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Vertrauensbasis für Internet : Blockchain-Forschung erobert die Universitäten

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Wirtschaftliche und gesellschaftliche Perspektiven

Was zunächst nach einem exklusiven Bedürfnis von Regierungskritikern, Dissidenten und Kriminellen aussah, zieht inzwischen viele in den Bann. In Ländern wie den Vereinigten Staaten, China oder Brasilien werden große Teile der eigenen und auch fremden Bevölkerungen von den Regierungen plötzlich zu Terroristen, Staatsfeinden oder Gefährdern erklärt und ausgehorcht. Digitale Überwachung wird alltäglich. Nur innerhalb der Europäischen Union scheint sich dagegen Widerstand zu regen. Dafür kann die Blockchain-Technologie eine wichtige Rolle spielen. Denn Schutz sucht der Bürger im Internet nicht nur vor korrupten politischen Systemen, sondern auch vor Unternehmen. Bei der möglichst schnellen Erschließung neu verfügbarer Technologien werden Fakten geschaffen, die dann deren weitere Entwicklung stark prägen.

Auch bei der Blockchain lief es so. Großkonzerne, allen voran Finanzunternehmen, versuchten zunächst, die neue Technologie aufzuhalten. Als sie jedoch deren wirtschaftliches Potential erkannten, begannen sie, in sie zu investieren. In Zukunft wird wohl fast jeder Industriezweig mit der Blockchain-Technologie verknüpft werden, sie gilt als nächster Schritt bei der Digitalisierung der Wirtschaft.

Weltweit sprießen Forschungsinstitute, Studiengänge, Investmentfonds und Blockchain-Firmen aus dem Boden. An der TU Dortmund entsteht beispielsweise gerade ein „Europäisches Blockchain-Institut“ der Fraunhofer-Gesellschaft und des Landes Nordrhein-Westfalen, das sich wirtschaftsnah und effizienzorientiert auf logistische Innovation konzentriert. Die Bundesregierung hat als eines der ersten Länder seit 2019 eine offizielle Blockchain-Strategie präsentiert. Auch sie setzt vor allem auf die wirtschaftliche Adaption der Technologie.

Die Ursprungsidee der Blockchain zielte jedoch auf soziale Veränderungen ab. Auf EU-Ebene laufen denn auch seit zwei Jahren Forschungsinitiativen, die die Blockchain als Schlüsselwerkzeug bei der Konstruktion einer gerechteren Gesellschaft begreifen. Eine dieser Initiativen ist das Amsterdamer Institut für Blockchain & Society, in dem Alexandra Giannopoulou und ihre Kollegen um Baláczs Bodó versuchen, die ideologisch überhitzte Debatte um die Blockchain-Technologie zu versachlichen und deren gesellschaftlichen Nutzen deutlich zu machen.

Schutz der Identität

Sie heben die Blockchain aus dem Wirtschaftskontext, in dem der Begriff zum Allheilmittel verklärt wird, das Milliardeninvestitionen rechtfertigt, aber auch aus dem ursprünglichen revolutionären Umfeld, wo die Auffassung verbreitet ist, dass Dezentralisierung automatisch eine gerechtere Welt hervorbringt. Giannopoulou hofft auf eine Zukunft, in der EU-Bürger mehr Anrecht auf ihre Daten haben und in der digitalen Sphäre besser geschützt sind. „Die mit Abstand spannendste Anwendung der Blockchain ist Digital Identity, ursprünglich bekannt unter dem ideologisch umstrittenen Namen Self-Sovereign Identity“, sagt sie.

Wissenschaftler, Unternehmen und politische Entscheidungsträger der Europäischen Union arbeiten unter diesem Schlagwort an einer Art verschlüsselter, europäischer Identität, die eine gewaltige Zäsur bedeuten könnte. Wie ein Schutzschild für Informationen könnte eine solche digitale Identität wieder Anonymität im Netz ermöglichen. Der Idee nach würde die Europäische Union in Zukunft verschlüsselte Schutzwälle (Clearinghäuser) betreiben, die einerseits die richtige Identität der Bürger nach außen garantieren und sie andererseits gegen unbefugte Zugriffe abschirmen. Beim Kauf eines Flugtickets beispielsweise, bei dem heute Altersangabe samt Personalausweisnummer verlangt werden, ließe sich künftig ein einbruchssicheres, Blockchain-basiertes EU-Register vorschalten. Die Fluggesellschaft bekäme nur die Information, dass Person X den Flug Y buchen dürfe. Der Clou wäre laut Giannopoulou, dass die EU-Struktur transparent und gleichzeitig so sicher verschlüsselt wäre, dass die Daten der Bevölkerung weder von Regierungen noch anderen Institutionen gelesen werden könnten.

Die Nutzer bräuchten allerdings auch potente Instrumente, um Missbrauch anzeigen und ihr Recht geltend machen zu können. Außerdem ist zu bedenken, dass jeder EU-Bürger im digitalen Raum nun anhand seiner digitalen ID identifizierbar wäre. Das System müsste deshalb gegenüber allen Sicherheitsrisiken abgesichert werden. Kein einfaches Unterfangen. Alexandra Giannopoulou hält es zumindest für möglich.

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