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Ingenieurin bei Coca-Cola : „Es kommt meistens anders, als man denkt“

  • Aktualisiert am

Fenja Brötje, 28, arbeitet seit 2016 als Produktionsexpertin bei der Coca-Cola European Partners Deutschland GmbH am Standort Lüneburg. Sie hat Wirtschaftsingenieurwesen mit Schwerpunkt Produktion und Logistik (M. Sc.) an der Universität Bremen studiert. Bild: Coca-Cola GmbH

Wir haben Fenja Brötje, 28, Produktionsexpertin bei der Coca-Cola European Partners Deutschland GmbH, gefragt, welchen Stellenwert Karriere für sie hat.

          2 Min.

          Frau Brötje, welche Rolle spielt Ihr ingenieurwissenschaftliches Studium für Ihre heutige Tätigkeit?

          Mein Studium hat mich darauf vorbereitet, Themen sowohl betriebswirtschaftlich als auch technisch zu beleuchten. Genau in dieser Kombination besteht meiner Meinung nach der Mehrwert eines breitgefächerten ingenieurwissenschaftlichen Studiums: Man eignet sich neben dem technischen Knowhow vielfältiges theoretisches Wissen an, das man dann in der Praxis anwenden kann.

          Welchen Berufseinstieg haben Sie gewählt, und warum?

          Ich bin über ein Traineeprogramm bei Coca-Cola im Bereich Supply Chain eingestiegen. Der Reiz bestand dabei für mich vor allem in der Verbindung von Theorie und Praxis. In 18 Monaten habe ich alle Schnittstellen der Wertschöpfungskette kennengelernt, deutschlandweit Praxis-
          erfahrung gesammelt und an einem Standort in Frankreich gearbeitet. Absolutes Highlight meines Traineeprogramms war eine Ausbildung zum Continuous Improvement Manager. So kann ich nun gezielt Verbesserungen im Bereich Supply Chain vorantreiben.

          Sehen Sie Unterschiede in der Arbeitsweise bei weiblichen und männlichen Kollegen?

          Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es heutzutage vielmehr darum geht, als Team zu arbeiten und die einzelnen Stärken der Teammitglieder zu nutzen. Geschlechterspezifische Aspekte spielen weniger eine Rolle. Im Mittelpunkt steht der Mensch mit seinen Erfahrungen und zwischenmenschlichen Qualitäten.

          Wie definieren Sie für sich persönlich „Karriere“?

          Karriere bedeutet für mich, dass mein Job mich zufriedenstellt und mich erfüllt. Die Karriereleiter hinaufzuklettern ist für mich weniger interessant, als mich stetig weiterzuentwickeln.

          Was haben Sie sich beim Berufseinstieg anders vorgestellt, was hat Sie überrascht?

          Das Schöne am Leben ist: Es kommt meistens anders, als man denkt. Ich bin zunächst davon ausgegangen, nach dem Studium im Logistik­bereich zu arbeiten. Doch je mehr ich in der Produktion tätig war, umso spannender fand ich die Komplexität der Prozesse und die Vielfalt der Aufgabenbereiche. Heute bin ich sehr stolz, als Produktions­expertin beim größten deutschen Hersteller für alkoholfreie Getränke zu arbeiten. Faszinierend ist, dass man zwar vieles aus dem Studium anwenden kann, man aber durch ein Studium bei weitem noch nicht die Gänze eines Themas kennt. Man lernt täglich dazu.

          Was sind Ihre beruflichen Ziele?

          Ich bin immer an neuen Themen interessiert. Mich reizen daher auch immer Sidesteps in fremde Fachbereiche. Die Übernahme von mehr Verantwortung könnte ich mir auch vorstellen. Mein Credo: Alles, was man macht, muss Spaß machen. Der Erfolg stellt sich dann von selbst ein.

          Was würden Sie Studentinnen der Ingenieurwissenschaften für ihre Karriere raten?

          Die Studiengänge sind breit gefächert, und man wird nicht für einen bestimmten Beruf ausgebildet. Das sollte jedem bewusst sein. Ein Unistudium ist außerdem sehr theoretisch. Man sollte daher frühzeitig die Semesterferien für praktische Einblicke nutzen. Technische Berufe haben meist noch den Ruf, männerdominiert zu sein. Doch weit gefehlt! In meinem Studiengang waren viele Frauen unterwegs. Keine Scheu also vor technischen Studienrichtungen! Man sollte sich bei der Studienwahl generell von seinen Interessen leiten lassen und dann mit seinem Wissen im Berufsalltag punkten. Mit Authentizität kann man im Berufsleben später alle Möglichkeiten ausschöpfen. Man sollte stets offen bleiben – und auch mal nach rechts und links schauen. Denn etwas abseits des Weges können sich oft überraschende Möglichkeiten auftun.

          Fenja Brötje, 28, arbeitet seit 2016 als Produktionsexpertin bei der Coca-Cola European Partners Deutschland GmbH am Standort Lüneburg. Sie hat Wirtschaftsingenieurwesen mit Schwerpunkt Produktion und Logistik (M. Sc.) an der Universität Bremen studiert. Die Arbeit als Produktionsexpertin dient zur Vorbereitung auf eine Führungsposition im Bereich Supply Chain. Ihre Hauptaufgabe: den Produktionsprozess für Erfrischungsgetränke analysieren, Optimierungspotentiale erkennen und Maßnahmen für eine kontinuierliche Verbesserung beim Produktionsprozess ableiten.

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