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Ein Jahr raus : Weltreise – und dann?

Wieder glücklich zu Hause - und auch bald wieder glücklich im Beruf? Bild: Familie Roser

Familie Roser hat für ein Sabbatical Beruf und Schule an den Nagel gehängt und ist um die Welt gereist. Bald soll der deutsche Alltag wieder anfangen. Bloß in welchem Job? Wie findet man nach dem Abenteuer das Richtige? Teil drei unserer Serie.

          3 Min.

          Ein Jahr raus aus dem Beruf und die Welt entdecken – dieser Traum geht für Familie Roser in Erfüllung. Südeuropa, Asien, Australien, Neuseeland, die Südsee, das alles haben sie schon gesehen, und jetzt, zehn Monate nach ihrem Start sind sie erst einmal wieder daheim. „Nach ungefähr neun Monaten trat ein gewisser Sättigungseffekt ein, was das Reisen angeht“, berichtet Jochen Roser. „Da verschiebt sich die Wertigkeit. Man will wieder Freunde treffen und die Familie.“ Das steht jetzt also auf dem Programm. Aber auch die Jobsuche ist angesagt.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Kaum in Deutschland angekommen, hat Jochen Roser die Sache schon erledigt. Eine Bewerbung, ein Gespräch, Volltreffer. Nicht nur weil es räumlich perfekt passt und der Arbeitsort (ganz in der Nähe des bisherigen) mit dem Fahrrad ganz staufrei zu erreichen ist. Die neue Stelle passt auch zu seinen bisherigen Erfahrungen als Projektleiter im Bereich Autonomes Fahren. Bisher ging es um Ultraschallsensoren, künftig um Radarsensoren. „Ich freue mich schon darauf, am 1. September starten zu können. Auch wenn man froh war, die Hektik, den Stress hinter sich lassen zu können, kommt man doch irgendwann in die Phase, wo man wieder kreativ sein, was schaffen möchte.“ Der 42 Jahre alte Ingenieur fühlt sich fast an alte Zeiten erinnert, als er vom Forschungsinstitut zu Bosch wechselte, so groß ist die Vorfreude – auch wenn ihm klar ist, dass sich das Hochgefühl nicht ewig halten wird.

          In einer ganz anderen Situation ist Anke Roser. Nüchtern betrachtet ist der Fall klar, ihre Elternzeit, die sie für das Sabbatical genutzt hat, läuft im August aus. Was dann auf sie wartet, ist allerdings noch völlig unklar: welche Stelle würde man ihr, die dereinst Spanisch und Geschichte studierte, eine Redakteursausbildung absolvierte und dann Karriere im Bereich Kommunikation gemacht hat, nun anbieten? Ihre Fähigkeiten wären wohl vielfältig einsetzbar, auch bei einem Maschinenbauer, da ist sich Anke Roser sicher. Aber die Weltreise hat sie doch auch verändert.

          So viele Sachen! Nach der Rückkehr möchte Anke Roser kräftig aussortieren.

          „Vieles hat mich zum Nachdenken gebracht“, berichtet sie – was natürlich erst einmal ganz unabhängig vom Job wirkt. Das einfache und doch glückliche Leben der Menschen in der Südsee, wo man kein Plastik kennt und keinen Supermarkt, hat sie zum Beispiel schwer beeindruckt: „Da stellt man sich schon die Frage, ob man all das braucht, was man so an Materiellem anhäuft.“ Die ersten Konsequenzen hat sie schon gezogen, als sie jetzt daheim wieder den Haushalt auspackte (das eigene Haus war ja vermietet, die privaten Sachen verstaut): „Ich will nicht mehr so viel haben. Jedes zweite Stück wird aussortiert, damit wir es spenden.“

          Wunsch nach familiengerechteren Arbeitszeiten

          In jungen Jahren war Anke Roser schon im Umweltschutz engagiert, und auch im Arbeitskreis Zivilcourage – insofern sind die Gedanken nicht völlig neu. Die Distanz zum bisherigen Job haben bei ihr gleichwohl die Frage aufgeworfen, ob das Sabbatical der richtige Zeitpunkt sein könnte, beruflich noch einmal etwas ganz Neues anzufangen. „Ich lasse mir absolute gedankliche Freiheit“, sagt Anke Roser. Bei einem ersten Gespräch in der Personalabteilung, das sie als eine Art gegenseitiges Sondieren beschreibt, hat sie genau diese Offenheit zum Ausdruck gebracht.

          Unabhängig vom Inhalt ihrer künftigen Stelle hofft Anke Roser darauf familiengerechtere Arbeitszeiten hinzubekommen. Sie hat schon bisher – genau wie ihr Mann – eine 80-Prozent-Stelle gehabt, aber es kommt natürlich auch auf die Freiheitsgrade an: „Ich will nachmittags zumindest an manchen Tagen besser für die Familie verfügbar sein“, sagt sie.

          Ihr Sohn Valentin kommt diesen Herbst in die Grundschule, ihre Tochter Antonia in die dritte Klasse – nur wenige Tage, nachdem für die Eltern die Rückkehr ins Arbeitsleben geplant ist. Aufregung in Sachen Schule gab es für Antonia allerdings jetzt schon: ein paar Tests soll sie jetzt kurz vor Schuljahresende absolvieren, weil die Lehrer sehen wollen, ob sie nach zehn Monaten Weltreise nicht nur Stadt, Land, Fluss beherrscht, sondern auch das Einmaleins und die Rechtschreibung, soweit man das in der zweiten Klasse können muss. Ein freundlich-fröhlicher Empfang durch Freundinnen und Klassenlehrerin nehmen dieser Phase aber alles Belastende.

          Eine lange Reise geht zu Ende: Familie Roser zurück in Deutschland.

          Ohnehin geht es bald wieder weiter. Der Aufenthalt daheim war von vornherein nur für zwei, drei Wochen geplant. Radfahren ist angesagt, erstmal mit der ganzen Familie, und dann nur für die Eltern, die mit dem Mountainbike bis in die Einsamkeit der slowenischen Berge vordringen wollen. „Wir waren jetzt so lange ganz eng als Familie zusammen“, sagt Anke Roser. „Jetzt wollen wir ein bisschen Zweisamkeit nachholen.“

          Die Familien-Weltreise - Folge 3 der Serie

          Im Mai und im Juni haben uns die Rosers schon einmal von ihrer Weltreise erzählt. In Folge eins ging es darum, wie sie überhaupt auf die Idee kamen, mit ihren Kindern um die Welt zu reisen, wie die Planung für das große Abenteuer aussah und wie sie die Auszeit mit ihrem Arbeitgeber regelten. Folge zwei drehte sich darum, wie die Rosers es geschafft haben, ihre schulpflichtige Tochter mitnehmen zu dürfen und sie nun auf Reisen unterrichten. Im Herbst wollen uns die Rosers erzählen, ob sie wieder gut im deutschen Alltag angekommen sind.

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