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Volldampf: Eine Professorin unterrichtet Motivation : Die Energie-Beraterin

  • -Aktualisiert am

Illustration: Kathrin Frank/Jutta Fricke Illustrators Bild: F.A.Z.

Didaktik-Professorin Michaela Brohm macht aus schlappen Studenten motivierte. Denn sie hilft ihnen, ihre Lebensträume zu erkennen. Ja, wir haben auch gedacht, dass das nicht funktioniert. Doch dann haben wir sie getroffen.

          5 Min.

          Frau Brohm, ist Motivation ein Gefühl oder ein Zustand?
          Motivation ist ein energetischer Zustand. Energie, die auf dem Weg zum Ziel frei wird. Man kann es fast noch globaler sehen: Es ist die Lebensenergie. Sie wird frei, wenn auch nur irgendetwas da ist, wo man hinwill.

          Wer im Hier und Jetzt lebt …
          … ist relativ motivationsfrei. Ja. Interessant, oder? In einigen asiatischen Religionen ist es das Ideal, zukunftsgewandte Ziele loszulassen und dadurch frei zu werden. Da wird man aber auch spannungslos. Meine Studierenden sagen immer: „Mensch, Frau Brohm, wenn man ein Ziel hat und will dahin, das setzt einen ja ziemlich unter Druck.“ Ja, das setzt einen unter Druck. Aber es ist auch, was einen voran treibt. So gesehen ist Motivation ein Spannungszustand.

          Sie forschen über Leistungsmotivation und bieten Motivationsseminare an der Universität an. Die Nachfrage ist groß. Sind die Studierenden heute stärker belastet als früher?
          Ich fürchte ja. Sie sind der zunehmenden Konkurrenzsituation in den entgrenzten Nationalstaaten und Märkten ausgeliefert und werden viel enger geführt als früher.

          Was genau dämpft ihre Motivation?
          Autonomie ist eine Voraussetzung für Motivation. Bei Fremdbestimmung geht ein Teil der Lebens- oder Leistungsenergie verloren. Kein Mensch möchte müssen. Das Müssen reglementiert uns so sehr, dass wir keine Lust mehr haben. Wir können uns nicht als kompetent erleben, wenn wir keine Selbststeuerung haben. Wenn jemand einen Marathon läuft und die letzten zweihundert Meter getragen wird, wo bleibt dann der Stolz? Darum sind die neuen Lernmethoden so wichtig. Damit ein kleiner Raum an Autonomie bestehen bleibt.

          Was meinen Sie mit „neuen Lernmethoden“?
          Projektarbeit, Wochenplanarbeit. Diese Methoden sind vom Ergebnis her nicht unbedingt produktiver, aber motivational besser. Sie sind jetzt fest in die Studien integriert worden, weil man registriert hat, wie sehr es an Motivation fehlt.

          Sind Studenten heute nicht nur stärker belastet, sondern auch weniger belastbar?
          Das empfinde ich gar nicht so. Sie haben sich für ihren Studiengang entschieden und wollen abschließen. Allerdings empfinden sie ihre Belastung häufig höher, als sie ist. Ich glaube, dass auch das an der Fremdbestimmtheit liegt. Man müsste mal prüfen, ob sich das Zeitempfinden durch Fremdbestimmung verändert.

          Wenn man mal in einer Fabrik Seifen gestapelt hat, weiß man, wie langsam Zeit vergehen kann. Und wie schnell, wenn man etwas gern tut.
          Klar, der Unterschied zwischen Eustress und Disstress: Der Stress, den man sich selbst aussucht, macht einen nicht so kaputt wie der Stress, dem man sich ausgesetzt sieht. Was hinzukommt: Früher sind Studierende vom ersten bis zum sechsten oder achten Semester immer wieder zu einem Dozenten in die Seminare oder Vorlesungen gegangen, weil sie die geistige Schule gut fanden, die er vertreten hat. Heute sind die Professoren für einzelne Module zuständig, und man sieht sie bis zum Abschluss oftmals gar nicht mehr.

          Sie haben mal gesagt: „Alles, was wirklich spannend ist, liegt außerhalb der eigenen Komfortzone.“ Was meinen Sie damit?
          Alles, was wir routiniert tun, befindet sich innerhalb unserer Komfortzone. Wir kennen dieses, können jenes, gehen nicht über Grenzen. Sobald wir unsere Komfortzone verlassen, gehen wir ein Risiko ein. Dieser kleine Schritt ist der entscheidende Schritt dafür, das Bewusstsein zu erweitern und zu lernen. Der Schritt ist aber auch mit Angst verbunden, die sich in Desinteresse, Widerstand oder Trägheit äußert. Es ist gut, sich mal klarzumachen, dass es sich lohnt, was auszuprobieren.

          Reicht das vom Drogennehmen bis „Ich traue mich mal, fremde Leute anzusprechen“?
          Keine Drogen. Es geht um Risiko, nicht um Waghalsigkeit. Ein Beispiel: Bei unseren Zielplanungen meinen die Studierenden oft, man kann doch nicht sagen: „Ich möchte eine Partnerschaft haben.“ Aber wieso nicht? Man kann damit Aktionen verbinden. Sich vornehmen, jeden Tag zwei fremde Männer oder Frauen anzusprechen.

          Man zerlegt große Ziele in kleine Etappen, richtig?
          Genau. Das große Ganze erscheint manchen so viel, dass sie die kleinen Schritte nicht sehen und darum bei einer Hausarbeit keine einzige Seite zustande bringen. In der Gewohnheitsforschung würde man sagen: Setz dich jeden Tag hin und schreib einen kleinen Absatz. So änderst du deine Gewohnheiten und erhöhst deine Effektivität in Bezug auf deine Ziele.

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