https://www.faz.net/-gyl-96lfo

Aus Überzeugung : Einmal die Welt retten

  • -Aktualisiert am

Elektroauto vom Campus: Der an der RWTH Aachen entwickelte Kleinwagen soll schon ab 2018 auf deutschen Straßen unterwegs sein. Bild: e.Go Mobile AG

Ingenieure können nicht nur technische Probleme lösen, sondern auch die Welt ein bisschen besser machen. Möglichkeiten dazu gibt es genug: ob nun bei sauberen Antrieben, in der Medizintechnik oder als Experte für den Katastrophenschutz.

          5 Min.

          Gutes tun und damit auch noch Geld verdienen – für viele junge Hochschulabsolventen wäre das die ideale Kombination. Laut einer Umfrage der Unternehmensberatung McKinsey wollen 39 Prozent aller befragten Deutschen keinen Job, der nicht sinnstiftend ist. Das Problem: Viele soziale oder nachhaltige Jobs sind schlecht bezahlt. Oft gibt es nur befristete Verträge. Sinnvoll und trotzdem lukrativ ist dagegen die Arbeit von Ingenieuren, die sich mit erneuerbaren Energien oder Medizintechnik beschäftigen. Entsprechende Unternehmen und Forschungseinrichtungen suchen händeringend qualifizierten Nachwuchs und bieten dafür gute Gehälter und interessante Aufstiegsperspektiven. 

          Diese Erfahrung hat auch Matthias Kreimeier gemacht. Der 32-Jährige studierte Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen in Dortmund und Aachen. Danach arbeitete er am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie in Aachen und beschäftigte sich dort mit Fragestellungen des Technologiemanagements und des Technologieeinkaufs. Vor zwei Jahren bekam er die Chance, zum Elektroautobauer e.GO Mobile zu wechseln. Das junge Start-up hat seinen Sitz auf dem Campus der RWTH Aachen, einer der führenden technischen Universitäten in Deutschland. Das Team um Günther Schuh, Professor für Produktionssystematik, arbeitet an einem bezahlbaren und modernen Stadtauto mit Elektromotor. „Als ich die Chance bekam, hier einzusteigen, musste ich nicht lange überlegen. Eine spannendere Aufgabe als die, Autos von morgen zu entwickeln, gibt es für mich als Ingenieur kaum“, sagt Kreimeier. Auch privat sei er ein großer Autofan.

          Praktischer Elektroflitzer für Jedermann

          In dem Aachener Start-up haben es Mobilitätsinnovationen leichter als etwa in Großkonzernen. So kostete die Entwicklung des ersten Fahrzeugs, des e.GO Life, „nur“ rund 30 Millionen Euro. Große Hersteller investieren für neue Modelle schnell das Zehnfache. Auch die Entwicklung ging deutlich schneller – vor allem weil man die Ressourcen und Ideen der nahen Hochschule und von den auf dem Campus immatrikulierten Partnerfirmen nutzen konnte. Schon im nächsten Jahr soll der Kleinwagen auf deutschen Straßen fahren. Derzeit wird ein passendes Werk gebaut. „Wir haben ein praktisches Stadtauto für den Kurzstreckenbetrieb entwickelt“, schwärmt Kreimeier. Auf den ersten Blick ist der e.GO Life vor allem ein netter Kleinwagen, mit Infotainment-System, der Schaltung am Lenkrad und einem Kofferraum, der groß genug für den Wocheneinkauf ist. Die Akkus in der höchsten Leistungsvariante reichen für gute 150 Kilometer und können an der Haussteckdose geladen werden. Damit sei es sicher kein Auto für die Langstrecke oder für die Fahrt in den Urlaub, gibt der junge Ingenieur zu. Für die Stadt und die tägliche Fahrt zur Arbeit reiche die vergleichsweise geringe Reichweite aber völlig aus. Immerhin legen die meisten Autofahrer kaum mehr als 30 bis 50 Kilometer pro Tag zurück, verteilt auf mehrere Einzelfahrten wohlgemerkt. 

          Damit die gesamte Elektromobilität wirklich umweltfreundlich ist, braucht es aber auch die richtigen Energiequellen: „Der Strom für die Elektroautos sollte im Idealfall aus regenerativen Quellen wie Solarenergie oder Windkraft gewonnen werden. Leider haben wir darauf nur wenig Einfluss. Da ist jeder Verbraucher in der Pflicht, auch heute schon seinen Strom aus umweltfreundlichen Quellen zu beziehen. Wir können aber Fahrzeuge bauen, die möglichst viele Menschen fahren“, erklärt Kreimeier weiter. Ein wichtiger Faktor dafür ist der Preis. Deshalb sind die e.GO-Modelle auch günstiger als die meisten anderen Elektrofahrzeuge von BMW, Tesla & Co. Der Neupreis für das Basismodell mit 20 Kilowatt Leistung liegt bei 15.900 Euro. Käufer bekommen noch 4.000 Euro Umweltprämie vom Staat. Das Gesamtpaket scheint zu stimmen: Nach eigenen Angaben gibt es bereits 1.400 Vorbestellungen für den Kleinwagen. Außerdem arbeitet die Entwicklungsabteilung schon an neuen Modellen wie dem Kleinbus e.GO Mover. Er könnte einmal für den Personennahverkehr oder als Familienauto eingesetzt werden.

          Weitere Themen

          Die Online-Falle

          Digitales Arbeiten : Die Online-Falle

          Konferenzen, Tagungen, Vorträge wandern mehr und mehr ins Internet. Das ist zwar praktisch – aber wehe dem, der sich nicht richtig vorbereitet!

          Topmeldungen

          Tichanowskaja abgetaucht : Wieder Gewalt in Belarus

          Bei Protesten in Belarus sind Sicherheitskräfte neuerlich mit Blendgranaten und Tränengas gegen Demonstranten vorgegangen. Ein Mensch starb. Der Geheimdienst behauptet derweil, einen Angriff auf das Leben von Lukaschenkas Gegnerin verhindert zu haben.
          Die Polizei geht am Montag in Beirut gegen Demonstranten vor, die gegen die Regierung protestieren.

          Proteste gegen Regierung : Libanons skrupelloses Machtkartell

          Seit vielen Jahren plündert eine korrupte politische Klasse ungestört den Libanon aus. Auch der Rücktritt der derzeitigen Regierung wird daran nichts ändern. Selbst Todfeinde verbünden sich für den Machterhalt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.