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Erasmus-Jahr in Corona-Krise : Bologna sehen – und im Kämmerlein lernen

  • -Aktualisiert am

Blick in die Universitätsstraße „Via Zamboni“ Bild: Nicolas Friese

Der Schöpfer hat Italien nach Entwürfen von Michelangelo gemacht, sagte Mark Twain. Wer in Bologna studiert, kann das bestätigen. Allerdings wirkt die Stadt auf Austauschstudenten derzeit gespenstisch.

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          Es ist kurz vor 22 Uhr. Auf einmal haben es die wenigen Leute, die noch unterwegs sind, eilig. Wer sich um diese Zeit außerhalb seiner vier Wände aufhält und dafür keinen triftige Grund angibt, muss zahlen. Als Anfang November die Corona-Fallzahlen stiegen, wurde die Region Emilia-Romagna von der Italienischen Regierung als „Orangene Zone“ eingestuft. Die Orangene Warnstufe ist die mittlere zwischen Gelb und Rot. Seit Anfang November lag das Leben lahm. Bars und Restaurants dürfen nur bis 18 Uhr offen bleiben. Vorlesungen und Seminare finden online statt, auch für Erasmus-Studierende.

          Bologna ist eine überaus beliebte Studierendenstadt. Sich vor der Vorlesung in der Früh noch schnell einen Espresso und einen Cornetto an der Bar um die Ecke zu holen, in der Mittagspause ein Stück Pizza in der Sonne zu genießen und sich nach der Uni mit den Kommiliton*innen auf einen Aperol Spritz zu treffen, wird einem hier besonders leicht gemacht. In einer Stadt, in der rund ein Viertel der Einwohner Studierende sind, dreht sich viel um das soziale Leben, vor allem außerhalb der Vorlesungszeiten.

          So ähnlich hatte sich auch Marek Wadinger seinen Alltag vorgestellt, als er sich für ein Erasmus-Semester bewarb. Der Zweiundzwanzigjährige kommt aus Bratislava und studiert Chemie-Ingenieurwesen im Master. Er ist groß, sportlich, hat braunes Haar und redet viel und gerne. Als er Anfang September nach Bologna kam, wollte er neue Orte, Leute und eine neue Kultur kennenlernen. Es ging gut los, mit einer Organisation für Erasmus-Studierende fuhr er nach Neapel, Rimini und in die Cinque Terre.

          Viele Einwohner waren empört

          „Am besten hat mir jedoch meine Tour gefallen, bei der ich von Bologna nach Florenz gewandert bin und auf Campingplätzen geschlafen habe“, erzählt er, während er entspannt unter den berühmten „Portici“ Bolognas entlangschlendert.

          Die organisierten Reisen waren auf rund fünfzig Leute beschränkt, es gab jedoch mehrere Reisegruppen die dasselbe Ziel hatten. Natürlich lief nicht immer alles nach Plan. Marek erzählt, dass bei der anderen Reisegruppe zwei Studentinnen positiv auf das Virus getestet worden waren, diese das Ergebnis jedoch ignorierten und mit auf die Reise gingen. Da die örtliche Polizei dies mitbekam, erwartete sie die Reisegruppe am Ankunftsort. Dort hatten die beiden Studentinnen die Wahl zwischen einer zweiwöchigen Quarantäne in Neapel oder einem Leihwagen, mit dem sie zurück nach Bologna fahren sollten. „Das Ganze war natürlich nicht umsonst“, erzählt Marek, „neben den Kosten für den Leihwagen mussten die beiden auch eine Geldstrafe zahlen.“

          Menschenleerer Gang in der Universität Bologna
          Menschenleerer Gang in der Universität Bologna : Bild: Nicolas Friese

          Ohnehin ist die lebensfrohe Art der Studierenden nicht immer gern gesehen. Am Anfang des Semesters gab es zahlreiche Veranstaltungen für Erasmus-Studierende. Die Corona-Lage war zu der Zeit noch nicht sehr prekär, was den Studierenden zugute kam. Als sich Ende September nach einer großen Party im Park „Giardini Margherita“ aber Dutzende infizierten und in Quarantäne gehen mussten, waren viele Einwohner empört und von der Naivität der Studierenden überrascht. Schließlich war Italien im Frühjahr eines der Länder gewesen, die am schlimmsten vom Virus getroffen wurden, schon Ende Februar hatten ganze Städte Norditaliens in Quarantäne gehen müssen.

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