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Kolumne „Nine to five“ : Mit unfreundlichen Grüßen

Keine leichte Aufgabe: Die letzte Mail an Kollegen und Vorgesetzte Bild: dpa

Herr R. hat den letzten Arbeitstag in seinem Unternehmen und es ist Zeit, die Abschiedsmail zu schreiben. Voller Groll tippt er drauf los. Die Kolumne „Nine to five“.

          1 Min.

          Herr R. hatte die Nase voll. Als ob es nicht gereicht hätte, dass seine Chefin ihm die letzten Monate – ach was, Jahre – zur Hölle gemacht hatte. Sie hatte sich auch noch jede Menge Gemeinheiten für seinen Abschied aufgehoben. In der Branche schlecht über ihn geredet. Seine Wortmeldungen in Konferenzen ignoriert. Den befristeten Vertrag seiner Lieblingskollegin nicht verlängert. Demonstrativ seine Abschiedsfeier boykottiert.

          Nadine Bös
          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Nun war er endlich gekommen, sein letzter Arbeitstag. Der Zeitpunkt, die Abschiedsmail zu tippen. R. holte tief Luft, öffnete Outlook und begann sich den Frust von der Seele zu schreiben:

          Liebe Kolleginnen und Kollegen,

          nach vielen Jahren voller Überstunden, Unterbezahlung und schlechtem Umgang habe ich mich entschlossen, diese Firma zu verlassen. Ich habe meine Entscheidung seither keine Sekunde bereut – und das wird auch nicht so kommen. Der Ton, der hier herrscht, die ewig gestrige Hierarchie, die unsäglichen strategischen Entscheidungen; all das erscheint mir nicht mehr erträglich, um nicht zu sagen: Es k. . . mich an. Nicht nur ich, viele hier sind dem Burnout nah oder haben sich bereits krankschreiben lassen. Allein die Geschäftsführung wirtschaftet den Laden runter und scheffelt auch noch Geld dabei. Pfui! Und als wäre das noch nicht genug, gelingt es noch nicht einmal, diejenigen, die bereits gekündigt haben, mit Anstand und Würde gehen zu lassen. Stattdessen wird nachgetreten und Unfug in der Öffentlichkeit verbreitet. Noch mal pfui! Ganz ehrlich: Ich möchte mit diesem Laden nichts mehr zu tun haben.

          Mit unfreundlichen Grüßen, R.

          R. ließ den Mauszeiger nach links oben wandern, dann brach er unvermittelt ab, markierte seinen Text und überschrieb ihn zügig:

          Liebe Kolleginnen und Kollegen,

          heute ist mein letzter Arbeitstag in diesem Unternehmen. Wer mich künftig erreichen will, schickt mir eine E-Mail unter R@privat.de.

          Vielen Dank für alles

          Euer/Ihr R.

          Dann drückte er auf „Senden“.

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