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Erfolgreich bewerben : Bitte beißen Sie an

Greifen Sie zu! Denn der Verzehr von Süßigkeiten sorgt in Büros für eine behagliche Atmosphäre. Bild: Imago

Der souveräne Umgang mit einem Mandelhörnchen kann über einen geglückten Berufseinstieg entscheiden. Das glauben Sie nicht? Unsere Autorin erklärt Ihnen, warum.

          5 Min.

          Neben die Kaffeetasse hat die Sekretärin einen Teller mit Mandelhörnchen gestellt. Der Personalchef sagt: „Greifen Sie zu!“und lächelt. Der Bewerber hat die Geschichte des Unternehmens auswendig gelernt, sich Antworten auf die Frage nach den eigenen Stärken und Schwächen zurechtgelegt und eine einigermaßen plausible Erklärung für die acht Monate Pause zwischen Examen und Jobeinstieg gefunden. Aber auf das Mandelhörnchen hat er sich nicht vorbereitet. Er muss spontan entscheiden: Reinbeißen oder nicht? Krümel auf dem weißen Hemd kommen gar nicht gut. Und klebrige Hände bei der Verabschiedung erst recht nicht.

          Helene Bubrowski

          Politische Korrespondentin in Berlin.

          Und was passiert erst, wenn ein Schokoladenstückchen auf das beige bezogene Sofa fällt? Ablehnen ist doch auch unhöflich. Und unsouverän dazu. Der Chef könnte denken, dass man sich in Konflikten niemals durchsetzen kann, wenn man sich noch nicht mal traut, in ein Mandelhörnchen zu beißen. Ein Nein zu der leckeren Süßigkeit könnte auch den Eindruck erwecken, man müsste auf seine Linie achten. Schließlich bringt man sich so auch um die Chance, dem Personaler zu beweisen, dass man weiß, dass man mit vollem Mund nicht spricht.

          Jürgen Hesse von der Beratungsagentur Hesse/Schrader in Berlin hat seit mehr als dreißig Jahren Erfahrung mit Bewerbungsgesprächen. Aber die ideale Lösung für das Mandelhörnchen hat auch er nicht gefunden. „Man kann es eigentlich nur falsch machen“, sagt er. Beziehungsweise nur richtig. Denn die Losung, die Hesse seinen Klienten mitgibt, lautet: Verhalte dich im Bewerbungsgespräch wie im Spiel. Nicht wie in einem Strafprozess oder auf der Schlachtbank. Der Job steht und fällt also nicht mit der Frage, ob man das Mandelhörnchen isst, sondern wie auf die Aufforderung reagiert wird. Ein souveränes „Oh, gern, vielen Dank“ ist genauso möglich wie ein „Das ist sehr nett, aber jetzt nicht“. Nicht ausgeschlossen ist auch ein lächelndes „Nur wenn Sie eins mitessen“. Nur ein unsicheres oder gar verzweifeltes Schulterzucken wäre schlecht.

          Angst kann man wegtrainieren

          Wer die Bewerbung wie ein Spiel sehen kann, muss auch keine zehn Bewerbungsberater lesen, um die passende Antwort auf die Frage nach Stärken und Schwächen zu finden. Das kann sogar kontraproduktiv sein. Denn in den Hunderten von Beratern, die im Handel erhältlich sind, findet sich zum Thema größte Schwäche meistens die Empfehlung: „Nennen Sie Ungeduld oder Perfektionismus, denn das sind in Wirklichkeit ja Stärken.“ Davon rät Diplompsychologe Hesse aber ab - sogar jenen Menschen, die tatsächlich ungeduldig und perfektionistisch sind. „Jeder Personaler hat diese Antworten schon tausendmal gehört.“

          Punkten lässt sich dagegen mit: ,Ich schaffe es nicht, Vegetarier zu sein, obwohl die Tiere mir leid tun, esse ich so gerne Fleisch.“ Oder etwa: „Meine große Schwäche ist dunkle Schokolade.“ Ebenso auch: „Ich liebe die französische Küche und habe viele französische Freunde, aber mein Französisch ist immer noch nicht so richtig gut.“ Fragen zum Beruf auf privater Ebene zu beantworten, nennt Hesse diese Taktik. Solche Antworten sind erfrischend, bisweilen sogar entwaffnend. Der Bewerber bestimmt so auf elegante Art und Weise die Spielregeln des Gesprächs. Und er kann beweisen, dass fehlende Schlagfertigkeit jedenfalls keine Schwäche ist.

          Wenn der Personaler danach meint, dass er mit dieser abgedroschenen Frage tatsächlich etwas über die beruflichen Schwächen herausfinden kann, muss er noch einmal nachhaken. Das Problem ist: Die meisten Bewerber trauen sich nicht, auf Schokolade oder französische Küche auszuweichen. Und in der Tat ergibt sich kein rundes Bild, wenn ein Bewerber in Schockstarre vor dem Personaler sitzt und stotternd den auswendig gelernten Satz von der Schwäche für Schokolade herausbringt. „Die Angst kann man gut wegtrainieren“, rät Hesse. „Man muss sie nur benennen können.“ Ähnlich wie bei der Trauma-Therapie. Der Bewerbungsberater nimmt dafür zwischen 120 und 170 Euro pro Stunde.

          Cindy und Chantal haben schlechte Karten

          Um zum Gespräch eingeladen zu werden, muss der Bewerber aber erst einmal die erste Runde überstehen: die schriftliche Bewerbung. Ein schlampiges Anschreiben fällt negativ auf, auch heute noch führen Rechtschreibfehler in aller Regel dazu, dass der Kandidat von der Liste gestrichen wird - einmal abgesehen von Fehlern bei Getrennt- und Zusammenschreibung, die seit der Rechtschreibreform viele nicht mehr sicher beherrschen. Schlecht ist auch, wenn man dem Anschreiben anmerkt, dass es in dieser Form an zehn Unternehmen geschickt wurde.

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