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Aus Überzeugung : Einmal die Welt retten

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Medizintechnik statt OP-Saal

Nicht den Stadtverkehr, sondern die Arbeit im Operationssaal und die Therapie von Krebspatienten werden mit den Ideen von Lena Jähnert und ihren Kollegen verändert. Die 28-jährige Maschinenbauingenieurin arbeitet in der Projektgruppe für Automatisierung in der Medizin und Biotechnologie am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) in Mannheim. Auch sie hat sich aus Idealismus und Technikbegeisterung für den Ingenieurberuf entschieden. „In meiner Familie gibt es viele Ärzte und Krankenschwestern. Selbst im OP-Saal zu stehen kam für mich aber nie in Frage. Ich habe mich für Medizintechnik interessiert“, erklärt sie. 

Als Jähnert 2008 ihr Studium begann, gab es noch kaum passende Studienangebote. Deshalb studierte sie Maschinenbau am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und spezialisierte sich auf Medizintechnik. Für die Abschlussarbeit kam sie an das Fraunhofer IPA – und blieb als wissenschaftliche Mitarbeiterin. In ihrer Arbeitsgruppe werden Antriebe für Geräte und Instrumente entwickelt, die Ärzten im Operationssaal das Leben erleichtern sollen. Zum Beispiel wird nach Wegen gesucht, um die Instrumente bei minimalinvasiven Eingriffen noch genauer zu führen oder bildgebende Verfahren besser und störungsfreier zu machen. Gerade im Kampf gegen Krebs ist das ein wichtiges Thema. 

Selbst für geübte Chirurgen ist es eine Herausforderung, einen Tumor vom umgebenden gesunden Gewebe zu trennen. Um zu sehen, wo der Krebs anfängt und wo er endet, braucht es technische Unterstützung. Zum Beispiel wird der Tumor mit Fluoreszenzfarbstoffen markiert und dann mit einem speziellen Licht bestrahlt. Bisher waren so aber nur gesundes Gewebe oder der Krebs zu sehen. Ein am IPA entwickeltes Kamerasystem verbindet nun beide Sichtweisen und ermöglicht Chirurgen so, genauer zu schneiden. Die Nebenwirkungen der Operationen für die Patienten könnten dadurch weniger werden. Leben retten, Heilungschancen verbessern – für Jähnert waren genau diese Aussichten ein wichtiges Argument für die Berufswahl. „Ich möchte nicht einfach nur Bauteile leichter oder Antriebe schneller machen. An meinem Institut habe ich die Chance, an zahlreichen sinnvollen Projekten mitzuarbeiten und Verbesserungen direkt in die Praxis zu bringen“, erklärt die 28-Jährige. Dafür steht ihre Arbeitsgruppe auch in engem Austausch mit den Ärzten aus dem Mannheimer Universitätsklinikum. Sie unterstützen die Ingenieure mit Feedback zu ihren Ideen und bringen eigene Wünsche in die Forschung ein.

Für den Ernstfall ausgebildet

Aus der Medizin in die Technik hat es auch Florian Hartart verschlagen. Der junge Hamburger arbeitete früher als Rettungssanitäter und engagierte sich in der Freiwilligen Feuerwehr. Um sich beruflich weiterzuentwickeln, entschied er sich 2011 für einen noch sehr jungen Studiengang – und zwar Rettungsingenieurwesen. „Im Medizinstudium hätte mir die Technik gefehlt. Die Organisation von Einsätzen und die Entwicklung von Konzepten für den Katastrophenfall interessieren mich mehr als die reine Medizin“, sagt er.

Rettungsingenieure arbeiten als Führungskräfte im Rettungsdienst, beim Katastrophenschutz oder bei Hilfsorganisationen.

Der Studiengang an der Hamburger Hochschule für angewandte Wissenschaft (HAW) verbindet technische Fächer wie Fahrzeugtechnik oder Baustatik mit Psychologie, Epidemiologie oder Controlling. Damit werden die Studierenden auf Führungspositionen im Rettungsdienst, Katastrophenschutz oder bei Hilfsorganisationen vorbereitet. Dabei sind nicht nur Management und Führungsqualitäten gefragt, sondern auch technisches Wissen. Die Rettungsingenieure müssen zum Beispiel im Einsatz die Auswirkungen von enormer Hitze oder Erdbeben auf Häuser einschätzen können. Dieses Knowhow ist gefragter denn je, immerhin steigt durch den Klimawandel auch die Zahl der Naturkatastrophen und Wetterextreme. 

Hartart selbst hat nach seinem Studium einen eher ungewöhnlichen Weg eingeschlagen. Er blieb als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der HAW Hamburg und forscht nun zum Einsatz von neuen Medien in Katastrophenfällen. „Die Digitalisierung verändert nicht nur die Medien-branche, sondern auch die Einsätze von Rettungskräften. Mich interessiert vor allem, wie die unzähligen Informationen der zunehmend vernetzten Städte bei einem großen Unglück genutzt werden können“, berichtet er. Eine spannende wie neue Forschungsfrage, bei deren Beantwortung ihm sein technisches Wissen genauso weiterhilft wie die Erfahrung als Rettungssanitäter.

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