staaten, nachdem 1989 George Bush die Zeremonie offiziell einführte.

          Patrick Welter
          (pwe.), Wirtschaft

          Weniger spektakulär erledigt Obama eine Vielzahl anderer Aufgaben, die Hinweise darauf verstopfen das E-Mail-Postfach des Korrespondenten. Das Präsidentenbüro überschwemmt die Nation mit salbungsvollen Verkündigungen zu Gedenktagen, Gedenkwochen und Gedenkmonaten, die in Amerika nahezu ungehört verhallen. Im November galt die Aufmerksamkeit Obamas dem Nationalen Monat der Achtsamkeit vor der Alzheimer-Krankheit, dem Nationalen Monat der Erbes der eingeborenen Amerikaner, dem Nationalen Hospiz-Monat, dem Nationalen Monat der familiären Pflegekräfte, dem Nationalen Diabetes-Monat, dem Monat der Militär-Familien und dem Nationalen Monat der Adoptionen. Zugleich beging das offizielle Amerika die Nationale Woche der Unternehmer, die Amerikanische Erziehungswoche, die Nationale Woche der Familien, die Nationale Woche der landwirtschaftlichen Städte, den Tag der Veteranen, den Tag der Wiederverwertung und den Nationalen Kindertag.

          Der Kongress steht dem Verkündungseifer des Präsidenten nicht nach. Das Abgeordnetenhaus hat viel Zeit für anerkennende Beschlüsse etwa für Gail Abarbanel, den Direktor eines Behandlungszentrums für Vergewaltigte in Los Angeles. Die Abgeordneten stimmen ab, ob sie den Brooklyn Botanic Garden in New York zum einhundertjährigen Jubiläum loben, der Stadt Tarboro in North Carolina zum 250. Gründungstag und Joe Paterno gratulieren sollen. Paterno hatte als Trainer mit seinem Football-Verein Penn State Nittany Lions den 400. Sieg erreicht. Nebenbei ehren die Abgeordneten Veteranen, indem sie regelmäßig Büros der Staatspost nach verdienten Soldaten benennen. Gefangen im Washingtoner Politikbetrieb gratuliert der Kongress auch sich selbst und würdigt etwa den 30. Jahrestag des Bayh-Dole-Act, einem Gesetz zur Regelung der Eigentumsrechte an bundesstaatlich geförderter Forschung. Die politische Gedenkmaschinerie läuft, und es ist dem einfachen Amerikaner nachzusehen, dass er bei der Fülle der politisch verordneten Gedenken gar nicht mehr hinschaut.

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